Future Weekly

#436 - Dima Rubanov & Matthias Neumayer über kinderfreundliche AI & Gründerfreundschaft

Matthias Neumayer, Dima Rubanov, Markus Raunig Episode 436

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In dieser Folge von Future Weekly sprechen wir mit Dima Rubanov und Matthias Neumayer. Die beiden sind beste Freunde seit Schulzeiten und haben mittlerweile mehrere KI-Startups gegründet, darunter Oscar Stories, Frag das PDF und ihre neueste Initiative rund um das Modell LORA für kindgerechte KI. Wie haben sie sich selbst Programmieren beigebracht? Was treibt sie an, gleich mehrere Produkte parallel zu entwickeln? Und warum glauben sie an Europa als Tech-Standort? Das und mehr erfahrt ihr in dieser Episode.

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Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

Production: Hanna Moser

Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

Markus

Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag, guten Abend, willkommen bei Future Weekly. Heute mit mir Markus und bei Deep Dive Talkis. Diesmal mit zwei großartigen Gästen. Und ja, das sind der Dima Rubanov und der Matthias Neumeier. Hallo, ihr zwei.

SPEAKER_00

Hallo, freut mich, dass wir dabei sein dürfen.

Markus

Ja, wir freuen uns sehr, dass ihr mit dabei seid. Und traditionell starten wir mit einem Blick auf LinkedIn und da steht beim Dima Co-Founder fragt daspdf.de, branding5.com und Oscarstories.com und bei Matthias steht Co-Founder OscarStories.com, Laura branding5.com und fragt das PDF. Also wie man unschwer kennen kann, seid ihr Co-Founder, nicht nur von einer Company. Also erzählt es mal, was macht ihr gemeinsam in euren Companies so den ganzen Tag?

SPEAKER_00

Ja, also wir bauen AI-Apps, vor allem im Education Space. Unser bekanntestes Produkt ist wahrscheinlich Oscar Stories, eine App, mit der man personalisierte gute Nachtgeschichten für Kinder erstellen kann, mit der haben wir auch schon knapp an die 100.000 User. Wir arbeiten mit LoRa an kindgerechter KI und feintunen gerade ein Large Language Model. Und unser drittes großes Thema ist Fraktus PDF.

SPEAKER_03

Ja, Fraktus PDF ist eine Plattform, die quasi drei KI-Tools ineinander verbindet, um das Arbeiten mit Dokumenten, besonders jetzt im Moment PDF-Zielgruppe Studenten und Researcher, aber auch natürlich berufstätige Personen, um die Arbeit mit Dokumenten effizienter zu machen. Also da gibt es die PDF-Chat-Funktion, da kann man sich direkt Fragen an hochgeladene PDFs stellen und präzise Antworten erhalten, ohne dass man das ganze PDF lesen muss. Dann gibt es eine KI gestützte Literaturrecherche, bei der wir Zugriff auf über 200 Millionen wissenschaftliche Artikel haben, und einen KI-Editor, um das Ganze quasi zu vereinen, um sowohl PDFs bearbeiten zu können, auf wissenschaftliche Artikel zugreifen zu können und dann natürlich auch Arbeitenderin schreiben zu können und dann einfach mit Hilfe eines KI-Tools gleich bearbeiten und im World exportieren.

Markus

Jetzt ist der Research Space ja einer, wo sich unglaublich viel international auch tut, wo gefühlt jede Woche irgendein großer globaler KI-Player ein neues Modell announced, das noch einmal besser und nochmal schneller ist. Wie positioniert ihr euch in dem Space? Warum soll man fragt das PDF nutzen und nicht halt 0 auf 15 ChatGPT?

SPEAKER_03

Naja, also erstmal preistechnisch sind wir im Moment billiger als ChatGPT. Das heißt, wir kosten bei einer Jahresubscription 14 Euro, bei einer Monat-Subscription 17 Euro im Vergleich zu 20 bei ChatGPT. Bei den 20 Euro von ChatGPT hat man außerdem den Research Assistant nicht dabei, sondern der kostet, glaube ich, 200 Euro im Monat. Und wenn man schon mal den Research Assistant ausprobiert hat, dann kriegt man einfach sehr viel Output, also teilweise 4000 Worte, nach einem Prompt heraus. Das ist einfach im Moment bei den Researcherinnen und Researchern, mit denen wir bereits gesprochen haben, noch nicht so gewollt, weil Menschen einfach im Moment der KI noch nicht so vertrauen. Das bedeutet, bei uns ist dennoch die klassische, unter Anführungszeichen, manuelle Arbeit, die man beim Research hat, dennoch dabei. Das heißt, man gibt bei uns eine Research Question ein, daraus werden Stichworte formuliert, an eine API geschickt, man kriegt eine Response dadurch und wir fassen die Response quasi aus dem, was man zurückkriegt, kriegen wir eine Antwort. Man hat aber bei uns dennoch Zugriff eben auf diese wissenschaftlichen Dateien, auf diese wissenschaftlichen Artikel.

SPEAKER_00

Und was auch dazu kommt im PDF-Chat, sieht man direkt auf der linken Seite die Quelle. Das heißt, ich weiß, woher hat die KI die Antwort bekommen. Wir verwenden auch klassisch GPT-4. Wir verwenden Gemini und mehrere Modelle, um unsere Antworten zu generieren. Und man hat auch natürlich den riesen Vorteil einer angenehmen UX. Und man kann auch, was zum Beispiel bei ChatGPT nicht geht, Screenshots aus den Dokumenten machen und Fragen zu den Bildern im Chat stellen im Kontext des PDF-Dokuments. Unsere Zusammenfassungen sind qualitativ auch um einiges hochwertiger als bei ChatGPT, weil einfach der Fokus bei ChatGPD nicht auf diesem Use Case liegt.

Markus

Wenn wir jetzt einen Sprung zurückmachen, zum kleinen Matthias, zum kleinen Thema. Wenn ihr an eure Kindheit zurückdenkt, vielleicht wie ihr in der Volksschule wart, gab es da schon irgendwie eine Leidenschaft für Technik, eine Leidenschaft für Bildung vielleicht, eine Leidenschaft für Unternehmertum? Wann hat sich das bei euch entwickelt?

SPEAKER_03

Ja, also der Matthias und ich, da muss man gar nicht so weit zurückblicken. Wir sind beste Freunde seit Schulzeiten. Wir sind acht Jahre hier im Gymnasium ineinander gesessen und unser erstes gemeinsames Projekt haben wir mit 13 gelauncht. Das war ein V-Balatin-Forum, wo es, soweit ich weiß, um Film, Animation und Politik ging. Also alles. Also eigentlich alles, ja. Man konnte da Radio hören, alles mögliche. Also man konnte wirklich alles machen. Da ging es darum, einfach technisch einfach alles umzusetzen und in ein Produkt zu packen, was es gibt. Und ja, also da hat sich das schon angefangen. Wir haben Datenbanken gemercht, wir sind mit einem anderen Forum fusioniert und sind so eigentlich unsere ersten Schritte beim Programmieren gegangen.

