Future Weekly
Die zwei Startup Veteranen Daniel Cronin und Markus Raunig sprechen mit jeder Menge Humor über Technologie, Unternehmertum und die Zukunft. Jeden Donnerstag analysieren sie die interessantesten News der Woche und küren Rockstars, die die Welt von morgen prägen. Jeden Sonntag begrüßen sie im Deep Dive visionäre Gäste für einen Blick hinter die Kulissen aktueller Trends und formulieren gemeinsam Moonshots & Predictions. Ein Podcast der verschiedene Welten verknüpft und mit mutigen Thesen inspiriert.
Future Weekly
#438 - Andreas Onea über mentale Stärke, Fairness & Inklusivität
Im Deep Dive haben Markus und Daniel diese Woche Andreas Onea zu Gast. Nach einem schweren Autounfall verlor er als Kind seinen linken Arm – und verdankt sein Leben seiner Mutter. Doch Aufgeben war keine Option: Heute ist er erfolgreicher Para-Schwimmer, Moderator und Speaker.
Diskutier mit uns & der Community auf der AustrianStartups Plattform: https://austrianstartups.com/topics/40285/feed
Folge uns auf Social Media:
Instagram: https://www.instagram.com/futureweekly/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/49159750/
---
Du hast Feedback, Ideen, Moonshots oder Predictions zu den heutigen Themen? Schick uns ein Soundbite an podcast@austrianstartups.com und werde ein Teil der nächsten Episode.
---
Production: Christoph Nowotny
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Production: Hanna Moser
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Das mache ich halt so gerne.
Daniel:Klatsch endlich. Es klatscht doch mal. Das machen wir alle. Sehr, sehr, sehr schön. Wir sind mittendrin. Jetzt hast du mich völlig aus dem Kreuztag. Ich freue mich. Es klatscht doch mal. Freund. Schon erledigt. So, jetzt muss ich erstmal die Anmoderation machen. Liebe Kinder, einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag, guten Abend und auch gute Nacht und herzlich willkommen zum Future Weekly. Ja, dem großartigsten Startup-Podcast, wo wir nach wie vor klatschen. Das hat Tradition, obwohl mir Markus erklärt hat, wir brauchen nicht mehr klatschen. Was ich einmal eingelebt hat, das nimmt man mit. Ja, oder ich bin ja, ich bin, ich bin ja einfach so ein Mensch, der Sachen einfach, wenn es funktioniert, dann funktioniert es und dann ändere ich das nicht mehr. Im Übrigen, ich bin nochmal zur kurzen Erklärung, ich bin Daniel und wie immer ist mit mir der Markus. Und heute haben wir einen ganz wundervollen Gast und das ist der Andreas. Oh neer.
Markus:Servus, Hallo, freut mich sehr.
Daniel:Servus, ich freue mich auch sehr. Im Übrigen, wenn du wie immer auf Spotify zuhörst, schau doch einmal mal rein. Denn wir probieren nochmal auf YouTube ein bisschen, ein bisschen, ich hätte dir gesagt, frischer und schöner zu werden. Auf jeden Fall. Ist nicht gelungen mit mir. Ja, nee, wir dachten wir, wir machen da, wir müssen da einfach die ganzen heißen Hasen rausholen. Deswegen sitzen wir drei da. Ja, Aura hat mir auch gesagt, ich habe so mittelgut geschlafen. Andi, wir haben dich da und ich habe immer so die Tradition, und es ist das erste Mal seit langem, dass ich das mache, deswegen habe ich das Handy da, dass ich einfach immer vorlese, was auf LinkedIn steht. Weil auf LinkedIn steht ja immer die absolute Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Und bei dir steht Andreas O'Nea, Speaker, Moderator und Paraschwimmer. Oder nickte.
SPEAKER_01:Ist okay, ich glaube, ich habe es selber hingeschrieben. Es war noch nicht die AI. Und es steht in der Reihenfolge, weil natürlich die Zielgruppe flink dementsprechend eher auf das, was vorne steht, reagiert, nämlich auf das, was ich auch der Welt mitteilen möchte. Und dafür ist das Mittel das Paraschwimmen, im Kreisschwimmen, um eben diese Botschaften hinauszutragen.
Daniel:Im Kreisschwimmen, um die Botschaften herauszutragen. Schön. Und dann noch eine Tradition, das kann ich jetzt ja auch wieder weglegen, noch eine Traditionsfrage, die ich eigentlich mal wieder stellen wollte, ist, wenn du in einem Taxi sitzt und ich frage den Taxifahrer, was machst du beruflich? Was sagst du dem?
SPEAKER_01:Je nachdem, ob ich da gerade für einen Wettkampf bin, dann erzähle ich ihm, was das für ein Wettkampf ist und was ich jetzt so für Bewerbe habe. Und wenn ich als Speaker unterwegs bin oder irgendwo was moderiere, dann erkläre ich ihm, worum es gerade heute geht und was ich mir vorgenommen habe für den Tag.
Daniel:Was hast du dir für heute vorgenommen?
SPEAKER_01:Einen feinen Austausch mit euch zu haben und einfach ein paar Botschaften auszutauschen.
Daniel:Es ist so lustig, mit dir zu plaudern und mit dir auch. Ich sehe die halt so schlecht da drüber. Ich muss dann immer wieder so bewusst drüber schauen. Dann stecke ich mich das im Hinterhalt. Bei dir ist es so, wir haben uns, glaube ich, gefühlt dreimal in echt gesehen. Viermal. Ich sehe dich jeden Tag, jeden Tag auf Instagram. Ich feiere das, was du machst und ich sehe das. Und ich habe am Herberg heute Morgen gedacht, seit wann kenne ich den eigentlich? Wir kennen uns, glaube ich, seit Mobile Marketing Innovation Day 2015.
SPEAKER_01:Ich hatte genau den gleichen Gedanken. Ich habe gesagt, stimmt, da war ja was. Und du hast moderiert und ich bin im Publikum gesessen. Und ich habe zwei Jahre, drei Jahre vorher angefangen, so TV-Moderationen, ein bisschen Veranstaltung und war komplett blau. Und dann stehst du auf dieser Bühne mit so einer Präsenz und hast mich mitgerissen. Und Marketing war spannend, aber das Thema war dann vollkommen egal. Und ich muss wissen, wer das ist. Und ich habe dich dann auf Twitter damals, glaube ich, gefunden und bin dir gefolgt. Und dann bist du in der Pause zu mir gekommen und hast gesagt, normalerweise machst du das nicht, aber du hast gesehen, dass ich dir da gefolgt bin und du fandst das so spannend, bist dann zu mir gekommen. Ich habe gesagt, wow, der hat mich gerade gesucht und dann haben wir, glaube ich, ein Foto gemeinsam gemacht. Das muss ich jetzt noch suchen. Und uns unterhalten.
Daniel:Und so sind wir irgendwie verbunden geblieben. Das ist das Coole an Social Media, dass wir uns da immer irgendwie ausgetauscht haben. Und da habe ich irgendwann so angefangen, dich zu beobachten, dass du da so alles machst und die Wettkampfvorbereitung und den ganzen ganzen Weg. Und jetzt sitzen wir ja mittlerweile etwas älteren Herren. Ich meine, ich bin zehn Jahre älter als du. Aber zum ersten Mal so im Austausch. Wir probieren ja auch seit Jahren auf den Café zu gehen und irgendwie bin ich da total schlimm.
SPEAKER_01:Es liegt an mir und nicht an dir.
Daniel:Es liegt an mir. Guter Anfang, du bist eine gute Beziehung, die sich dir gerade aufbaut. Und möchte ein bisschen jetzt so erstmal in deine Stats. Die sind ja, die sind ja krass. Erzähl uns mal jetzt. Ich weiß, du bist ein zurückhaltender, bescheidener Mensch, aber erzähl mal für denen, die dich nicht kennen, bist ja nicht nur ein Paraschwimmer, du bist ein verdammt guter Paraschwimmer. Komm mal, lass mal raus.
SPEAKER_01:Ich gebe mir Mühe, ich gebe mir Mühe. Ich darf seit vielen, vielen Jahren unser schönes Land in der Welt vertreten. War jetzt bei fünf Paralympics dabei, habe 2008 mit 16 gestartet. Mein Ziel war immer, dass ich mehr Paralympics Teilnahmen habe als Finger. Ich bin jetzt auf einem guten Weg. Mit Paris habe ich meine fünfte Teilnahme erfüllt. Das heißt, jetzt geht es darum, mich für Los Angeles zu qualifizieren und dort mit dabei zu sein. Ich durfte Gott sei Dank nicht nur dabei sein, sondern habe auch einige Medaillen machen dürfen. Zwölf sind es insgesamt, elf bei Europa und Weltmeisterschaften und eine Medaille bei den Paralympics in Rio 2016. Unglaublich geil. Aber das Ganze irgendwie abrundet, ist einfach die Dankbarkeit, dass ich das machen darf. Weil ich hatte einen Autounfall, so bin ich in den Parasport gekommen und eigentlich hätte es dort vorbei sein müssen. Und zehn Jahre nach dem Unfall stand ich plötzlich im Finale bei den Paralympics. Und das war so für mich so eine schöne Abrundung. Es geht, wir dürfen halt nicht aufgeben. Und das hat mich so ein bisschen getrieben, mein ganzes Leben lang. Und irgendwann habe ich verstanden, ja, dieses im Kreisschimmer, das ist schön und wichtig für mich, aber das kann auch mehr bewirken. Und das ist das, was mich so ein bisschen antreibt derzeit.
Daniel:Das ist krass. Ich muss auch kurz zur Erklärung, wie gesagt, die meisten hören und sehen uns nicht. Du hast gerade erzählt, also so viele wie du Finger hast.
SPEAKER_01:Ich habe nur fünf Finger. Du hast nur fünf Finger.
Daniel:Und um es auch so ganz plastisch darzustellen, es ist nicht nur die Finger, sondern was ist dir passiert beim Autounfall?