SPEAKER_00

Wir haben das Projekt dann irgendwann eingestampft, weil uns dann irgendwann in das Tanzcafé zu gehen wichtiger war, als unsere Server zu warten und haben dann wütende E-Mails von unseren Nutzerinnen bekommen. Ich glaube, wir hatten sogar 40.000 Beiträge auf dem Forum oder irgendwas. Und ja, war echt lustig auf jeden Fall.

Markus

Okay, also das Tanzcafé war wichtiger, das ist natürlich, sagt schon auch aus, was mit euch dann auch persönlich eine Zeit lang vielleicht passiert ist. Gleichzeitig habt ihr euch nicht aus den Augen verloren, wart es vielleicht gemeinsam mit dem Tanzcafé. Habt ihr dann relativ schnell auch nach der Schule tatsächlich wieder gegründet oder war dann schon halt so auch der klassische Weg, mal studieren?

SPEAKER_03

Also ich, ja, wir haben beide studiert. Wir sind nach der Schule studentisch bzw. beruflich eine Zeit lang getrennte Wege gegangen, waren halt aber dennoch immer Freunde. Der Matthias wird gleich sagen, was er gemacht hat, ja, möchte ich ihm da nicht vorgreifen. Ich habe in Wien Wirtschaft studiert und dann einen Master in Finance in London gemacht und habe dann sechs Jahre lang als Berater für Flughafen Ausbau und Entwicklung gearbeitet. Und während Covid sind der Matthias und ich dann wieder wieder gemeinsam gefunden und haben eine Firma gemeinsam gegründet. Und der Matthias?

SPEAKER_00

Ja, ich habe Film und Just studiert, beides fertig gemacht, war neun Monate Konzipient in einer Arwaltskanzlei, habe dann beschlossen, will doch was anderes machen. Bin dann Praktikant bei einer Werbeagentur geworden bei Young ⁇ Rubicam und habe dann eine Medienproduktion namens Bedframes gegründet, wo wir Inhalte von TV-Spot bis Podcast alles Mögliche produziert haben. Es hat auch recht viel Spaß gemacht. Und in Corona haben wir eigentlich dadurch, dass der Dimo nicht wieder zurück zum Programmieren gefunden haben, habe ich dann beschlossen, nochmal zu gründen. Also ich habe schon davor gegründet als Dienstleister, aber nicht als Startup. Und ja, habe dann meine Anteile verkauft und mit dem Team eine gemeinsame Sache gemacht.

unknown

Okay.

Markus

Jetzt habt ihr gesagt, das war während Corona. Was hattet ihr dann irgendwie mehr Zeit? Oder was hat euch bei Corona dazu bewogen, dass ihr wieder zueinander bzw. auch wieder zum Programmieren gefunden habt?

SPEAKER_03

Ja, ich meine, wir haben einfach immer wieder, der Matthias und ich, wie gesagt, wir haben immer wieder eigentlich über Startups geredet, die wir gerne gründen würden. Eins davon war zum Beispiel Run. Das war eine Kombination aus unseren Nachnamen. Da wollten wir, sind wir drauf gekommen, dass sehr viele Menschen einfach extrem viele Kundenkarten haben und wollten ein Startup gründen, mit dem wir all diese Kundenkarten in einem vereinen. Aber wir hatten keine, das war 2015 oder 2014, haben da eine Studie gemacht und diese Studie ist letztens gefunden und so. Haben wir wirklich den Markt recherchiert. Nur es ist halt jedes Mal wirklich daran gescheitert, dass wir die technischen Kenntnisse nicht hatten, um das umzusetzen. Und während Covid hatten wir wieder eine Idee und haben uns aber diesmal gesagt, hey, wir lernen Programmieren wieder, befassen uns wieder damit, machen ein paar Kurse und um das quasi wieder aufzufrischen und setzen das selbst um.

SPEAKER_00

Man muss dazu sagen, der Team ist extrem gut im Organisieren und im Planen und auch im Durchziehen. Und ich kann mich erinnern, er hat damals einen Plan aufgestellt für eineinhalb Jahre mit einem Stundenaufwand von 20 bis 35 Stunden die Woche oder irgend so was Absurdes war das. Und das haben wir tatsächlich durchgezogen, weil wir halt auch nicht so viel zu tun hatten, arbeitstechnisch. Und das waren, glaube ich, fünf Kurse, irgendwie CS50 von Harvard und alles Mögliche. Und wir haben das eineinhalb Jahre lang gemacht und ich muss sagen, man kann in eineinhalb Jahren von Junior Level auf Mit bis, aber auf Mid-Level Programmieren tatsächlich lernen, wenn man genug Zeit reinsteckt. Und ja, haben dann mit diesen Kenntnissen unser erstes Projekt HQQ gestartet. Und aus dem ist dann, aus zumindest dem Zusammenarbeiten ist dann irgendwann ein Oscar entstanden.

unknown

Cool.

Markus

Fand ich spannend, was du gesagt hast, dieses innerhalb von eineinhalb Jahren auf doch ein ganz ansehnliches Level auch im Programmieren zu kommen. Wie viel Zeit war das dann, wenn du jetzt rückblickend schaust? Du hast schon gemeint, es gab einen Zeitplan, aber rückblickend war es, wie viele Stunden pro Woche hat sie da reingesteckt?

SPEAKER_00

Ich habe sicher mehr programmiert, als ich gearbeitet habe in der Zeit, muss ich ehrlich sagen. Also deutlich mehr. Aber es hat auch irgendwie sehr viel Spaß gemacht, wir waren dann beide irgendwann süchtig und wir haben uns dann beide immer so donnerstags und sonntags erzählt, wie weit wir sind. Und ja, aber ich meine, wenn man halt, weiß nicht, so 20, 30 Stunden die Woche etwas über eineinhalb Jahre lernt, wird man auch schon gar nicht so schlecht darin. Also ich glaube, ich habe mehr braver im Programmieren lernen als in meinen beiden Studien. Also ich habe für Jose sicher nicht 20 Stunden die Woche gelernt. Also deutlich weniger.

SPEAKER_03

Ja, und vor allem, ich meine, heute ist das ja noch einfacher, muss man sagen. Das war bei uns ja eine Zeit vor den LLMs. Das heißt, bei uns war das wirklich so, dass wenn ich keine Ahnung bei etwas hatte, musste ich auf Stack Overflow suchen. Wenn du es da eine Frage stellst, dann wirst du sofort von allen zerlegt, ja. Oder man ist dann halt wirklich mit Matthias teilweise tagelang gesessen oder versucht, das Problem zu lösen. Das hast du halt heutzutage mit den modernen LLMs ist das ein Buchteil des Aufwands.

Markus

Wie seht ihr das jetzt auch als Programmierer? Ist das etwas, was, wenn du jetzt, ihr macht ja auch effektiv Bildungsstartups. Habt ihr das Gefühl, das ist eine gute Entwicklung? Also eine ausschließlich gute Entwicklung, oder seht ihr das schon auch kritisch, dass eben genau diese Problemlügeln oder Kompetenz, die vielleicht ihr auch dadurch entwickelt habt, dass ihr halt ein paar Abende an Problemen gesessen seid, dass die vielleicht gar nicht mehr so jetzt ausgebildet wird?

SPEAKER_00

Es ist, glaube ich, die Woche habe ich eine Studie dazu gelesen, dass tatsächlich bei Junior Developern die Problemlösungsskills nicht mehr so gut sind wie früher. Vor allem wenn man mit ChatGPT arbeitet. Ich meine, es ist halt immer eine Frage bei Technologie, wie man sie einsetzt. Es kann eine enorme Hilfe sein, aber natürlich, wenn man nur noch, also Harvard hat so einen schönen Satz, irgendein Harvard-Professor gesagt, ChatGPT is too helpful. Und das fand ich recht schön, weil natürlich beim Lernen es auch darum geht, den Lernweg selbst zu erfassen und selber auf Lösungen draufzukommen und selber sich Challenges zu stellen. Aber ich glaube, das ist weniger eine Frage, ob jetzt AI gut oder schlecht ist, sondern eine Frage, wie man das als Tool einsetzt, was für Startups man mit LLMs verwendet und vor allem, wie auch die Lehre dann darauf reagiert, dass es jetzt ChatGPT-LLMs am Markt gibt.

unknown

Ja.

Markus

Okay, aber das heißt, ihr habt es dann halt wirklich im Direitä-Simmer euch ganz gut programmieren beigebracht. Warum seid ihr dann bei der künstlichen Intelligenz gelandet? Was hat euch dazu bewogen, auch in die Richtung Ideen zu spinnen?

SPEAKER_03

Wir sind einfach mal, also wir haben im Zuge von unserem ersten Projekt schon mit GPT-Modellen gearbeitet. Das waren auch Vorgänger von ChatGPT, also das war noch GPT 3, das heißt, wir haben uns da schon damit befasst, weil wir Topic Classification gebraucht haben für unser erstes Produkt und hatten da schon eine Ahnung. Und irgendwann ist einfach im Dezember, ich glaube 2021, ChatGPT auf den Markt gekommen. Und der Matthias und ich haben miteinander telefoniert und haben gesagt, hey, das wäre doch, das ist doch was ziemlich Cooles. Wie wäre es, wenn wir das verwenden, um personalisierte gute Nacht-Geschichten für Kinder zu machen? Dann haben wir sofort einmal das Interface aufgemacht, dort einen Prompt reingeschrieben, schreibe mir eine gute Nacht-Geschichte für den Max oder sowas, haben den Output gesehen und uns gedacht, das machen wir sofort. Und wir haben wirklich nach der Idee innerhalb der ersten drei Stunden eine GitHub Rapper offen gehabt, sofort zu arbeiten begonnen. Und zwei Monate später ist der MVP am Markt gewesen und glaube ich eine Woche nach dem Launch Product Hunt, haben den ersten Platz auf Product Hunt belegt, die ersten 500 Nutzerinnen für das Produkt gewonnen, haben gesehen, hey, das ist wirklich was und haben dann seitdem eigentlich nicht aufgehört, daran zu arbeiten und immer wieder mit Kundenfeedback da neue Features gebaut und das Produkt nach und nach verbessert. Und jetzt haben wir schon mittlerweile knapp 100.000 User.

SPEAKER_00

Ja, man muss auch sagen, wir sind wirklich mit GPT-3 an den Markt gegangen. Also kannst du dir eh vorstellen, wie die Qualität am Anfang war. Aber es war auch die richtige Entscheidung, so schnell wie möglich rauszugehen und nicht irgendwie im Elfenbeinturm da ein Jahr lang zu basteln. Also du musst die App, wie die damals ausgeschaut hat, das kann man sich gar nicht vorstellen, wie schlimm das damals war. Aber es war gut. Also wir sind noch sehr froh, dass wir so schnell waren.

Markus

Das ist ja durchaus eine, glaube ich, der schwierigsten Fragen in der Anfangszeit. Wie gut muss das Produkt sein, dass man es veröffentlicht? Hattest du das Gefühl, dass bei euch hat es funktioniert, obwohl du hättest gesagt hast, es war noch nicht perfekt und es war auch wahrscheinlich die Technologie dahinter, also die künstliche Intelligenz noch nicht auf dem Level, natürlich weit weg von wo es heute ist. Aber hast du das Gefühl, dass eure ersten Kunden, eure ersten Nutzer, dass die das aus einer Faszination für Technologie spannend gefunden haben und genutzt haben? Oder war das trotzdem einfach klassisch Eltern, die für ihre Kinder Geschichten wollten? Und das war halt okay, dass es noch nicht so super tolle Qualität war?

SPEAKER_00

Also wir hatten am Anfang schon eigentlich Eltern aus der Text-Szene. Also ich kann mich erinnern, wie hat der geheißen, Timer? Wir haben mit einem unserer ersten Nutzer sehr viel geschrieben gehabt. Der Mac Pizza, sei ihm unser Name, auf Twitter, kann mich erinnern. Vielen Dank auch dafür. Der hat nämlich als erster das größte Package. Damals gab es noch Coins um 50 Euro gekauft, nach viermal Verwenden und den Namen geschrieben. Und der ist eben auch Software Developer gewesen und hat das eigentlich ziemlich cool gefunden und dann gleich ausprobiert. Ich kann mich erinnern, einer der Mitgründer von Nista hat es sehr früh verwendet, von Markus. Und ja, ich glaube, so die Überlappung von Tech-Early Adoptern und Eltern waren irgendwie so unsere ersten Nutzerinnen.

Markus

Make sense, ja. Es ist schon sehr narrow, aber wahrscheinlich dann auch genau deshalb ein guter Fit. Wenn sagt ihr, ihr habt ja knapp 100.000 Nutzer, die das auch verwenden. Gab es irgendwo einen Inflection Point, wo ihr gesehen habt, okay, jetzt hebt das so richtig ab, das ist jetzt der technologische Sprung, mit dem das auch wirklich für die Breite relevant wird.