SPEAKER_01:Genau, meine Eltern stammen ursprünglich aus Rumänien und wir waren auf Verwandtenbesuch und bei der Rückreise hat es zehn Kilometer nach der rumänisch-ungarischen Grenze angefangen zu regnen. Ein LKW hat vor uns Öl verloren, mein Vater hat die Kontrolle über den Wagen verloren aufgrund des Regenwassers des Öls auf der Straße. Und 1998 waren die Straßen jetzt nicht im besten Zustand. Wie alt warst du da? Ich war sechs Jahre alt und es hat überschlagen über den Gegenverkehr hinaus auf so ein Straßenfeld. Und ich hatte meinen linken Arm im Gurt eingewickelt. Das war super schlau, weil ich darauf angelehnt schlafen konnte. War nicht mehr so schlau, als es mich hinausgefetzt hat und natürlich der Gurt das gemacht hat, was er machen muss. Er hat blockiert und die Kräfte haben dazu geführt, dass mir der Arm abgerissen wurde. Mich hat es dann 15, 20 Meter durch die Luft geworfen, ohne Arm. Und ich bin in einem Straßengraben gelandet und hätte im Endeffekt dort auf der Stelle tot sein müssen. Genickbruch, hohe Querschnittlähmung, offene Wunde, verbluten müssen. Dann war die Wunde irgendwie durch den ganzen Dreck verstopft. Das hätte zu Blutinfektionen zu Organversagen führen müssen. Alles Gott sei Dank nicht passiert. Und für mich so die Erkenntnis, es hätte vorbei sein sollen, es ist nicht vorbei. Somit Dankbarkeit. Und dieser Perspektivenwechsel zu sagen, entweder ich schaue auf das, was passiert ist, was schlimm ist, was schmerzhaft ist. Also ich wollte euch euch jetzt den Tag nicht versauen, wenn ich das im Detail erzähle, aber es zeigt mir einfach, ich kann damit hadern, was passiert, mich auf das Negative konzentrieren. Oder ich kann den Blickwechsel machen und sagen, hey, schau, ich lebe, ich atme, ich bin fit und gesund und habe jetzt Möglichkeiten, mich mit dieser neuen Situation anzufreunden, das Beste zu machen. Und dieser positive Blickwinkel auf die Situation führt dazu, dass ich dann jede Herausforderung, die einfach dann klar da war, unsere Welt ist nicht bereit für Menschen mit Behinderung, ganz viele Herausforderungen, ganz viele Sache, Situationen, auch für meine Eltern große Challenges, ein Kind mit Behinderung jetzt aufzuziehen, ohne finanziellen Background, ohne Know-how, wie das geht. Aber wie gehe ich diese Herausforderung an?
Daniel:Ich möchte kurz mal bei einer Sache nachfragen. Also erstmal, ich finde das super gut, dass du es erzählst, weil ich meine, es ist Teil von dir, Teil deiner Geschichte und auch wichtiger Teil deiner Geschichte, weil ich meine, sowas ist ja, wenn es einen nicht prägen würde, dann wäre es ja auch irgendwie merkwürdig. Das meine ich nicht wertend, aber natürlich präge ich das an, all diese Dinge prägen ein. Ich muss nochmal nachfragen, hast du Erinnerung daran, als es passiert ist?
SPEAKER_01:Ich habe während dem Unfall schon geschlafen.
Daniel:Ja.
SPEAKER_01:Ich erinnere mich vage, dass ich die Augen aufmache und irgendwie das Gefühl habe, ich bin in einem Krankenwagen. Ich weiß aber nicht, ob diese Erinnerung echt ist oder ob ich mir die irgendwie konstruiert habe. Das kann nämlich passieren bei sowas, dass man das Gefühl hat, man erinnert sich noch irgendwas und eigentlich nicht. Meine erste richtige Erinnerung, wo ich weiß, dass die echt ist, weil die Menschen um mich herum sie auch so erlebt haben, war dann im Krankenhaus und ich liege am Rücken und bin komplett einbandagiert und möchte aufstehen und möchte mich bewegen und geht nicht. Also ich liege da und plötzlich sehe ich meine Verwandten, die wir gerade in Rumänien verabschiedet haben, und denke mir, was machen die da? Weil die waren ja gerade dort und wir waren schon in Ungarn und jetzt stehen die neben mir. Und dann haben sie mir langsam unter Einfluss von Schmerzmitteln erklärt, was passiert ist, dass wir einen Autounfall hatten, dass ich jetzt keinen Arm mehr habe und habe ich rüber geschaut und den Arm nicht gesehen, ihn aber gespürt. Und das war halt total komisch, auch für das Gehirn, bis das Hirn damit klarkommt, dass das Ding jetzt weg ist und die ganzen Nervenbahnen nicht mehr hinteuern sollten. Also das ist das Prinzip, das man dann Phantomschmerzen nennt. Und in dieser Situation bin ich dann ein paar Tage am Rücken gelegen, dann haben sie uns nach Wien eingeflogen und die Makaha konnte ich dann langsam wieder aufstehen und das Gleichgewicht wieder zurückgewinnen. Und dann ist das passiert, was halt bei kleinen, jungen Burschen in meinem Fall passiert. Ich wollte herumspringen, ich wollte herumlaufen, ich wollte der Welt zeigen, was ich alles kann. Meine arme Mama war schwer verletzt, ist neben mir im Bett gelegen und hatte panische Angst, dass ich umfalle, die Wunde aufreißt, ich verblute, was sich halt alles für Gedanken macht. Aber sie konnte nichts tun. Und somit war ich plötzlich meinem Trank ausgesetzt, dass ich jetzt für meine Situation Lösungen finden muss. Und wenn ich irgendwo raufklettern möchte, dann muss ich es halt jetzt einarmig schaffen.
Markus:Stark. Aber jetzt dieses Mindset, was du da angesprochen hast, das ist unglaublich bewundenswert. Ich glaube, das ist nicht selbstverständlich, dass man mit der Energie und auch mit der positiven Energie aus so einer Situation rausgeht. Wann hat sich das bei dir entwickelt? War das sofort klar, wie du im Krankenhaus aufgewacht bist? Das ist jetzt halt die neue Situation und du gehst da jetzt positiv ran oder hat das eine Weile gebraucht?
SPEAKER_01:Also es war auf der einen Seite da, auf der anderen Seite hat es sich natürlich entwickelt. Das, was da war, war einfach das Alter, mit sechs Jahren ist das halt von heute auf morgen normal. Dann ist das so, der Arm ist weg. Man denkt sich nicht, warum ist das passiert und warum ich. Das kommt dann später. Mit 12, 13, 14 Jahren und deine Freunde und alle Kolleginnen und Kollegen um dich herum, die haben alle keine Behinderung, dann stellst du sich natürlich die Frage, okay, warum habe ich jetzt die Behinderung? Was mir geholfen hat, war einfach der positive Zugang meiner Eltern, die mir als Vorbild etwas vorgelebt haben, nämlich wir schaffen das, wir finden eine Lösung. Und dadurch habe ich das Problem Behinderung nie als Problem wahrgenommen und auch nie als Problem gespürt. Und mein Vater hat das auch bewusst erst entscheiden müssen. Er war selber im Komma, war schwer verletzt, er hat mich aus dem Auto hinaus, also das Auto irgendwie aufschneiden müssen, also total schlimm. Und als er aufgewacht ist, haben sie ihm erzählt, was passiert ist. Und hat dann angefangen zu weinen. Und ich war halt irgendwie in der Nähe und habe das gesehen und bin dann gefragt, du Papa, warum weinst du? Und er hat gesagt, na schau, wie soll ich nicht weinen? Dir geht es nicht gut, mir geht es nicht gut, Mama geht's nicht gut, meine Mama war auch schwer verletzt. Seinem Papa, also Opa geht's nicht gut, ist dann verstorben leider drei Wochen später aufgrund der Verletzungen, genau. Und meine Antwort war dann, Papa, die haben mir erzählt, ich bekomme eine Puppenhand und alles wird gut. Und er hat dann gesehen, okay, offensichtlich ist da irgendwas Positives in mir. Und wenn er jetzt zerbricht daran, na, wer wird mitleiden? Das ist die ganze Familie. Also er hat seine Rolle als Verantwortlicher für diese Familie so angenommen und ist diesen Schritt dann auch positiv gegangen. Und deswegen habe ich daheim immer gehört, okay, du hast jetzt entweder keine Hand oder die Puppenhand, wir müssen jetzt eine Lösung finden für diese Situation. Und wenn etwas nicht geht, dann müssen wir umdenken und es machen. Sie hätten auch mich verwöhnen können und alles für mich machen können, dann wäre ich aufgewachsen, ohne mein Leben selbst in der Hand zu haben. Aber damit hätten sie mir nichts Gutes getan. Das heißt, in diesem Prozess hat sich auch bei mir das Bewusstsein entwickelt. Erstens, Perspektive kann man verändern, kann man auch bewusst wahrnehmen. Das Umfeld hat hier dazu beigetragen, dass ich eben sehr positiv war. Das hat mit dem, was schon in mir drin war, hat sich das gut fügen können. Und dann habe ich selber verstehen müssen, es liegt an mir, wie ich in Situationen damit umgehe. Und dann kommen natürlich wenige Wochen nach dem Unfall die ersten Kinder, die sagen, warum fehlt dir ein Arm? Warum hast du nur einen Arm? Und dann stehst du da halt, Sechsjähriger und musst dem erklären, dass du einen Unfall hattest. Aber eigentlich findest du das gerade unangenehm, dass dir jemand total auf die Behinderung jetzt einmal das anspricht. Aber auch zum ersten Mal dann mit der Situation konfrontiert sein, dass jemand sagt, jetzt kannst du nicht mehr mit mir kämpfen im Kindergarten, was halt Kinder halt so machen im Kindergarten. Wir kämpfen und wresteln. Und jetzt kommt einer daher und sagt, du kannst das nicht mehr.
Daniel:Was hast du gemacht?
SPEAKER_01:Naja, und für mich war klar, natürlich kann ich das. Warum sollte ich das nicht mehr können? Nur weil mir ein Arm fehlt. Und da habe ich verstanden, warte mal, für ihn kann ich es nicht mehr, weil mein Arm fehlt, aber ich möchte das nicht akzeptieren. Und das hat etwas in mir gemacht, dass jemand sagt, das geht nicht. Und vor allem, du kannst das nicht. Und ich wollte das nicht akzeptieren. Und mir war aber bewusst, dass mein Mitbewerb in dem Sinne oder mein Konkurrent einen Vorteil hat. Der hat zwei Arme. Ich habe keine zwei Arme. Und ich habe so überlegen müssen, aber ich habe trotzdem das Ziel, ihn zu besiegen. Wie komme ich an mein Ziel? Ich muss das, was ich habe, sinnvoller, effektiver und besser einsetzen. Das heißt, den einen Fuß, den ich hatte, habe ich hinter seinen Fuß getan und mit dem einen Arm, den ich hatte, habe ich ihn halt drüber geworfen. Und er ist uns dann runtergefallen, hat den Kasten mitgezogen. Ich hatte Angst, dass er jetzt sich verletzt und ich Ärger bekommen, ist Gott sei Dank nicht passiert. Aber er hat verstanden, warte mal, Andi kann und ich habe verstanden. Ich kann, aber ich muss die Dinge ab jetzt anders angehen. Und die Moral von der Geschichte ist natürlich nicht, dass Gewalt eine Lösung ist. Denn Gewalt ist keine Lösung. Bitte, Kinder, jetzt nicht anderen beweisen, was ihr könnt. Aber für mich war das so prägend als Kind. Hey, ich kann das.
Daniel:Ich bin neugierig, das klingt auch wahnsinnig analytisch. Also, dass du damit, sagen wir, sechsteinhalb wahrscheinlich in dem Moment drauf kommst, okay, mir fehlt jetzt ein Arm, machen wir da, baue ich nicht den Fuß, dann so, dann so, dann so. Ist das etwas, was instinktiv in dir passiert ist? Ist das etwas, was du beobachtet hast bei deinen Eltern? Ist das talk me through that?
SPEAKER_01:Ich glaube, es ist eine Mischung von allem. Also in mir drunter war das auf jeden Fall schon, das bringt meine Frau immer in den Wahnsinn, dass ich rational und analytisch und die Dinge zerpflücke, um zu Lösungen zu kommen. Auf der anderen Seite bist du in der Situation ausgesetzt und auch das wieder instinktiv. Natürlich, das, was ich jetzt erzähle, ist etwas, womit ich mich dann jahrelang auseinandergesetzt habe, was ist da passiert, warum habe ich so reagiert, warum ist das so in mir gewachsen. Aber für mich war die Erkenntnis, ich habe jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder ich lasse zu, dass dieser Kollege jetzt so viel Kraft über mich hat, dass er mich einschränkt, dass ich ihm glaube, dass ich das nicht kann und vielleicht mit gesenktem Kopf nach Hause gehe und sage, ich kann nichts mehr. Oder ich finde eine Lösung und kann immer positiv auf die Herausforderung zugehen.
Daniel:Weißt du, was aus dem geworden ist eigentlich?
SPEAKER_01:Nein, keine Ahnung.
Daniel:Glaubst du, dass du mehr Medaillen als er? Auf jeden Fall. Ganz sicher. Er hört sich das an und denkt sich, okay, ja gut.
SPEAKER_01:Mal schauen, ob er sich an mich erinnert.
Daniel:Wahrscheinlich. Der hat mich mal verprügelt.
SPEAKER_01:Ja, wobei es wird ja niemand zugeben, dass der einartige Info prügel hat.
Daniel:Ja, es ist wild. Wenn ich dir so zuhöre, es ist eigentlich. Und das will ich nicht falsch verstehen, weil ich es zu interessant finde. Sagst du das aufgrund des positiven Mindsets von deinem Vater, das er vorgelebt hat, bist du jetzt dort, wo du bist. Ja, klar.
SPEAKER_01:Also meine Eltern waren ein absolutes Vorbild. Beide, beide.
Daniel:Und ich möchte diesen kurzen Sprung kurz machen, weil ich das so spannend finde, ist, du bist ja zweifacher Papa. Gratuliere nochmal. Danke dir.
SPEAKER_01:Ganz frisch, das macht es. Ich habe nicht viel machen müssen.
Daniel:Kommt noch, kommt noch, kommt noch. Ich finde, Vater werden ist ja einfach, aber Papa sein, das ist die Baustelle. Ein Jahr und zehn Monate, ein Jahr und elf Monate Leute festgestellt. Und drei Wochen. Richtig. Wahnsinn. Inwiefern prägt dich das jetzt als Vater? Weil es ist ja eine Rieseninspiration und auch eine Riesenchallenge.
SPEAKER_01:Also ich weiß, wie wichtig das für mich war als Kind. Und als ich größer wurde, ist mir das auch bewusst geworden. Das ist einfach diese Positivität und dieser Optimismus. Mein Vater war schwer verletzt, war nach dem Unfall dann arbeitslos, hat nicht arbeiten können, hat kein Deutsch gesprochen. Die Ärzte haben gemeint, du wirst wahrscheinlich nicht mehr mit deinem Haxen irgendwie als Tischler in die Arbeit gehen müssen, du musst umlernen. Was soll er umlernen? Er spricht kein Deutsch, er hat in Rumänien keine Schule machen können. Also die Perspektive war, dass das ziemlich schwierig wird, alles. Und in diesen Situationen waren sie einfach optimistisch und positiv und sie haben Lösungen gefunden. Und nicht nur das, sie haben überall immer gekämpft und gefeitet und das Beste gegeben, damit es uns Kindern gut geht. Und das eigentliche Ziel, warum sie in Österreich gelandet sind, waren, um den Kindern eine bessere Zukunft zu bieten, die sie nicht hatten im kommunistischen Rumänien. Und dieses Ziel hat sie motiviert, dass sie immer optimistisch bleiben und immer alles geben, auch wenn es eigentlich keine Antworten gibt auf die Probleme, mit denen wir uns derzeit befassen. Und ich habe gewusst, wie sehr mich das geprägt hat und was das in mir ausgelöst hat. Und jetzt weiß ich, dass ich diese beiden Wesen habe, die komplett von mir und meiner Frau abhängig sind. Und die können aber nichts anderes zurückgeben, außer schlaflose Nächte und ganz viel Sorgen für die Zukunft. Aber was kann ich für diese beiden Jungs machen? Und ich möchte genauso den gleichen Abdruck hinterlassen, im positiven Sinne in ihrem Leben, wie meine Eltern das in meinem Leben gemacht haben. Und das Konzept der bedingungslosen Liebe fasziniert mich total. Weil im Endeffekt war das, was mir das Leben gerettet hat, nämlich als meine Mama selbst schwer verletzte und aus dem Auto geschleudert wurde, sind Ersthelfer gekommen und sie hat nicht gewusst, ob sie innere Verletzungen hat, ob sie gerade verblutet. Sie hat einen offenen Unterschenkelbruch und schwere Schulterverletzungen. Und das Einzige, was für sie gezählt hat, waren, meine drei Kinder, leben meine drei Kinder, wo sind meine drei Kinder? Das heißt, die Ersthelfer wussten, sie müssen jetzt drei Kinder finden. Sonst hätte mich niemand in diesem Schlammloch gesucht und ich wäre dort einfach verblutet oder verendet. Das heißt, ich verdanke meiner Mama und ihrer Liebe mein Leben. Und jetzt möchte ich mit dieser Aufopferung meinen Kindern gegenüber genauso das Gleiche bewirken. Das heißt, wenn sie sehen, wie ich in Konfliktsituationen mit dem Problem umgehe, wenn ich in meinem beruflichen Alltag oder im Sport mit Niederlagen umgehe, dass sie sehen, dass es eine Art gibt, etwas positiv anzugehen, auch wenn die Situation per se schlecht ist, auch wenn sie schmerzhaft ist, auch wenn sich niemand wünscht. Und doch kann man es mit einem positiven Mindset angehen. Und wenn ich ihnen das weitergeben kann, dann weiß ich, dass sie vorbereitet sind für das Leben.
Daniel:Stark. Das ist echt krass. Es gibt so viele Themen, wo wir jetzt eigentlich in die Tiefe gehen können. Und ich musste dich das jetzt fragen wegen dem Elternsein. Ich hab dir auch schon im Vorfeld übrigens erzählt, ich mach nochmal einen Sprung. Ich habe ja immer wieder beim Windelnwechseln an dich gedacht. Klingt jetzt ein bisschen schräg für den Aus, wie wir einander da verfolgt haben. Und ich hatte oft genug Situationen mit meinem Sohn, wo er also mittelmäßig kollaboriert hat beim Windelnwechsel. Und ich habe eh mit meinen zwei Händen gekämpft und das war. Wie macht der Andi das?
SPEAKER_01:Wie macht der Andi das? Total spannendes Thema und ich habe mir wirklich Gedanken gemacht, bevor ich Papa wurde. Wie werde ich das machen? Wie werde ich den Kleinen halten? Entschuldigung, ich muss dir ganz kurz unterbrechen.
Daniel:Also für die, die keine Kinder haben, ist nicht so, dass der jetzt einfach liegt, es geht darum, so ein und einen zweiten, sondern die wehren sich ja mit allem, was ihnen zur Verfügung steht. Und du probierst dabei dafür sorgen, also es war als meiner Kleiner war, dass sie nicht vom Wickeltisch fallen, weil sie probieren sich ja permanent umzubringen. Also nicht bewusst, aber eigentlich das. Und dann wehren sie sich dagegen und dann sind sie meistens noch voll mit Dingen, die du eigentlich nicht abbekommen möchtest. Hey, ich hätte am besten vier Hände gebraucht, sonst hätte ich nicht gerecht. Nee, mehr mehr, wie, wie? Wie? Also, das ist die Erklärung, für die, die das Szenario nicht ganz verstehen. Jetzt, ich bin sehr gespannt auf deinen Ansatz da.
SPEAKER_01:Ich habe gewusst, dass es schwierig wird, dass es eine Herausforderung wird. Aber mir war bewusst, dass ich irgendwann eine Lösung finden möchte, weil ich möchte ja teilhaben an diesem Prozess. Ich möchte, dass der Kleine weiß, der Papa war genauso da und hat bei den unangenehmen Dingen, sagen wir jetzt einmal, oder wenn halt Exkremente herumfliegen, war er trotzdem da und hat sich nicht aus dem Acker gemacht, nur weil ihm ein Arm fehlt. Weil das wäre ja diese Ausrede. Ja, machst du schon, geht schon, ich kann das nicht.
Daniel:Es gibt gröbere Dinge, ja, ja. Okay.
SPEAKER_01:Natürlich hat er am Anfang auch nicht mitgemacht, aber er hat dann relativ rasch gecheckt, wir kommen da nicht weiter. Und er muss jetzt mitmachen. Und ohne dass ich ihn quälle oder ihm wieder das irgendwie beibringen, hat er angefangen, sich auf meine Situation anzupassen. Und das zeigt auch, wie anpassungsfähig auch unsere Kinder sind und wie viel sie auch schon wahrnehmen und mitbekommen. Er hat gemerkt, dass ich ihn nicht gleichzeitig hochheben kann und die Windel drunter tun kann. Das geht nicht, dafür habe ich so wenig Finger. Das heißt, ich habe ihn am Anfang noch selber abgestützt mit meinem Oberkörper und er hat dann immer komisch geschaut, weil man mich eigentlich nicht mehr sieht, weil ich fast schon unter ihm drunter liege. Und dann habe ich die Windel drunter getan. Und irgendwann habe ich gemerkt, wer bei mir total leicht mittut. Und als er schon mehr Fähigkeiten hatte, seine Muskel zu kontrollieren und selbst Beine hochzuheben, dann habe ich einfach noch gesagt, Füße hoch und hat er sich dann selber hochgehoben und selber gehalten, bis ich ihm die Windel drunter schieben konnte und dann zumachen konnte. Oder Popo hoch und dann hat er selber den Popo hochgehoben. Das ist natürlich über die Monate dann gekommen. Aber meine Frau hat gemeint, bei dir ist er viel ruhiger, viel entspannter und vor allem macht er mit, weil er weiß, dass er sonst stundenlang geht und er möchte ja auch nicht unbedingt in seinen eigenen Exkrementen da rumliegen. Und das war bei ihr anders. Bei ihr hat er gekämpft, hat gespielt, so wie du gesagt hast, dann hat er überhaupt keine Lust drauf. Und weil er wusste ja, die Mama kann mich jeder mit beiden Händen dann irgendwie so recht biegen, dass es passt. Kann der Papa nicht. Also mach da irgendwie mit, damit wir beide eine Lösung finden.
Daniel:Also bottomline, er quält eine Frau mit Absicht.
SPEAKER_01:Das war die Lektion, die wir beide vorher haben uns überlegt, na stimmt, eigentlich mach das mit Absicht dann, ja?
Daniel:Das ist auch schön, hätten wir das auch festgestellt. Jetzt gehen wir nochmal. Ich mag das ja, wenn man so ein bisschen hin und her springt. Aber gehen wir nochmal zurück. Du bist sechseinhalb Jahre alt, du hast gerade deinen Kollegen verprügelt in der Schule. Hast du noch ein bisschen so das Pausenbrot weggenommen oder so? Spaß. Okay, wie geht es weiter mit dir?