SPEAKER_03

Ja, also ich glaube nicht, dass es irgendwas gab, was das irgendwie. Also wir haben ja zuerst nur Text gehabt, dann haben wir daraus Audio-Storys gemacht. Und natürlich immer wieder, wenn man so ein Feature rausbringt, sieht man schon, ja, man kriegt besseres Feedback vielleicht mit den Nutzern, mit denen man kommuniziert. Was sehr geholfen hat, meiner Meinung nach, war, als wir die Möglichkeit haben, eingebaut haben, eine Moral der Geschichte hinzuzufügen, weil Eltern einfach gerne ihren Kindern etwas beibringen. Das heißt, das hat etwas gebracht. Aber ein richtiger Wachstumsschub war unser Auftritt bei zwei Minuten, zwei Millionen. Du hast dann wirklich gesehen, sobald die Pause gekommen ist, also die Werbeunterbrechung, sind die Zahlen einfach nach oben geschossen. Und auch als Puls 4 eine Sendung über uns gedreht hat, da war jedes Mal, da hat man gesehen, ah, jetzt ist wahrscheinlich der, das ist, glaube ich, über eine Woche am Abend vier, fünf Mal gelaufen. Jedes Mal, wenn das gelaufen ist, hast du gesehen, Notifications drehen da komplett durch.

SPEAKER_00

Ja, wir waren auch in Wired, wurden wir erwähnt, das hat auch einiges gebracht. Man muss aber sagen, mittlerweile ist unser Hauptwachstum tatsächlich durch SEO und ASO, also App Store Optimization und Keywords. Also wir können, wir haben auch eigentlich kaum Paid Ads, weil das, was wir bekommen, über den App Store direkt so viel stärker geht als alles, was wir in Werbung reinstecken. Und wir auch gemerkt haben, deswegen arbeiten wir auch gerade an Laura, dass wir sehr schwer ist, in dem Space exponentielles Wachstum wirklich hinzukriegen. Also wir wachsen sehr gut, aber wir haben noch nicht den Brandbeschleuniger gefunden, muss man auch ehrlich sagen. Also das ist, glaube ich, auch mittlerweile sehr, sehr schwer bei Apps, dass du wirklich jetzt den Hockeystick so wie früher den Orgen schaffst. Also wir haben super Zahlen und funktioniert gut, aber ehrlicherweise den konstanten Hockey-Stick suchen wir noch. Also das ist nicht einfach, ja.

Markus

Und die Finanzierung von dem Ganzen, seid ihr komplett bootstrapped? Ist das einfach über den Revenue, den ihr in der App generiert oder gibt es da andere Geschäftsmodelle dahinter? Ja, wir sind bootstrapped, ja.

SPEAKER_00

Genau, wir werden aber auch, wir haben Förderungen bekommen, muss man auch sagen. Also Danke Start. Und wir werden aber auch bei LoRa langfristigen API anbieten. Das heißt, wir werden da auch dann B2B gehen, weil das natürlich für uns auch interessant ist. Und wir sprechen auch jetzt gerade mit Kindergärten und Bildungseinrichtungen, weil es für sowohl Bildungseinrichtungen bei Faktus PDF sind es Unis, bei Oscar sind es Kindergärten. Durchaus für uns interessant ist, auch in den B2B-Space langfristig zu gehen und nicht nur ein B2C-Produkt anzubieten.

Markus

Wenn man jetzt auf euer LinkedIn, dann sind da ja mittlerweile schon etliche Startups, die ihr in den letzten Jahren da gemeinsam gestartet habt. Anfang letzten Jahres Branding 5 und dann eben im Sommer fragt das PDF und du hast jetzt auch schon LoRa erwähnt. Es ist eine alte Weisheit, die man immer wieder hört. Startups, Fokus, Fokus, Fokus, ja, nicht so viele Dinge gleichzeitig machen. Warum habt ihr euch trotzdem entschlossen, da jetzt dann, sag ich mal, so zu diversifizieren auch eurer Zeit und die unterschiedlichsten Produkte da auch auf den Markt zu bringen.

SPEAKER_00

Ich glaube, wir bauen gerne.

SPEAKER_03

Man baut natürlich sehr gerne, aber es geht auch natürlich immer darum, wenn man mal etwas ausprobiert, wenn man einfach mal das Gefühl hat, wirklich ein Bauchgefühl hat, hey, das könnte wirklich was sein, so wie bei Frakt das PDF zum Beispiel wir das gehabt haben. Wo wir gesagt haben, hey, ich glaube, das könnte wirklich was Cooles sein für den deutschen Markt. Da gibt es noch nicht viel am deutschen Markt für das. Warum probieren wir es nicht? Und heutzutage kann man eigentlich eine Basisversion einer App in zwei Monaten oder sowas hinbekommen. Und die erste Version von Fraktas PDF ist wirklich über die Weihnachtsferien entstanden. Dann fügt man ein Payment, eine Paywall hinzu, haut das auf den Markt und schaut sich an, hey, verwendet das jemand oder nicht. Und wenn man da User kriegt, dann kann man weiter sagen, hey, warum baut man denn nicht noch was dazu? Man fängt an mit diesen Usern zu reden oder nicht. Und entweder wächst das oder nicht. Und man entscheidet sich dann irgendwie im Laufe der Zeit dafür, okay, mache ich da jetzt weiter oder nicht. Das heißt, es ist nicht so, dass wir uns da hingesetzt haben und entschieden haben, ja, jetzt machen wir was anderes. Wir haben jetzt in Wirklichkeit längere Zeit nichts Neues gelauncht. Aber mal schauen.

SPEAKER_00

Und man muss auch sagen, es bereichert sich sehr gegenseitig. Also gerade die Learnings, die wir jetzt haben, ein eigenes Feintuning zu machen für LoRa, was ja eigentlich allen unseren Produkten hilft, das können wir ja dann wieder auf das nächste Produkt anwenden. Und da ist eigentlich ganz cool, weil man dann irgendwie so von raus aus dem Silo-Denken automatisch kommt. Aber natürlich, also wenn wir jetzt Funding hätten, könnten wir uns das nicht leisten, dass wir mehrere Produkte gleichzeitig machen. Da wäre auch wahrscheinlich der Plan ein ganz anderer.

Markus

Und das ist jetzt ein sehr experimenteller, das ist klassisch auch Lean-Startup-Approach, oder? Man baut etwas, schaut sich an, gibt es da Resonanz und wenn ja, dann investiert man da auch mehr Zeit und Ressourcen rein. Gab es für euch Zeug während Learning? Du hast jetzt schon gemeint, man baut etwas und dann haut man es mal auf den Markt und schaut, was zurückkommt. Was muss zurückkommen, damit für euch das Gefühl da ist, da lohnt es sich jetzt mehr Ressourcen und mehr Fokus auch hinzuschieben. Was war da vielleicht auch der Moment, wo ihr jetzt zum Beispiel bei Frakt das PDF gemerkt habt, da ist Potenzial da.

SPEAKER_03

Also ich muss echt sagen, das merkt man. Also das kann man gar nicht beschreiben. Man merkt es, wenn die Leute ein Produkt verwenden. Wir haben bei Frakt das PDF, wir sind letztes Jahr an den Markt gegangen, wir haben User, die sind seit Juli subscribed, kontinuierlich. Das heißt, das ist ein Zeichen dafür, ja, die App gefällt Leuten. Wenn man merkt, ja, die Leute schauen sich die App an, man braucht auf jeden Fall Analytics, man braucht auf jeden Fall ein gewisses Analysetool, damit man sich anschauen kann, wie ist das User-Verhalten. Wenn man merkt, ja, die Leute melden sich an, weil die Landingpage schön ist, kommen nach zwei Tagen nie wieder zurück, ist es ein relativ schlechtes Zeichen.

SPEAKER_00

Ja, ich glaube, die wichtigste Metrag ist, ob Leute dafür zahlen und dann die Frage, ob sie lang bleiben. Und was wir auch gemerkt haben, wenn man viel Beschwerdemails bekommt, ist das gut. Weil dann wollen die Leute dein Produkt nutzen und interessieren sich dafür, ob das funktioniert oder nicht. Oder wenn sie dir Feedback geben und sagen, das funktioniert nicht, sie hätten gern das, das ist gut. Wir haben gemerkt, das ist super. Wenn du das nicht kriegst, hast du ein Problem, weil dann denken sich die Leute, egal, interessiert mich nicht, wie ich nicht verwenden. Und ja, das ist natürlich ein wichtiges Indiz. Und wir sehen sie ja zum Beispiel auch bei Fakt, dass PDF das wieder die mal gesagt hat, dass die Leute, also wir haben allein auf TikTok Videos bekommen von irgendwelchen random deutschen Studierenden, die die App voll cool finden. Und da merken wir, da ist ein Need da. Es ist natürlich auch ein bisschen ein Uphill-Battle, weil wir haben große Konkurrenz, wie Notebook LM, in gewisser Weise Perplexity. Wir haben natürlich einen anderen Fokus, aber trotzdem. Aber wir glauben, dass gerade für den deutschen Markt da einiges fehlt und wir da eine Lücke besetzen können.

Markus

Und von der Zielgruppe jetzt ist das in erster Linie wirklich für Hardcore-Deep Researcher, also PhD und Co. Also da ist es eher die breite Gruppe der Studenten, die halt ihre Bachelorarbeit schreiben. Ist da irgendwie ein Fokus?

SPEAKER_03

Man muss nicht immer Bachelorarbeit sein, einfach eine breite Gruppe von Studenten oder Menschen, die mit PDFs arbeiten. Man sollte sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, wenn man mit etwas, mit einem Produkt anfängt, sollte man sich auf jeden Fall eine Nische aussuchen und sich von der weiter quasi handeln. Das heißt, man würde anfangen, wie am Angefangen beispielsweise, mit Studierenden auf Universitäten in Österreich. Sind dann auf Deutschland gegangen und schauen, dass wir so wachsen. Kontinuierlich wird das Produkt verbessert, erweitert, mit neuen Funktionen geschmückt, könnte man sagen. Manchmal gibt man was dazu, manchmal gibt man es wieder weg, aber man muss mein Meinung auch auf jeden Fall bei der Nische anfangen. Ziel wäre es natürlich irgendwann, dass es jeder verwendet. Aber jetzt müssen es Studenten sein.

Markus

Das würde mich interessieren, ihr macht ja viel da im Bildungsbase. Und künstliche Intelligenz verändert ja grundsätzlich wahrscheinlich Bildung auf vielen Ebenen. Wie ist denn da eure Vision für die Zukunft? Wie glaubt ihr, ihr muss sich das Bildungssystem auch verändern, um diesen neuen Möglichkeiten gerecht zu werden? Was gibt es da auch für Möglichkeiten, diese Technologien tiefer in den Unterricht zu integrieren?

SPEAKER_00

Ja, also ich glaube, meine Mutter ist eine Lehrerin, deswegen vielleicht auch eine gewisse Affinität da, familiär bedingt. Ich glaube, es ist wichtig, dass man es als Tool sieht und nicht als Ersatz. Also gerade die Empathie wird man nicht durch KI ersetzen können. Aber was man halt sieht oder wie auch beide in unserer eigenen Schulzeit erlebt haben, das Thema Individualität oder unterschiedliche Lerntypen abzubilden, ist etwas, was man mit KI sehr gut schaffen kann. Und es ist auch eine massive Zeitersparnis. Also und natürlich die Gegenseite, Problemlösungsskills muss man trotzdem selbst lernen. Und das wird nicht ersetzt werden durch KI. Aber individualisiertes Lernen und auch vor allem offenes Lernen, also auch Lernen für Leute, die jetzt nicht Zugang zu den besten Universitäten oder den besten Lehrenden haben, das ist natürlich sehr, sehr spannend für KI. Vor allem auch multilingual. Also ich glaube, da wird sie noch sehr, sehr viel tun.

SPEAKER_03

Ja, da kann ich eigentlich nur zustimmen. Ich möchte einfach nur betonen, dass es trotzdem beim Lernen ist, es gibt, wie gesagt, was Damatthias gesagt, es gibt einerseits das Tool, KI, das auf jeden Fall irgendwann einmal innerhalb der nächsten vier, fünf Jahre wird wahrscheinlich jeder so in einem Ohrstecker ein LLM haben, mit dem man direkt kommunizieren kann und wo man direkt fragen kann, hey, wie ist denn das, wie ist denn das, was ist denn da der, ich weiß nicht, ich stehe gerade vor a Rathaus in Madrid, was ist da die Geschichte des Rathauses? Das ist doch ein super Tool, wenn es dir einfach sofort die Geschichte des Rathauses von Madrid oder sowas oder irgendwelche Eckpunkte erzählt. Nur wenn man zum Beispiel irgendwann mal eine Sprache gelernt hat, dann weiß man, man muss immer in diese Situation kommen, wo man selber auf diesen gewissen Ausdruck kommt. Wenn man mit einem Freund oder einer Freundin unterwegs ist, die einem jedes Mal das richtige Wort einsag von der Seite, wird man es einfach nicht lernen. Das heißt, da muss noch irgendwie eine Balance gefunden werden.

SPEAKER_00

Das ist so wie Duolingo, ja. Ich will jetzt nicht bashen, aber ich habe Duolingo für eineinhalb Jahre verwendet. Und es ist halt ein Spiel, da lernst du keine Sprache damit. Also das ist ein Spaßspiel, wo du halt irgendwie ein paar Vokabeln lernst, aber du wirst jetzt nicht mit Duolingo nach zehn Jahren Duolingo verwenden, wirst du jetzt nicht kein Native Speaker werden. Und ich glaube, so ähnlich ist es mit KI, die Frage, wie man es einsetzt, ist relevant.