SPEAKER_01:Dann war meinen Eltern bewusst, ja, dem fehlt halt jetzt der Arm, was machen wir jetzt? Dann haben sie sich ein bisschen eingelesen, was Prothetik bedeutet, was da für finanzielle Probleme auf uns zukommen. Was auch gesundheitlich bedeutet, wenn einem ein Arm fehlt, wie schnell man. Was bedeutet das? Ja, man wird ganz, ganz schnell schief, weil im Wachstum natürlich der Körper nicht mehr ausgeglichen ist. Das heißt, die Wirbelsäule steht unter einer anderen Belastung. Man kann ganz, ganz komplizierte Skuliosen entwickeln, dann Bandscheibenvorfälle haben mit Anfang 20 schon und wirklich Probleme haben.
Daniel:Wegen dem Gewicht hat es nicht so gut.
SPEAKER_01:Man wächst auf, ohne dass man ein Gegengewicht hat. Das heißt, der Körper wächst schief. Und das kann sich eben bei verschiedenen Menschen total verschieden auswirken. Und es war immer klar, da müssen wir was machen. Also Therapien. Und deswegen war Bestandteil meines Alltags eigentlich unmittelbar nach dem Unfall Therapien. Und dadurch, dass mein Vater arbeitslos war und Zeit hatte, hat er mich halt durch die ganzen Therapiestätten in Wien führen können, damit ich meine Therapien machen kann, damit ich eine hohe Lebensqualität haben kann. Und im Rahmen dieser Therapie hatte ich Schwimmtraining in Klosterneuburg am Weißen Hof. Das ist eines unserer großen Reha-Zentren. Und dort hat man mich ins Wasser geworfen und hat gesagt, Schwimmen ist gesund, schwimmen ist gut, weil das Wasser hält einen. Man muss halt nur schauen, dass man oben bleibt und nicht absinkt. Und mir hat das irgendwie gefallen, dass ich mich da bewegen konnte. Ich konnte nicht schwimmen, ich war nicht Schwimmer. Aber das war wiederum ein Vorteil, weil ich nicht umlernen musste. Und als Kinder tun wir uns leichter, Dinge neu zu lernen, als sie umzulernen. Das heißt, ich habe einfach neu einarmig schwimmen gelernt. Wenn ich jetzt zweiarmige Schwimme sehe, verstehe ich nicht, wie das geht, weil ich halt nur einarmig gelernt habe. Und das war in dem Sinne ein großer Vorteil. Aber auch da wieder die Perspektive. Mein Vater war arbeitslos, das war was Negatives, aber das hat zu etwas Positivem geführt. Er hat mich zur Therapie fahren können. Ohne Therapie keine zwölf Medaillen bei Großereignissen jetzt. Ohne arbeitslosen Papa damals jetzt nicht der erfolgreichste Paraschwimmer Österreichs. Also wie sehr lasse ich zu, dass der Perspektivenwechsel sich auch ins Positive dreht. Oder Nichtschwimmer sein, nicht gut, wenn man eigentlich Schwimmtherapie machen muss. Aber weil ich Nichtschwimmer war, habe ich das Schwimmen gleich technisch richtig einarmig gelernt und konnte mit sieben Jahren schon Training machen.
Daniel:Kurze Frage aus Neugierde. Wer bringt einem siebenjährigen technisch gut einarmiges Schwimmen bei? Wer kann das?
SPEAKER_01:Mittlerweile können das einige Trainer, genau. Damals, also du bist dann einer von vielen, die halt verschiedenste Behinderungen haben. Und dann gibt es halt Therapeuten, die sind sehr engagiert und sehr motiviert, aber die machen dann im Rahmen ihrer therapeutischen Betreuung, schauen sie halt, dass die Leute beschäftigt sind und sich bewegen und lernen, diesen Körper jetzt zu bewegen. Also wir haben sicher damals auch ein paar Dinge falsch gelernt, die ich dann umlernen musste, aber für den Anfang und für die Basis war das absolut richtig.
Markus:Und dann war das Schwimmen natürlich ein sicher ein wichtiger Faktor auch, sag ich einmal, was dir auch Halt gegeben hat, schätze ich. War für dich da relativ früh dann schon klar, du möchtest das richtig erfolgreich in der Weltspitze machen, dass das auch Identität geworden ist. Wann hat sich das entwickelt?
SPEAKER_01:Also es war in dem Sinne Identität, weil ich wusste, ich kann etwas. Und alle anderen sagen mir, du kannst nichts oder du kannst das nicht oder du kannst da nicht mitmachen oder im Turnunterricht geht das leider nicht. Tut mir leid, du darfst da nicht draufklettern, weil du könntest da runterfallen. Das heißt, meine Behinderung führt im Alltag zu Exklusion, ich werde ausgeschlossen und dort konnte ich aber mitmachen, mit anderen Menschen mit Behinderung und Spaß haben und mich bewegen und auch noch gut sein. Und mit zwölf war ich dann Staatsmeister. Und als dann mit zwölf so Pubertät, gab es auch Menschen in meinem Umfeld, die ihr eigenes Leben nicht im Griff hatten in der Klasse, die dann ihre vermeintliche physische Überlegenheit mir gegenüber gezeigt haben, mich arm genommen haben und gesagt haben, befreie dich jetzt oder mich andertig gemobbt haben, aufgrund meiner rumänischen Abstammung war ich halt der einamige Bandit und das ganzen Sachen, wo du dir in dem Alter dann schon die Frage stellst, warum passiert das? Warum habe ich eine Zielscheibe? In Wien ist das. Ja, genau, in Wien war das. Warum habe ich eine Zielscheibe am Rücken aufgrund meiner Herkunft und aufgrund meiner Behinderung? Und gleichzeitig war ich der schnellste Paderschirm Österreichs als junger Mensch und das gibt einem wahnsinnig viel halt. Also hey, ich kann was und egal ob der jetzt im Blödsinn redet, wieder meine Entscheidung, was mache ich damit. Lass ich zu, dass mich das einschränkt oder gehe ich meinen Weg. Und mein Weg, ich habe damals nicht gewusst, dass der in den Spitzensport geht, aber zumindest, hey, ich habe jetzt einen österreichischen Rekord, ich bin der schnellste jemals in dieser Kategorie. Brauche ich mir nicht von dem blöd reinreden lassen. Wenn ich mich dann mit 16 für die Paralympics in Peking qualifiziert.
Daniel:Es geht mir jetzt zu schnell. Ich finde das fast, also entschuldigung, wenn ich dann kurz reingrätsche. Aber okay, du bist 6,5, du lernst jetzt dich über Wasser halten. Plötzlich mit zwölfem Rekord. Genau, österreichische Rekord. Ja, aber dazwischen ist ja wohl was passiert.
SPEAKER_01:Ja, ein, zweimal die Woche planschen. Und ein paar kleinere Wettkämpfe und zuerst bin ich der Letzte und dann werde ich irgendwann mal der Vorletzte und irgendwann bin ich halt der Dritte.
Daniel:Was hat dich gut gemacht?
SPEAKER_01:Ich war jung und war regelmäßig dort. Also ich war wirklich zweimal die Woche am Anfang und dann später dreimal die Woche, regelmäßig, und habe meine Therapien gemacht. Und das war wichtig und gut. Und es hat geholfen, dass der ganze Sport noch nicht so unterfühlt war. Es hat Spaß gemacht, mich zu bewegen. Es hat Spaß gemacht, mich auszubauen. Ich habe es gehasst, wenn die Therapeutin ein Training hatte und mir gesagt hat, so jetzt machen wir einschimmen und dann Serie. Da habe ich gehasst. Das hat mich überhaupt nicht interessiert, aber ich wollte einfach, ich hatte den Drang, mich auszubauen und mich zu bewegen. Irgendwann hat es dann einen Klick gemacht, wo ich dann wusste, okay, dieses Systematische, das gehört halt auch dazu, das muss sein, wenn ich wirklich weiterhin Staatsmeister sein möchte. Aber für die Paralympics in Peking bin ich mit viermal die Woche Training nach China geflogen und war dann dort Sechster. Und dann war für mich die Erkenntnis, okay, warte mal, ich bin jetzt Sechster der Welt, mit viermal die Woche nennen wir es jetzt Training, das war damals kein Training, er ist einfach nur Spaß haben und obezahn. Und was wäre denn möglich, wenn ich das genauso professionell betreibe wie meine Kollegen? Und das war so der erste Moment, wo ich gesagt habe, hey, ich möchte bei den Parolympics am Podium stehen. Also nicht nur Sechster sein und irgendwie dabei sein, sondern ich möchte dort am Podium stehen. Und eigentlich hätte man sagen müssen, junger Mann, komm zurück auf den Boden der Tatsachen, du bist jetzt 16, schau, dass du deine Matura machst, weil als Mensch mit Behinderung hast du eh keine Chance am Arbeitsmarkt, lernen was Gescheites, keine Ahnung, geh in die Startup-Branche, gründ was, aber wirf dein Leben nicht weg. Mit einem Traum eines Behindertensportlers eine Medaille zu machen im Paraschwimmen. Wir haben in Österreich keine Schwimmermentalität im Land, wir sind kein Schwimmlerland, wir haben keine Infrastruktur, wir haben keine Trainer. Ich kann mich zwischenfragen, was ist der Markus Rogan? Das ist 15-Jahre. Und der hat in Amerika trainiert.
Daniel:Weil das ist so als hier jemand, der ja wohnt, hat gesagt, da gibt es doch die brauchbaren Schwimmer.
SPEAKER_01:Genau, der hat in Amerika trainiert und ist dort. Wir hatten mit Mirna und Inko Jukic auch, die haben wir in Österreich, die waren auch super erfolgreich, aber die haben ein bisschen eine andere Arbeitsmentalität mitgebracht, sage ich jetzt einmal. Die haben wirklich gehackelt. Und sie haben halt durch die Erfolge schnell auch die Infrastruktur gehabt, die aber für die Breite nicht da war. Und wenn jetzt der 16-Jährige kommt und sagt, hey, ich möchte eine 50-Meter-Bahn in einem Olympiabecken haben, weil ich möchte eine Paralympics-Medaille haben, dann heißt es Joe, stell dich hinten an.
Daniel:Weil das für meine Frage war. Ich meine, es gibt so wenig Sportlerinnen und Sportler, die davon leben können. Und ich würde mir denken, als 16-Jähriger, der bei den Paralympics mitschwimmen möchte, da gibt es wahrscheinlich weder Sponsoren noch Budget.
SPEAKER_01:Gar nichts. Und das hat man mir auch so gesagt. Das ist unmöglich. Wirf dein Leben nicht weg. Und ich habe gesagt, okay, dann ist das so, das Problem ist da. Es gibt keine Sponsoren, es gibt keine Finanzierung, es gibt keine Trainer.
Markus:Hast du nicht hingetrieben? Wer hat das gesagt?