SPEAKER_03

Und vor allem, es ist auch schwer zu sagen, in diese Situation natürlich, wenn sich jetzt die Zukunft so weit entwickeln wird, dass in fünf Jahren jeder zwei Ohrstecker im Ohr hat und in seiner Sprache spricht und die andere Person in Real Time hört, dass in der Sprache, in der die Person es hören will, gut, dann ist das halt die Zukunft, dann braucht keine mehr Sprachen lernen. Wenn wir andere Sachen lernen, weiß ich nicht. Also ich kann nicht sagen, ob das jetzt gut oder schlecht ist.

Markus

Ja, spannende Zeiten. Das Start-up, über das wir jetzt noch recht wenig gesprochen haben, ist LoRa. Das ist eben auch noch nicht der Fahrer im LinkedIn. Umso mehr finde ich es spannend, wenn ihr dazu ein bisschen erzählt, was ihr da vorhabt und was da auch die Strategie dahinter ist.

SPEAKER_00

Ja, LoRa findet auch ein bisschen im Rahmen von OscarStories statt. Also wir haben auch eine Landingpage auf OscarStories.com, wo wir gerade kürzlich Benchmarks released haben, weil wir tatsächlich bis der Erste, der was öffentlich sagt, in Readability Metrics besser sind als ChatGPT für Kinder und wie große LLMs. Und warum es darum geht, es ist ein bisschen ein Research-Projekt. Wir arbeiten auch zusammen mit der Fachakademie für Sozialpädagogik in München und mit Trustd.AI. Und es geht darum, Large Language Models so fein zu tunen, dass sie kindgerechte Sprache schaffen und verminderten Bias haben. Warum? Weil wir sind darauf gekommen, dass das Verständnis für Sprache für Kinder natürlich nicht kein großer Fokuspunkt von großen AI-AI-Anbietern war oder ist. Und es hier noch mal mit Prompting nur bis zu einer Glasdecke irgendwie kommt und die man dann nicht durchbrechen kann. Und gerade was die Art der Wörter, also zum Beispiel Text für ein sechsjähriges Mädchen und es kommt das Wort Antagonist vor, wirst du dir halt schwer tun, irgendwann das Wort zu erklären. Und genau daran arbeiten wir. Und natürlich auch Bias, das kommt auch aus Oscar, weil wir irgendwann einmal drauf gekommen sind, dass leider zu oft dann, auch wenn du erklärst, ja, das Mädchen, das jetzt sechs Jahre alt ist, soll die Heldin der Geschichte sein, kommt in der Mitte der Story. Ich meine, da haben wir massiv daran gearbeitet, das zu verhindern. Aber es kann passieren, dass halt dann kommt, ja, sie saß weinender Boden und der kleine Marco kam dann her, hat sie aufgehoben und mit ihr gemeinsamen Drachen besiegt. Und dann denkst du dir vielleicht, das Elternteil hätte irgendwie schon gern, dass mein Kind wirklich die Heldin ist und nicht das Opfer. Und das ist auch ein sehr komplexes Thema, was zu 100% überhaupt nicht lösbar ist, aber wo wir daran arbeiten, das zu reduzieren. Und wir gerade ein Feintuning gemacht haben von Mistral und das einerseits für unsere Produkte verwenden wollen in erster Linie und langfristig als API öffnen wollen. Jetzt mal mit Fokus auf Deutsch und dann natürlich Englisch und andere Sprachen.

Markus

Cool. Ist das dann so ein bisschen eine Vision auch für die Zukunft in Richtung roter Faden von dem, was ihr macht, dass dieses vielleicht eben auch besonderen Zielgruppen entsprechende Trimming von AI-Tools, auch das Reduzieren von Biases, ist das so ein bisschen ein Nordstern, den ihr auch seht?

SPEAKER_00

Ja, schon. Also wir finden das extrem spannend, das Thema. Ich finde, Bias überhaupt sehr spannend bei LLMs und das Thema Halluzinationen, weil so Hype Demo und ich für AI sind, ich finde, das sind schon Themen, mit denen man sich beschäftigen muss und dem auch bewusst sein müssen. Also allein wenn du jetzt Bing anschaust bei Google, das ist ja halb unbrauchbar, was sie dann AI-Zusammenfassungen liefern. Also da kommt dann irgendwie Präsident jetzt ist Joe Biden oder solche Sachen raus. Und ich finde damit zahlt sie sich aus zu beschäftigen und Feintunings finde ich auch sehr spannend, weil die auch für kleinere Startups und oder auch für Unternehmen zugänglich sind, dass man für die eigene Anwendungsdomäne LLMs Feintuned und deshalb sind wir auch sehr große Fans von Open Source.

Markus

Jetzt ist eine Frage, die mich noch sehr interessieren würde, bevor wir zu unser Speedrun kommen. Ihr seid auch relativ aktiv auf den diversen Social Media Kanälen als, ich sage jetzt mal, positive Vertreter einer europäischen Zukunft, auch im Technologiebereich. Also durchaus auch vielleicht ein bisschen gegen den gerade sehr vorherrschenden Narrativ, dass in Europa alles scheiße ist und man muss ja eigentlich nach Amerika gehen, um erfolgreich zu sein. Seid ihr mir da schon aufgefallen, als Leute, die da proaktiv eine andere Meinung auch vertreten? Vielleicht könnt ihr ein bisschen erzählen, ein bisschen erklären, warum ihr an Europa glaubt und woran das auch oder woran ihr das festmacht, wie ihr das auch manifestieren wollt?

SPEAKER_03

Ja, wir glauben auf jeden Fall an Europa. Also ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Europa hier nicht nur die Brawer haben, ja, also wir nicht nur das Geld haben, um etwas, also wie gesagt, vom GDP her, wissen wir alle, sind wir, wenn man sich PPP sich anschaut auf dem Niveau von den USA. Wir haben nicht nur das Geld, wir haben auch die Brain Power. Wir haben hier die besten Universitäten, also eine der besten, also einige der besten Universitäten der Welt, um in diesem Bereich die Vorreiter zu sein. Sehr viel, was im Internet halt immer verbreitet wird, was aber einfach nicht so aussagekräftig ist. Viele dieser Aussagen werden mit quasi Bewertungen von Firmen gestützt und gesagt, ja, diese Firma ist jetzt so und so bewertet. Wir wissen, nicht alle Bewertungen sind immer eins zu eins. Wenn man sich da so die Revenue-Multiples und sowas anschaut, sind das manchmal absurde Zahlen, ja. Also ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass wir nicht nur die Brainpower, sondern auch das Geld, aber auch die Möglichkeiten hätten hier in Europa, wie man sich Startups wie Mistral und so weiter anschaut, da was richtig Gutes umzusetzen.

SPEAKER_00

Ja, ich muss auch sagen, ich glaube, wir, Dima und ich sind auch sehr kritisch, was Europa betrifft. Oder man muss auch, man kann nicht wegargumentieren, dass natürlich viel verabsäumt wurde, gerade im Tech Space. Das ist auch etwas, was geändert gehört und wo auch viel getan wurde, was nicht gut ist. Aber ich glaube, das Problem an der Online-Diskussion der Allgemeinen ist sehr einseitig geführt wird, weil man nicht sieht, wie viel erreicht wurde oder wie viel geschafft wurde. Also zum Beispiel, dass die Länder der EU-Osterweiterung eigentlich de facto ein Wirtschaftswunder die letzten zehn Jahre hingelegt haben, wird irgendwie Diskussion komplett vergessen. Dass der Lebensstandard enorm hoch ist und deutlich besser. Also ich weiß nicht, wer jetzt nach San Francisco fährt und dort auf die Straße geht oder in Wien auf der Straße ist, da muss man halt sagen, ja, es gibt mega geile Startups in San Francisco, braucht man nicht drüber reden. Aber wie das dazugeht, ist halt schon noch ein anderes Thema und ich finde, da braucht es auch eine gesunde Balance. Und ich habe halt das Gefühl, dass viel von der Tech-Bro, das nenne ich mal, Propaganda oder von dem, was verbreitet wurde, wir in Europa eins zu eins übernehmen. Und ich finde, das Sentiment sollte sein, ja, wir müssen viel ändern, ja, wir müssen anpacken, aber man sollte das in positive Ideen verwirklichen und gleichzeitig auch nicht vergessen, wie viel erreicht oder getan wurde. Aber natürlich, also es ist, es wird oft gesagt, Europa soll aufwachen, ich kann den Satz schon immer hören und das ist natürlich auch schon in manchen Bereichen wahr. Auf der anderen Seite, ich meine, nur als Vergleich, weil ich kenne ja auch immer diese Grafik mit den Market Evaluations, wenn man, wenn man ein Video rausnehmen würde, aus dem Vergleich der Stocks, würden die Stock 600 besser performen oder hätten besser performt als SP 500, was halt schon recht witzig ist, weil das ist halt ein Unternehmen. Also wenn du dann ein einziges Unicorn schaffst, wird sich das wieder ändern. Und diese Vergleiche sind auch schwierig. Ich meine, die USA hat keine Energiekrise gehabt, sie haben mehr Unternehmen, die börsennotiert sind. Und leider investieren europäische Investoren und das ist das Hauptproblem in amerikanische Unternehmen statt in unsere eigenen. Und ich glaube, das sollte man mal ändern.

SPEAKER_03

Ja, und auch ein wichtiger Punkt ist, muss man sagen, Venture Capital. Also Venture Capital war auf jeden Fall der Motor hinter fast allen, also nicht hinter fast hinter allen Unicorns, die wir aus den USA kennen. Und das ist einfach eine Bewegung, nennen wir es mal, die es in Europa in dieser Art einfach nicht gegeben hat. Das kann aus, man kann jetzt die hunderte, tausende Gründe dafür, die USA ist ein geintermarkt, das ist bei der EU nicht der Fall. Wir haben hier einzelne Entities, das ist schwieriger. Und ich glaube, viele Leute müssten sich da ein bisschen einlesen und verstehen, warum man die EU nicht direkt mit den USA vergleichen kann. Obwohl es mittlerweile bewegt in Richtung EU-Inc, also an EU-wite firma, also firmen, and so weiter. Nur what I don't Matthias girl, bonsie from this tech Bro Scene. We have as tech founder, all have a gang to the global market. I can in Wien sit down and my product in the US in the USA for us. And when this product not good, then is not the EU. und dann irgendwie nach Funding in San Francisco sucht, dann habe ich das Funding wahrscheinlich fünfmal so schnell zusammen wie hier in Österreich oder hier in Deutschland. Nur hier reden wir von Unicorns. Nur 10.000 bis 20.000 oder 30.000 Euro im Monat zu verdienen mit einem Startup, das gut wächst, keine Hockeystick-Curve hinlegt, ist auch aus, ich weiß nicht, jedem Dorf in Österreich möglich.

SPEAKER_00

Ja, das glaube ich auch. Und die Leute, die dann sagen, ja, GDPR ist mein Problem, deswegen wachse ich nicht, denke ich mir, ehrlich, wenn du nicht schaffst, einen Cookie Punner eine Datenschutzrichtlinie zu implementieren, hast du andere Probleme. Gut, gibt Startups, Bereiche, wo das anders ist, muss man auch dazu sagen, oder sensitive Daten arbeiten. Aber ich sage jetzt mal für 95% der Unternehmen, wenn ich dann sehe irgendwie auf Twitter, ich muss da in die USA ziehen, sitze jetzt in Bali, zahle dort eh keine Steuern, mein Startup rennt eigentlich eh nicht, aber die EU ist wohl scheiße, denke ich mir so, okay, du wohnst im Niedrigland und dienst halt ein europäisches Gehalt und schimpfst dann auf die EU. Okay, interessant. Aber ja.

Markus

Ja, I see where you're getting it. Bringt uns zu unserer Speedrun. Das bedeutet, ich brauche da. Wir haben sechs schnelle Fragen. Das heißt, ich brauche sechs schnelle Antworten, jeweils von euch beiden. In diesem Sinne starten wir mal, wenn ihr zurückblickst auf eure letzten Jahre. Was ist euer größtes Learning?

SPEAKER_03

Mein größtes Learning ist auf jeden Fall, so schnell wie möglich an den Markt zu gehen. Also wenn man ein Startup macht, wir beziehen das gerade auf Startups, ja. Wenn man ein Startup oder ein neues Produkt rausbringt, ist das größte Learning, was ich habe, so schnell wie möglich an den Markt und so schnell wie möglich mit echten Menschen reden und so schnell wie möglich Menschen wirklich dabei zuschauen, wie sie dein Produkt verwenden. Das hat uns bei Oscar Stories sehr viel geholfen, wenn wir Kinder dabei zugeschaut haben, wie sie Oscar-Stories verwenden, sowohl jetzt letztens User-Interviews für Fragt das PDF. Einfach jemand sharet den Screen und ich schaue diese Person dabei zu, wie sie es macht.

Markus

Matthias?

SPEAKER_00

Mein größtes Learning, Spaß haben. Also ich muss sagen, ich glaube das Wichtigste als Founder ist, dass man lang dranbleibt und das schafft man nur, wenn man auch Spaß an der Sache hat und sich auch überlegt immer wieder, warum man das eigentlich tut und was eigentlich das Endziel ist. Und da bin ich sehr froh, dass ich mit meinem besten Freund gegründet habe. Weil das ist ein Garant dafür, dass mir zumindest nicht Fahrt wird.

Markus

Very good point. Was ist euer bester Lifehack?

SPEAKER_00

Bester Lifehack, wenn den Computer abdrehen auch einmal und nicht wieder anfangen zu arbeiten.