SPEAKER_01:Verbände und Menschen um mich herum und du bist jetzt so knapp vor der Matura, schau wirklich, dass du da schulische Leistungen zeigst, dann was Gescheites studierst und die Erfolge sind schön, ja, aber was soll daraus werden? Und mich hat aber angetrieben, ich möchte bei den Paralympics am Podium stehen. Also das war so der erste Antrieb. Ich möchte dort eine Medaille machen, weil wenn ich mit viermal die Woche Training Sechster werde, dann muss das doch möglich sein. Dummerweise war das in dem Zeitpunkt, wo sich alle professionalisiert haben, wo das halt nicht mehr so leicht und möglich war. Aber es war wichtig, dass ich das für mich so bewusst entschieden habe. Und dann habe ich für die ganzen Probleme Lösungen gesucht. Und ich habe meinen Verein gesucht, wo ich mitschwimmen konnte auf einer 50-Meter-Bahn. Aber ich war dann halt Mitschwimmer. Irgendwann habe ich gemerkt, nur Mitschwimmen hilft halt nicht. Ich muss individuell trainieren. Also brauche ich einen eigenen Trainer. Ein Trainer kann nicht nur von Ruhm und Ehre leben. Ich hatte weder Ruhm noch Ehre. Und also musste ich irgendwas anderes anbieten, nämlich Geld. Aber auch das hatte ich nicht. Also musste ich herausfinden, wie komme ich zur Kohle, damit ich meine Trainer finanzieren kann und auf Trainingslager fahren kann. Dann habe ich gesehen, es gibt Sponsoren, die bewerfen viele Menschen mit viel Geld. Ich muss einer von diesen Menschen werden, die von Sponsoren mit Geld beworfen werden. Und haben mir angeschaut, was wollen die? Die wollen in den Medien sein. Also muss ich irgendwie skandalfrei in die Medien, damit es halt nachhaltig ist. Und habe mir dann angefangen, mit der lokalen Presse einfach die Journalisten durchzurufen, sie kennenzulernen, meine Geschichte zu erzählen, ihnen zu erzählen, was ich vorhabe. Was hast du denn erzählt? Ich habe denen erzählt, ich war jetzt bei den Paralympics, ich war Sechster und ich möchte zu den Paralympics, ich möchte eine Medaille haben.
Daniel:Ist mir schon klar, aber hast du da angerufen und gesagt, hallo, ich bin der Andi?
SPEAKER_01:Ich habe es per E-Mail gemacht und danach sind Telefonate entstanden. Genau. Ich wohne da in der Gegend, ich sehe, ihr schreibt es immer wieder über Sportler. Kann ich euch meine Presseaussendungen schicken und wollt sie über mich berichten? Und weil ich hatte einen Unfall und habe nicht aufgegeben und jetzt möchte ich der Beste der Welt werden und machen wir da was.
Daniel:Der oder die wie vielte hat geantwortet?
SPEAKER_01:Bei den Journalistinnen und Journalisten in der Region relativ rasch alle, wo aber niemand geantwortet hat, war ein Sponsor. Das heißt, das hat dann ein bisschen gedauert, aber mit den ersten Zeitungsberichten konnte ich dann vorweisen, hey, ich bin in der Zeitung, ihr könnt es genauso in der Zeitung sein mit mir. Und so habe ich ein, zwei Sponsoren gefunden, lokale Familienunternehmen, die gesagt haben, das finden wir cool, das möchte ich unterstützen, sodass ich meinen Weg zu den Paralympics nach London finanzieren konnte. Und dort hatte ich dann das Rennen meines Lebens mit der größten Enttäuschung meines Lebens.
Daniel:Jetzt ist das ein wunderbarer Kliffange. Ich habe eine Frage noch vorher an dich. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass du mit deinem einem Arm einige Rekorde aufgestellt hast, die schneller waren als Leute mit zwei Armen in Österreich.
SPEAKER_01:Ich habe bei den Staatsmeisterschaften der Nicht-Behenden 2012, kurz vor den Paralympics, das B-Finale gewonnen. Das heißt, ich war der neunschnellste Österreicher gegen die zweiarmigen. Das war natürlich sehr, sehr geil. Für dich, aber für die wahrscheinlich nicht. Das haben einige danach ihre Karrieren beendet, weil sie das als Wink mit dem Zusamfall erkannt haben. Es war für mich eine Bestätigung, dass er sich auszahlt, dran zu bleiben. Und vor allem hatte ich die Geschichte, dass ich aus dem Panorau-Sport herausgewachsen bin und irgendwie im Nicht-Behindertensport Fuß fassen musste. Und habe da das Erlebnis gemacht, dass man mich nicht unbedingt so gern dabei haben wollte. Und bin dann mal bei einem Wettkampf disqualifiziert worden. Und ich habe immer gelernt, wir holen uns Feedback ein, wir fragen, was war. Und hab den Schieds sich da gefragt, was jetzt war, warum ich disqualifiziert wurde. Und er hat mir beiden erzählt, naja, du hast mit einem Arm angeschlagen. Und das Reglement besagt, beim Brustschimmern muss man mit beiden Armen gleichzeitig die Wand berühren. Und wir wissen ja, auch ihr wisst das, in Österreich Vorschrift ist Vorschrift, das ist heilig. Und der war davon überzeugt, dass ich dort rausgehöre, weil ich habe dort nichts zu suchen, weil ich die Regeln nicht einhalten kann. Und das hat mir total wehgetan. Ich war schnell genug, um mich zu qualifizieren und jetzt werde ich dort disqualifiziert. Und dann höre ich später noch, dass der irgendwie gesagt haben, soll, ja, der soll bei den Behinderten bleiben, der nimmt unseren Leuten ja die Plätze weg und sowas. Und Jahre später, weil ich dran geblieben bin, ich wollte ja damals aufhören, also das interessiert mich nicht. Ich war total frustrierend, wirklich verletzend. Aber auch da wieder die Entscheidung. Lass ich zu, dass so jemand dann über mein Leben Kraft und Macht hat, sodass ich aufgebe oder bleibe ich dran und gebe nicht auf. Und Jahre später gewinne ich dort das B-Finale und bin der neuen Schnellste. Und seitdem gab es nie wieder Probleme, dass ich disqualifiziert habe.
Daniel:Ich denke mich auch, was für ein menschlicher Mistkübel man sein muss, dass man jemanden sagt, ich disqualifiziere dich, weil du mit beiden armlich angeschlagen bist.
SPEAKER_01:Es ist halt natürlich so, dass man auch in dieser Position wahrscheinlich ein Schlagmensch sein muss, wo halt wirklich die Regeln. Vorschrift ist. Genau, das ist halt so, ja. Aber dann muss man, man hat ja gewusst, dass ich komme. Man hat ja gewusst, dass ich existiere. Also es ist nicht so, dass ich plötzlich aufgetaucht habe, dass man vorher eine Lösung findet, dass man sagt, hey, wenn der schwimmt, dann finden wir eine Anpassung. Und es gibt ja ein Reglement im Behindertensport. Es ist jetzt nicht so, dass das dann irgendwer sich aus der Nase ziehen muss. Falls nicht anwendbar, dann ist halt das andere Reglement anwendbar. Aber da muss man halt wieder die Flexibilität haben und die Bereitschaft, Lösungen zu finden. Und das ist etwas ein Thema, das mich immer geprägt hat, ist Bereitschaft, Lösungen zu finden. Das geht jetzt nicht, ich verstehe. Bereitschaft Lösungen zu finden. Ich hatte das Gleiche mit, ich habe dann maturiert und habe gedacht, okay, ich muss jetzt doch was studieren, weil im Parasport habe ich noch kein Geld verdient. Ich war zwar gut, aber ich habe gerade einmal irgendwie die Kosten gedeckt. Und gesagt, Sport studieren, das wäre doch was. Ich bin Sportler, wenn ich mich für Olympia qualifiziere, werde ich doch irgendwie in ein Sportstudium kommen. Und es gibt beim Sportstudium eine Aufnahmeprüfung, wo man fünf sportliche Dinge machen muss im Kreislaufen und irgendwie Seilklettern. Und das Seilklettern konnte ich natürlich nicht. Ich kann nicht Seil klettern rauf ohne Beine. Hab das der Kommission im Vorfeld gezeigt. Ohne Beine, nur mit den Armen Seilklettern. Und habe der Kommission gesagt, hey, ich habe eine Behinderung, ich kann nicht ohne Beine Seil klettern. Haben sie gesagt, kein Problem, wir streichen dir die Übung raus. Das heißt, du musst nur diese vier Übungen machen. Alle anderen vier Übungen mit Bravour bestanden, alles großartig. Dummerweise gab es eine Mindestpunkteanzahl, die man gar nicht erreichen konnte, wenn man eine Übung weniger gemacht hat. Somit bin ich nicht ins Sportstudium hineingekommen als Paralympics-Meteiliger wieder. Weil unsere Systeme nun mal so rigide aufgebaut sind, dass sie für Einzelfälle nicht die Möglichkeit bieten, dass sie fixibel sind. Das war auch einfach eine Dummheit, oder?
Markus:Es war mir dann auch dumm. Zu sagen, man streicht die Punkte, aber gleichzeitig nimmt man die mindestens. Genau.
SPEAKER_01:Es war halt so, es war mir auch zu dumm, dass ich dann nochmal irgendwie nachhacke. Wenn man mich nicht will, dann will man mich halt nicht. Und war eh gut, ich hätte eh keine Zeit gehabt für dieses Studium und es hätte mich eh auf den falschen Pfad gebracht. Aber für mich war das so die Erkenntnis, in einem System, in einer Welt muss ich als Mensch mit Behinderung extra kämpfen und dann schauen, dass diese Veränderung, die ich bewirke, nachhaltig ist, damit andere Menschen nicht mehr kämpfen müssen.
Daniel:Aber Andi, ich muss mal ganz kurz schön nach, also ich bei mir ratter da gerade so viel. Ich meine, wenn du so, ich sag's mal wohl gher, wenn du so oft in die Eier kriegst, dass du da immer, ich meine, gibt es da nicht Momente, wo du dann einfach nach Hause gehst und sagst, leck mich doch alle. Ich werde was auch immer. Ich, ich, nie wieder. Wie? Weil ich meine, das muss ja, das ist ja auch wahrscheinlich nicht nach zehn Minuten erledigt, sondern es geht bestimmt um Tage oder Wochen oder.
SPEAKER_01:Wie? Also natürlich, natürlich gibt es diese Momente. Aber ich habe relativ rasch gemerkt, was passiert, wenn ich diesen Gedanken nachgebe? Wer verliert? Ich. Aber es heißt relativ rasch. Stunden, Tage, Wochen. Aber wenn mich etwas beschäftigt, bist du da alleine.
Markus:Ist das analytisch, wie du angehst, oder ist das eher ein, ich sage jetzt mal, eine Energie, ein Bauchgefühl, das da entsteht?