SPEAKER_03

Bei mir, also ich bin jetzt in der Zeit der Selbstständigkeit drauf gekommen, dass es auch sehr wichtig ist, zu verstehen, vor allem als Founder, wann man ein Produktisten ist. Das ist zum Beispiel bei mir eher vormittags und sehr früh beim Tag. Bei Matthias ist das etwas später und ich finde, das muss man, es wird jetzt das deutsche Wort nicht dazu ein, aber auf Englisch so embracen. Man muss sich da darauf fokussieren und einfach konzentrieren und einfach so arbeiten, finde ich. Habt ihr eine Buchempfehlung für uns? Ja, ich, jeder sollte jetzt die Mistborn Trilogy von Brandon Sanderson lesen.

SPEAKER_00

David Grebner Bullshit Jobs, finde ich sehr wichtig. Und Anfänge, ich mache ihn sehr gerne, sehr gut zu lesen, Sachbuch. Fiktional Ursula Kalegin, The World for World, is Forest. Auch finde ich gerade, was jetzt passiert auf der Welt, ein sehr schönes Buch Science Fiction, um das irgendwie in den Kontext zu setzen.

Markus

Was ist euer Lieblingsprodukt?

SPEAKER_03

Kaffee.

Markus

In bester Gesellschaft.

SPEAKER_00

Kann ich mich anschließen. Ich wäre auch bei Kaffee dabei. Ich bin ein ziemlicher Stereotyp, habe mit Anfang 30 mir eine Siebträger-Maschine gekauft und bin hängen geblieben.

Markus

Es haben schon viele Startup-Gründer in diesem Podcast gesagt, dass Kaffee ihr Lieblingsprodukt ist. Dementsprechend auch jetzt wieder die hypothetische Frage, hier steht in der Früh auf. Jemand hat eure Siebträgermaschine in der Nacht still und heimlich gestohlen. Was ist euer Lieblingsschimpfwort?

SPEAKER_00

Sackelpicker.

SPEAKER_03

Ich glaube, ich sage oft Shit. Wenn irgendwas passiert. Das ist alles mein Klassiker.

Markus

Also mit Shit bist du auch in bester Gesellschaft. Sackelpicker ist, glaube ich, eine Innovation im Future Weekly Lexikon.

SPEAKER_00

Yes.

Markus

Sehr fein, das bringt uns zu unserer letzten Rubrik. Und das sind natürlich Moonshots und Predictions. Das heißt, wir brauchen von euch jeweils einen Moonshot frei nach JFK und eine Vorhersage für die Zukunft. Für die allgemeine Zukunft oder für unsere Zukunft. Durchaus für die allgemeine Zukunft. Wir können es natürlich in dieser Zukunft auch vorkommen, aber grundsätzlich eher für die Allgemeinheit.

SPEAKER_03

Also von uns meine Prediction, ich sage eine für Frakt das PDF. Ich hoffe, dass Frack das PDF wirklich zum Nummer 1-Tool für Researcherinnen und Researcher im deutschsprachigen Raum wird innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre, dass sich das wirklich als die Go-To-Lösung oder sagen wir so das ist, was fast jeder Student verwendet, Dokumente miteinander teilt. Wir haben dann auch eine ziemlich große Pipeline, von der ich überzeugt bin, dass sie den Studierenden einen riesen Mehrwert bringen wird. Das ist mein Moonshot und meine Voraussage ist, dass sich viele Startups in Europa, also unter anderem sowas wie Mistral, Liquid. KI-Startups in Europa, innerhalb der nächsten Jahre sehr, sehr stark formieren und präsentieren und beweisen werden. Cool.

SPEAKER_00

Mein Moonshot, geopolitisch die Hoffnung, dass wir die über 65-jährigen Boomer, die gerade die Welt regieren, hinter uns lassen und es schaffen dann die großen Probleme der Welt, nämlich die Klimakrise anzugehen. Und meine Prediction, dass der AI-Race von Open Source gewonnen wird und nicht von ein paar wenigen Startups, die proprietary Modelle anbieten. Und für unsere Produkte ist die Prediction, dass wir die Nummer 1 LLMs für, oder der Moonshot, vielleicht die Prediction, für im Education Space zusammenkriegen. Das wäre sehr cool.

Markus

So, und jetzt finale Frage, bevor ich euch quasi zurückentlasse in euer unternehmerisches Tun, nachdem ihr Experten seid, sowohl beim Thema KI als auch Bildung. Ich glaube, eine Frage, die sich viele angehende Eltern oder Eltern jetzt auch stellen. Was würdet ihr jungen Menschen raten, bildungstechnisch zu machen? Es gibt da gewisse Studien, die ihr empfehlen würdet, oder gewisse Schultypen. Was würdet ihr euren eigenen Kindern da mit auf den Weg geben?

SPEAKER_03

Also ich meine, ich würde auf jeden Fall sagen, viele würden da jetzt sagen, ja, auf jeden Fall irgendwas mit Technik machen, etc. Ich würde einfach sagen, es muss einfach etwas sein, was einem Spaß macht in dem Moment. Mir hat beispielsweise Wirtschaft und Aktienmarkt sehr Spaß gemacht mit Anfang 20. Deshalb habe ich mich da, habe ich auch Wirtschaft studiert and einen Master in Finance gemacht. Unter anderem auch ein Auslandssemester in den USA, und das war alles sehr, sehr finance-lastig. Und ich habe dann einfach mit 30 meiner Karriere gewechselt und bin in Richtung Technik gegangen. Das geht einfach. Wichtig ist es, etwas zu tun, wo man nicht weg from the computer or from the medium kommt, in dem das quasi bearbeitet wird. Es muss Spaß machen, man muss die Zeit vergessen, man muss in so einem Flow-Zustand kommen, wo man sagt: Ich möchte mehr wissen, ich möchte mehr erfahren, ich möchte mehr in diesem Bereich. Weil nur so wird man einer der Top-Leute, wenn man es sein möchte, ja, aber nur so wird man einer der Top-Experten in diesem Bereich, wenn es einem Spaß macht, finde ich.

SPEAKER_00

Ja, ich glaube, man sollte sich breit aufstellen und nicht nur in einem Bereich arbeiten, weil man dann der Gefahr des Silo-Denkens sehr, sehr hoch ist. Aber prinzipiell würde ich meinen eigenen Kindern raten, Spaß am Lernen zu haben und die Dinge zu finden, die man interessant findet, um mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich zu wundern und viel zu hinterfragen und auch Handwerk nicht zu unterschätzen, weil das zum Beispiel auch ein Thema ist, was sehr wenig vorkommt und wahrscheinlich eine der Sparten ist, die von KI am wenigsten ersetzt werden wird.

Markus

Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Vielen Dank euch beiden fürs Mitdabeisein, fürs Vorbeischauen. Vielen Dank auch euch da draußen fürs Zuhören. Wir wünschen euch einen guten Start in die neue Woche und hören uns wieder am Donnerstag mit den News. Danke dir, Markus. Danke.