SPEAKER_01:Damals war es sicher instinktiv. Jetzt gehe ich es analytisch an und sage, was habe ich damals entschieden und warum habe ich es so entschieden? Und mir war klar, wenn mich das jetzt beschäftigt, dass die blöd sind und mir die Steine in den Weg legen, dann verliere ich. Ich habe eh schon verloren in der Situation, wenn ich mich auch noch wochenlang damit beschäftige, warum die so blöd waren. Ich muss einfach akzeptieren, das ist so, die sind halt blöd und es gibt Barrieren. Und wenn ich jetzt zulasse, dass mich das einschränkt, ich verliere, ich hasse verlieren. Das ist das, was wir Sportler so, wir hassen es zu verlieren. Und ich habe viel zu oft verloren in meinem Leben im Sport. Ich hasse es zu verlieren. Also muss ich schauen, dass ich gewinne. Und wie gewinne ich? Indem ich das hinter mir lasse und für das eigentliche Problem eine Lösung finde. Und in dem Fall war es halt, für die nächsten Wettkämpfe im Vorfeld schon zu sorgen, dass sie mich halt nicht mehr disqualifizieren, weil halt die schütze ich da einfach auf meiner Seite irgendwie schon, sie gesagt haben, ja, das passt gut, ja. Oder über die sportlichen Leistungen alle Zweifel erstummen habe, dass ich da hingehöre. Oder eben sowas mit dem Studium, jo eh, aber ich würde jetzt nichts bringen, gegen das Ministerium oder gegen die Uni irgendwas zu tun. Es bringt nichts. Ich mache einfach weiter und ich schaue nach vorne. Und warum? Du hast gefragt, Daniel, warum ich das antreibt und wie ich das schaffe, weil ich irgendwann verstanden habe, dass ich in diesen Situationen zwar für mich eine Veränderung bewirken kann, aber auch etwas Größeres bewirken kann. Und ich schwimme blöd im Kreis und möchte damit die Welt verändern. Und das klingt jetzt komplett absurd. Aber für mich war das die Erkenntnis, dass es funktionieren kann. Ich habe 2019 bei der Weltmeisterschaft in London ein Rennen gehabt und dann ist ein junger Schwimmer aus Mal Leise zu mir gekommen. Und er war urbegeistert von dem Rennen, das wir da hatten, weil es ist gegen mich geschommen. Und ich fühle mich geschmeichelt und mag Komplimente, aber da waren irgendwie sechs Typen schnell. Also ich habe gewusst, das war jetzt nicht meine beste Leistung und habe mich gefragt, warum jetzt von mir so begeistert war und nicht vom Weltrekordhalter, der gerade bei uns im Lauf geschommen ist. Und er hat mir dann erzählt, dass das allererste Schwimmrennen, das er jemals gesehen hat, das Finale bei den Paralympics in Peking war, 2008. Und er hat das gemeinsam mit seinem Vater geschaut. Und sein Vater hat zu ihm gesagt, James, siehst du diesen jungen Mann aus Österreich, der ist fast so alt wie du, dem fehlt genauso wie dir der linke Arm. Und wenn der das kann, dann kannst du das auch. Und elf Jahre später sind wir bei der Weltmeisterschaft gegeneinander geschwommen. Er hat mich nicht geschlagen, das wäre zu kitschig gewesen. Aber er hat mir dann erzählt, er hat die Entscheidung getroffen. Er möchte zu den Paralympics, er möchte Paraschwimmer werden, er möchte gegen Andreas Oneer schwimmen. Warum? Weil er mich in China im Kreisschwimmen gesehen hat. Am anderen Ende der Welt in Malaysia hat ein Mensch eine Entscheidung getroffen, nicht weil ich einen Mensch. Medaille gewonnen habe. Nicht, weil ich so gut war, sondern weil ich mein Bestes gegeben habe. Und das hatte Wirkung auf diesen Menschen. Das heißt, ich werde in jeder Situation mein Bestes geben, weil ich gar nicht weiß, wo ich am anderen Ende der Welt oder auch in meinem engsten Umfeld dafür sorgen kann, dass ein Mensch eine Entscheidung trifft und sagt, wenn der das geschafft hat, dann kann ich das auch.
Daniel:Bevor wir da zu deinem wunderbar platzierten Cliffhanger vorhin kommen. Noch eine Frage. Hast du zu dem Zeitpunkt mentales Training gemacht? Wenn ja, was war das? Was hat dich so mental stark gemacht?
SPEAKER_01:Also irgendwann kommt natürlich die Erkenntnis dazu, es bringt nichts, wenn ich meinen Körper trainiere, wären Weltmeister. Wenn ich meinen Geist nicht trainiere, wären Weltmeister. Vier Jahre lang auf ein Ziel, auf eine Minute und zehn Sekunden hinzutrainieren und sich dann zu exponieren und diesem Druck auszusetzen, ohne den Geist dafür vorbereitet zu haben, das wäre dumm. Also so viel zu investieren und so viel aufzopfern und dann geht man da einfach nackert mental ins Rennen, das ist dumm. Also dann war die Erkenntnis, okay, ich muss jetzt meinen Geist anscheinend auch trainieren, ja. Und war Gott sei Dank in einer Zeit, wo das auch vom System unterstützt wurde und nicht verlacht wurde, weil vor 20 Jahren wäre es noch gewesen, ja, du bist mental schwach, wenn du dir Sportpsychologie dazu holst. Und in meinem Fall war es, du machst das Richtige, und es war auch für mich das Richtige. Und ich hatte Gott sei Dank eine Sportpsychologin, die selber Schwimmerin war, die selber bei Olympischen Spielen, bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften war, die hat ganz genau gewusst, was es bedeutet, dort am Startsockel zu stehen. Und das hat mir total geholfen, dass ich eben in diesen Momenten darauf vertraut habe, was ich gemacht habe. Ich habe dann relativ früh, ich war schnell erfolgreich und habe Medaillen gemacht und relativ schnell war dann die Erwartungshaltung da. Und wenn man einmal bei einer Europameisterschaft die Silbermedaille gemacht oder Bronze gemacht hat, dann möchte man bei der nächsten die Silbermedaille machen und bei der nächsten die Goldmedaille. Und das hemmt, das ist Druck, das grenzt einen ein. Und ich bin dann wirklich am Vorabend vor Wettkämpfen im Hotelzimmer gelegen und bin aus Rennen im Kopf durchgegangen und habe Panikattacken gehabt und habe gewusst, ich kann das nicht, ich kann das nicht, was mache ich hier? Und als diese Dinge aufgekommen sind, habe ich gewusst, okay, ich muss da was machen. Und im Endeffekt gibt es verschiedene Werkzeuge. Mir hat das sehr geholfen, mich darauf zu beruhen, wenn ich mich qualifiziert habe, wenn ich es hierher geschafft habe, wenn ich das Training so durchgezogen habe und beinahe alles gegeben habe, dann ist dieser Gedanke, ich kann das nicht, eine Lüge. Wenn ich das nicht könnte, wäre ich nicht hier. Das heißt, man kommt mit sich selbst im Kopf zurecht und richtet sich das so zurecht, damit man entspannt aktiviert, aber entspannt ins Rennen gehen kann und weiß, hey, ich kann das, sonst wäre ich nicht hier. Und das hilft einem, dass man dann eben seine Leistung abrufen kann und sich nicht selber blockiert. Und dann gibt es natürlich, wenn man zu viel möchte und zu früh Gas gibt und zu schnell wieder eingeht. Oder wir haben genauso, wo auch im Parasport, ja, also gibt es Psychoterror, wo dann im Callroom einer sich so richtig mit den Muskeln aufspannt, um allen anderen Angst zu machen, damit sie sehen, wie stark er gerade auftrainiert ist. Oder es gibt dann die zappelmänner, die im Callroom immer dummlaufen und singen. Ein Callroom ist der Raum, wo wir warten, um rauszugehen ins Field of Play, also zum Wettkampfbecken. Während die anderen noch ihre Rennen machen, sind wir eine halbe Stunde vorher schon dort in dem Fall isoliert und warten, dass unsere Reihe drankommt. Und dann gibt es halt, die hupfen rum und singen laut und weil die anderen. Ich bin nicht laut, ich bewege mich, also ich kann nicht durchsitzen, da werde ich wahnsinnig. Aber ich höre meistens Musik oder bin mit mir in meinen Gedanken und ich versuche niemanden aus dem Konzept zu bringen, mich interessiert das nicht, aber ich versuche mich auch nicht auf die anderen zu konzentrieren, was die dann machen. Und dann wärmt man auf und schaut, dass man sich in einen Wettkampfzustand bringt.
Daniel:Und du hast mich, ich muss noch eine Sache nachfragen. Du hast gerade kurz den Startblock angesprochen. Und ich schaue nicht so viel Schwimmen, aber ich finde es immer spannend, sowohl beim Schwimmen, wenn Olympia ist oder beim 100 Meter Sprint, bei den Herren, beim Laufen und so weiter. Wenn die da so in den Startblock gehen, ich denke mir dann immer, was passiert da oben gerade? Und ich finde es beim Schwimmen so interessant, da kommt ihr dann raus und dann, glaube ich, noch irgendwie so ein Sombardemantel über, aber schon die Haube auf und die Brille. Was passiert da im Kopf? Und wie fühlt sich das an, bis dann dieses. Und ich denke mir aber, das sind wahrscheinlich alle Muskeln so angespannt, bis dieses Geräusch kommt, dass man dann explodiert. Talk me through with that.
SPEAKER_01:Ja, sehr gerne. Also das Aktivieren, das macht man eben im Callroom. Und was im Kopf passiert, das liegt eben an mir. Weil ich darf nicht einfach dem ausgesetzt sein, was passiert, sondern ich muss das steuern. Es können nämlich zwei Dinge passieren. Dass ich das Rennen verschlafe oder dass ich total angespannt bin, weil es einfach Druck ist. Wie gesagt, alle vier Jahre findet so einen Wettkampf statt. Du hast eine Chance. Du weißt, du hast so viel geopfert. So ein Druck. Und es liegt eben an mir, wie ich mich mental darauf vorbereite, was dort passieren darf. Was brauche ich? Was brauche ich, um aktiviert zu sein? Ich weiß in Rio bei den Paralympics, dass ich, ich war komplett gaga. Also ich hatte vorher Bauchschmerzen die Tage davor und der Bundesstaat ist pleite gegangen, es waren die Bedingungen vor Ort nicht so toll. Und dann weißt du, dass vier Jahre geopfert und dann stehst du da am Startsocken und dir geht es nicht gut und irgendwie fühlst du dich nicht gut und diese Gedanken gewinnen die Oberhand. Und dann sagst du, hoffentlich ist es schnell vorbei und das wird halt eh nichts und all diese Gedanken. Und wenn du das halt zulässt, dann hast du ein Problem und dann musst du sofort aktiv dagegen ankämpfen. Deswegen, bei manchen im Kopf eher positiv, bei manchen im Kopf eher negativ. Aber das Wichtige ist, wenn du dann weißt, du steigst auf auf den Startsockel, dann weißt du, erst dann darfst du anspannen. Davor musst du noch locker bleiben, weil sonst verlierst du die Spannung. Du hast die ein, zwei Minuten davor, wo du wirklich in eine körperliche Spannung gehst und dann steigst du auf und dann hörst du Take your marks und dann fühlt er sich an wie eine Ewigkeit, wo nichts kommt, wo du einfach nur konzentriert bist, wann kommt dieses Signal, wann darf ich starten? Und das kann negativ sein, das kann einen belasten, oh nein, wann kommt das, wann kommt das? Oder das kann positiv sein, lass mich endlich raus. Ich möchte zeigen, was ich kann, wofür ich gearbeitet habe. Wann kommt endlich dieses Zeichen? Und sobald das da ist und du springst rein und du hattest den positiven Zugang, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du halt deine Leistung schaffst. Und was macht deine Atmung in dem Moment? Man kann viel über die Atmung steuern. Ich bin eher nicht so ein Atmungssteuerer, sagen wir so. Also es funktioniert nicht alles eins zu eins bei jedem. Wenn ich merke, dass ich nervös werde und die Atmung außer Kontrolle ist, dann versuche ich mich da schon wieder einzukriegen, weil man natürlich hier viel auch die eigene Anspanntheit irgendwie runterbringen kann. Aber ich konzentriere mich nicht so bewusst darauf. Ich konzentriere mich viel mehr, was für ein Gedanke ist gerade da und welchen lasse ich zu und welchen lasse ich nicht zu.
Daniel:Und auf dem Startblock, welchen Gedanken lässt du zu?
SPEAKER_01:Ich kann das, ich bin genau dafür da. Dafür habe ich trainiert. Und wenn es in die Hosen geht, dann geht es in die Hosen. Aber ich bin hier, um den tausenden von Menschen zu zeigen, wie man einnahme schnell im Kreis schimmt. Und das hilft mir total, auch mit der eigenen Erwartungshaltung umzugehen. Weil natürlich, ja, irgendwann, bei den dritten Spielen war dann die Erwartungshaltung da, der muss doch endlich irgendwie abliefern. Bei den vierten war, der hat schon abgeliefert, jetzt muss er wieder wiederholen. Und dann funktioniert es halt nicht. Aber die eigene Erwartungshaltung steuerst du mit diesen Gedanken und vor allem im Umgang dann, im Erfolgsfall oder in der Niederlage? Wie gehe ich dann damit um? Und das sind wirklich die Momente, die Karrieren aufbauen oder die Karrieren brechen.
Markus:London. Cliffhanger.
SPEAKER_01:London. Ich gewinne das Finale, weil er nicht behinderten das B-Finale. Ich bin in der absoluten Höchstform. Ich bin Dritter der Welt. Ich weiß, ich kann das. Ich schwimme das Mörderinnen. Ich schlage an und ich verpasse die Medaille um 26 Hundert. Am Boden zerstört. Frustriert. Ich habe es nicht glauben können. 1-11. Jemand, der halt irgendwie mit dem Schwimmen was zu tun hat. Das ist eine unglaublich schnelle Zeit. Also wirklich, ich war nie wieder so schnell wie damals. Und dann checke ich, dass mein Kollege halt ein Kopf größer war, hatte beide Arme, hat sich strecken können und hat die Wand 26 Hundertstel vor mir berührt. Dann sind wir draufgekommen, dass der offensichtlich nach einem ganzen Leben von Drogenmissbrauch einen Schlaganfall hatte, eine halbseitige Lähmung hatte, im höheren Alter dann angefangen hat zu schwimmen, sich diese Lähmung offensichtlich zurückgezogen hat, weil er dann seine Karriere beendet hat, weil es zu auffällig gewesen wäre. Er in wenigen Jahren diese Zeit geschwommen ist, für die ich jahrelang trainiert habe. Und offensichtlich war er noch klassifiziert und qualifiziert, ist das Rennen noch geschommen und hat die Medaille mitgemacht. Dann war der Kollege, der den ersten Platz gemacht hat und seinen zweiten gemacht hat, waren beide mit einem halben Arm mehr. Das heißt, sie haben offensichtlich einen physischen Vorteil. Und ich weiß, ich bin der schnellste Einarmige der Welt und am Ergebnisblatt steht die vier. Ganz kurze Zwischenfrage. Wie funktioniert das?
Daniel:Wie funktioniert diese. Es klingt jetzt für jemand, der sich zu und sagt, das kann doch nicht sein, was ist denn da los?
SPEAKER_01:Genau, das sagen wir auch da, das kann nicht sein, aber es ist halt so.
Daniel:Aber wie funktioniert das? Wie wird man da zusammengestellt, dass man gemeinsam ins Becken darf?
SPEAKER_01:Genau, man schaut sich an, was ist die Behinderung? Wie schränkt die Behinderung beim Schwimmen ein? Aktiv und passiv. Das heißt aktiv. Aktives Widerstands, Entschuldigung. Aktives Antriebsgenerierung. Das heißt, wie viel kann ich Antrieb generieren? Und passiv ist, wie viel schränkt die Behinderung ein, indem Widerstand generiert wird. Ich habe zum Beispiel einen Kollegen, der ist querschnittgelähmt, aber der hat die Beine noch. Das heißt, seine Beine hängen hinten nach und er muss sie mitziehen. Das ist natürlich Widerstand. Dann gibt es Kollegen, die haben keine Beine.
Daniel:Das ist kein Widerstand.
SPEAKER_01:Das ist kein Widerstand. Die schwimmen aber in der gleichen Klasse. Das heißt, natürlich ist das ein bisschen Zach. Und warum das so ist, dass hier gemischt ist, es ist eben so, dass man 14 Klassen hat. Und würde man für jede Behinderung eine eigene Klasse haben, dann hätte man pro Bewerb automatisch 14 Medaillenentscheidungen mehr. Und das ist irgendwann nicht mehr verkaufbar. Also nennen wir es so. Deswegen gibt es ein System mit einer Reichweite. Man ist in einer Behinderungsklasse von bis und wenn man Pech hat, ist man eher am unteren Rand, so wie ich. Und wenn man Glück hat, ist man eher am oberen Rand und hat einen Vorteil den anderen gegenüber. Aber man kann es halt nicht fairer machen. Oder man versucht es, es wird derzeit wieder überlegt, man versucht auch Technologie da viel hineinzubringen. Derzeit ist es eben so, dass ich dagegen leichter behinderte Kollegen schwimmen muss. Aber eben mit 20 damals dann die Erkenntnis, ich steige aus dem Wasser, ich bin eigentlich der Schnellste, aber ich bin nicht der Schnellste.
Markus:Also ich probiere mich jetzt da reinzufassen, es fühlt sich unglaublich unfair an. Und gleichzeitig total schwierig, etwas dagegen zu tun, weil du hast jetzt immer angesprochen, okay, du warst konfrontiert mit und du hast einen Weg gefunden, wie du selbst einfach trotzdem weitermachen kannst, trotzdem selbst den Impetus hast. Wie bist du damit umgegangen, mit dieser, zumindest gefühlten Unfairheit?
SPEAKER_01:Es hat mich komplett fertig gemacht. Also ich habe so viel geopfert. Mein Vater hat damals dauernd gefragt, wie geht es dem Studium? Ich habe dann angefangen auf der WU Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Ich sage, ja, Papa, ich studiere eh noch, ich studiere eh noch, weil ich habe gewusst, dass ich jeden Tag trainiere und das wird nie was werden mit dem Studium. Ich habe so viel geopfert und dann werde ich Vierter. Und das hat irrsinnig wehgetan. Aber auch da wieder, das kann mich kaputt machen. Das kann dazu führen, dass meine Karriere beendet ist. Das kann dazu führen, dass ich aus Frust sage, nie wieder. Oder mein damaliger Trainer ist dann zu mir gekommen und hat gesagt, Andi, großartig, aber es hat nicht sein sollen. In vier Jahren in Rio, da machen wir Gold. Aber dafür müssen wir das, das, das, das, das und das machen. Also sofort war wieder das neue Ziel, mit der eigentlichen Vision eine Paralympics Medaille zu machen, habe ich in Form gießen können für mich, mental. Und am gleichen Tag habe ich die Entscheidung getroffen, heute hat es halt nicht geklappt. Jetzt muss ich alles dafür tun, um in vier Jahren am Podium zu stehen. Hätte ich mich darauf konzentriert, dass das Klassifizierungssystem unfair ist, dass meine Kollegen vielleicht einen Vorteil haben, dass ich nichts dagegen machen kann, das ist lähmend. Wenn ich mich auf die Übermacht der anderen oder auf das System oder auf die Strukturen konzentriere, das lähmt mich. Das führt nicht dazu, dass ich noch härter und intensiver trainiere, sondern das führt dazu, dass ich sage, es hat eh keinen Sinn. Wenn ich mich auf das konzentriere, was ich machen kann, was ich beeinflussen kann, was in meiner einen Hand liegt, die ich noch habe, dann führt das zu Aktion, zu Bewegung, zu Training, zu Vollgas. Und ich habe vier Jahre gehackelt wie ein Trottel und gearbeitet und trainiert und alles aufgeopfert und Gott sei Dank dann schon angefangen, wirklich Sponsoren zu haben, dass ich die Kosten decken konnte und dann in Rio am Podium zu stehen, ins Wasser zu stehen, am Startsackel zu stehen, ins Wasser zu springen und das schlechteste Rennen meines Lebens zu performen. Aber dann Gott sei Dank am Podium zu stehen und die Medaille zu gewinnen. Und auch da wieder der Kenntnis, ja. Manchmal läuft es und es läuft es nicht. Und andermal läuft es nicht und es läuft.
Markus:Aber das heißt eigentlich, wird es analytisch gesprochen, bist du da reingegangen und hast gesagt, okay, mir ist bewusst, es ist einfach, es kann nicht fair sein, weil das ist der Rahmende Gegeben ist. Ich muss jetzt einfach so gut werden, dass ich trotz dieser Unfairness um die Medaillen mitschwimme und beim nächsten Mal selbst die Bevorteilten übertreffen kann.
SPEAKER_01:Genau, wenn man es analytisch anschaut, was sind die Faktoren, die ich beeinflussen kann? Das System kann ich nicht beeinflussen. Ich kann versuchen, zehn Jahre lang zu lobbyieren und aufzurufen und Skandal zu machen, damit wir da endlich was verändern. Das passiert eh, da kann ich mich beteiligen. Aber das ändert trotzdem nichts an meinem Zustand in diesem Konstrukt. Mein Zustand in diesem Konstrukt ist, ich kann noch härter, noch besser und noch effektiver trainieren, um alles dafür zu tun, um mich in die Position zu bringen, weil das ist ja keine Garantie. Dafür hätten wir eine Garantie, dass wir eine Medaille haben, um mich in die Position zu bringen, damit ich möglicherweise die Medaille gewinne. Das kann ich beeinflussen und das motiviert mich, das andere lehnt mich. Und als dann Rio passiert ist und dann hat es halt nicht geklappt von der Performance und von der Leistung, weil ich mich aber mit solchen Gedanken auseinandergesetzt habe und ich kann das nicht und ich schaffe das nicht. Und mitten im Rennen war mir bewusst, die sind alle weg, ich bin hinterher, ich habe keine Chance mehr. Und dann war der Gedanke da, wozu jetzt noch kämpfen? Und sofort hatte ich einen Gegengedanken, wenn du jetzt nicht mehr kämpfst, hast du das Rennen verkackt. Weil das Rennen läuft noch. Es sind noch nicht alle im Ziel, das Rennen läuft noch. Und ich habe alles gegeben, was ich noch konnte, und hab irgendwie noch das Ziel erreicht und hab den Kollegen auf den vierten Platz verdrängt, wieder um 24 Hundertslor oder irgendwie sowas. Also ganz, ganz knapp, aber diesmal eben mit dem besseren Ausgang für mich. Und da war für mich die Lektion, solange das Rennen noch läuft, läuft das Rennen noch. Und ich gebe alles bis zum bitteren Ende.
Daniel:Wenn ich dir so zuhöre, erinnert mich deine mentale Einstellung enorm an das Serenity-Gebet, an das Gelassenheitsgebet. Ich weiß nicht, ob du das, das, das, das, das, und ich bin, ich glaube, Religion muss jeder für sich sehen, wie man möchte. Ich bin kein religiöser Mensch. Ich mag das Gelassenheitsgebet sehr. Und das lautet mir nämlich, Gott gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich kann. Die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann und die Weisheit zu unterscheiden. Und das finde ich wahnsinnig schön, weil du kannst es auch mit, ich glaube, Robbie Williams hat das mit Elvis, da steht Elvis, gib mir die Kraft, du kannst ergänzen, wie du möchtest. Aber ich finde das extrem spannend, wenn man dir so zuhört, dass du sagst, okay, ich konzentriere mich auf die Dinge, die ich ändern kann. Ich akzeptiere die Dinge, die ich nicht ändern kann und ich bin smart genug zu differenzieren.
SPEAKER_01:Aber wie lange brauchst du, um das zu checken? Also bei mir spielt Glaube schon eine große Rolle und der Glaube gibt das natürlich mit. Und deswegen habe ich es einfach, glaube ich, relativ früh verstanden, dass es zum Beispiel in der größten Veränderung, die man eigentlich nicht akzeptieren möchte, das wäre in meinem Fall die Behinderung. Dass es überhaupt nichts bringt, mit der Behinderung zu hadern, mit dem Unfall zu hadern. Mein Vater war nicht schuld am Unfall. Es ist einfach passiert. Wenn ich jetzt damit hader, verliere ich. Wenn er damit hadert, das hat er auch relativ rasch verstanden. Und das war für ihn sicher wahnsinnig schwierig, aber 2027 hatte drei kleine Kinder im Auto, seine eigene Frau schwer verletzt, sein eigener Vater verstürbt nach dem Unfall. Es war sicher wahnsinnig hart für ihn, dass er nicht daran zerbricht. Er ist nicht daran zerbrochen. Und ich bin ihm so dankbar dafür, dass er nicht zerbrochen ist. Weil er verstanden hat, es ist halt passiert. Niemand kann sich erklären. Er war nicht betrunken, er trinkt keinen Alkohol, er ist nicht zu schnell gefahren. Es ist einfach dieser Umstand gewesen, dass es halt unglücklich war, genau über dieses Straßenloch zu fahren, als dort Öl und Wasser gelegen ist. Kontrolle über den Wagen verloren, dann ist es halt passiert. Wenn ich jetzt damit Hader und Zeit und Energie und Lebensmomente dann hinein investiere, verliere ich. Natürlich beschäftige ich mich, was es passiert. Wie komme ich jetzt damit zurecht? Aber auf eine Art und Weise, die positiv ist und die produktiv sein kann. Sobald es darum geht, ich bin so arm und warum ich und nicht andere. Und sobald ich mich selbst in die Opferrolle bringe, ich komme dort nicht mehr raus. Und das habe ich relativ früh verstanden. Und das hilft mir, dass ich dann eben fokussiert bleibe. Und es hilft natürlich, wenn man mit sechs Jahren sowas hat. Ich verstehe schon, dass jemand, der im Leben steht, vielleicht eine Familie hat, einen Beruf hat, vielleicht schon Druck hat, dass man zum Beispiel verdienen muss und dann passiert sowas. Und dann kannst du deinem Beruf als Elektriker nicht mehr nachgehen, weil du jetzt plötzlich einnahmig bist. Dann verstehe ich, dass sowas einschneidender ist im wahrsten Sinne des Wortes und man mehr sich damit auseinandersetzt. Oder wenn das eigene Umfeld nicht damit klarkommt und man hier auch noch die anderen Menschen managen muss, das musste ich alles nicht. Das hat natürlich alles sehr geholfen. Aber meine Botschaft ist, es muss weitergehen. Also wir müssen eine Möglichkeit finden, auch mit Wunden, mit Schmerzen. Und da gibt es Gott sei Dank schon viele Hilfestellungen, dass man hier Lösungen findet für sich auch, aber es muss weitergehen. Wenn wir hier zerbrechen, verlieren wir.
Daniel:Ich genieße deine Sichtweise, das finde ich extrem schön. Stellt sich immer eine Gegenfrage. Das meine ich nicht werden. Aber du hast gesagt, du trainierst wie oft die Woche?
SPEAKER_01:Sechs Tage die Woche, zweimal am Tag. Wie viele Stunden? Jede Einheit ist zweieinhalb Stunden. Fünf Stunden am Tag. Ja, genau. Entweder ein Wasser oder eine Krafteinheit. Das heißt, sechsmal fünf sind 30 Stunden pro Woche.
Daniel:Und was verbringst du, indem du schwimmst? Und schwimmst. Und schwimmst? Und schwimmst. Wie gesagt, in keinster Weise werten, aber ich war immer neu gehabt. Was machst du denn du da in deinem Kopf die ganze Zeit? Ich meine, wirklich so, ich meine, das ist schon eine lange Zeit, die du quasi auf und abschwimmst. Auf und ab schwimmst. Auf und abschwimmst. Das was passiert?
SPEAKER_01:Für die nicht fahrt? Ich habe 1999 begonnen. Das ist schon eine Weile her. Das ist eine Weile her. Ich bin in meinem 26. Jahr als Schwimmer. Wie viele Stunden du geschwommen bist? Ich will das, ich will das gar nicht ausrechnen. Die ersten Jahre war es natürlich noch nicht so extensiv, also noch nicht so viel und noch nicht so umfangreich und noch nicht so lang. Aber ich habe 2008 eben diese Entscheidung getroffen, dass ich wie ein Profi trainieren möchte. 2008, 2009, 2010 haben wir aufgebaut, um mal das Niveau zu haben und seit 2011 fahre ich dieses Pensum. Das ist wahnsinnig viel Zeit. Und ich bin jetzt ganz ehrlich mit dir und mit allen, die uns zuhören, ich hasse es. Hasse es. Schwimmen ist eine, sorry, pardon my French, eine Dreckssportheit. Ich hätte Fußballer werden müssen. Oder Rugby. Ich hasse es. Du musst so intensiv arbeiten, so viel trainieren. Und du hast nicht einmal die Gewissheit, dass du die zwei Zehntel, die du noch brauchst, beim Wettkampf dann erreichst. Und plötzlich bist du drei Sekunden langsam, obwohl du so viel investiert hast. Mental eine so schwierige Sportheit. Aber es war die wichtigste Lebensschule, die ich bekommen konnte, weil ich relativ früh verstanden habe, wenn ich nicht trainiere, wenn ich mich selber belüge und betrüge und irgendwie abkürze, dann mache ich mir selber die Tür zu. Dann kann ich glauben, dass ich irgendwo hinkomme. Ich werde dort nicht hinkommen. Ich muss durchziehen, ich muss dranbleiben. Und wenn ich am Beckenrand stehe und auf das Wasser starre und es ist kalt und nass und grindig und es stinkt und ich weiß, dass ich danach Schmerzen haben werde und im Kopf werde ich gaga sein und komplett matschig sein. Und ich mache es trotzdem. Und das war für mich dieser Moment, wo ich verstanden habe, was treibt mich an, dass ich mir das gebe. Und als ich verstanden habe, die Medaillen sind schön, die sportlichen Erfolge sind super, die Rekorde großartig. Aber ich bin in Rio am Podium gestanden und habe die Bronzemedaille bekommen. Hab' genossen, die 15 Sekunden lang bekatscht zu werden, hab sofort gemerkt, da sind zwei Typen wichtiger als ich, nämlich der, der Silber gewonnen hat und der, der Gold gewonnen hat. Wenn ich mich aus diesem Moment heraus nähere und dort meine Identität herausziehe, habe ich ein riesiges Problem. Warum? Rio ist jetzt so 2016, das ist jetzt einige Jährchen her, das ist fast neun Jahre her. Seitdem habe ich keine Medaille mehr bei den Paralympics gewonnen. Wenn ich also das brauche, um zufrieden zu sein und glücklich zu sein. Zu sein, dann habe ich ein Problem. Was brauche ich also? Wenn meine Identität darin liegt, dass ich weiß, hey, ich kann das, ich bin gut genug, so wie ich bin, ja, und verankere mich in meinem Fall im Glauben, dann kann mir das genug sein. Und vor allem, ich weiß, da gibt es einen Sinn. Ich weiß, dass das einen Sinn hat. Ich kann damit was bewegen, kann Menschen damit erreichen, ich kann ihnen eine Botschaft geben. Dann zahlt es sich aus, jeden Tag vor diesem grauslichen Wasser zu stehen und zu sagen, heute ziehe ich die Einheit Vollgas 100% durch. Und ich lasse nicht zu, dass ich das unproduktiv mache oder mit weniger Prozent mache. Ich gebe alles, damit ich am Ende des Tages irgendwo stehen kann und ein James zu mir kommt und sagt, hey, weil du das konntest, kann ich das jetzt auch. Das ist geil.
Daniel:Das ist eine schöne Sichtweise. Was sagst du, wenn eine Frau sagt, sie möchte Badeurlaub machen, sagst du, nee.
SPEAKER_01:Ich stehe meistens daneben und schaue ihnen zu, wie sie im Meer planschen. Und sagt, also ich hasse Wasser. Ich dusche natürlich, ich trinke natürlich genug Wasser. Ich hasse Wasser. Aber für mich ist das Arbeit.
Daniel:So lustig, ich habe eine Reihe von Interviews von Navy SEALs gehört, die sagen, Strand, nee, vergiss es, schwimmen. No way. Sand mögen sie nicht. Obwohl das ist, was eine Frage, wenn ich immer mal so einen Profischwimmer wie dich stelle mit dem Duschen. Wie macht das deine Haut mit? Weil du duscht ja zwei, dreimal dann am Tag wahrscheinlich im Chlorwasser stundenlang.
SPEAKER_01:Genau, und dann noch duschen. Also alles kaputt. Die Haut ist ausgetrocknet, die Kopfhaut ist hin. Ich bin froh, dass ich die Haare noch habe, die ich habe, weil das ist jetzt nicht die besten Umstände sind für die Kopfhaut. Für den Körper ist das eine irrsinnige Belastung. Das ist natürlich total aggressiv. Es gehört halt dazu. Und ohne Training im Wasser gibt es keine schnellen Wettkämpfe im Wasser.
Daniel:Ich finde das krass, weil ich merke das halt, wenn ich dann ab und zu mal schwimmen gehe, mal in irgendeinem Becken, wo ein bisschen gut geklort wurde, das spannt dann am nächsten Tag an der Haut.
SPEAKER_01:Durchgehend. Also ich habe durchgehend Beschwerden. Ich fühle mich durchgehend nicht gut in meiner eigenen Haut. Deswegen liebe ich die vier Wochen nach dem Großereignis, wo ich nicht ins Wasser muss. Das ist die beste Zeit. Und früher war das so, dass ich dann kaum erwarten konnte, dass das Training wieder anfängt. Mittlerweile freue ich mich, wenn der Trainer noch eine Woche anhängt und wir uns noch erholen. Aber das ist natürlich total normal, wenn man sich so lange sich mit einer Sache beschäftigt.
Daniel:Ein Pro-Tipp für die Hauptpflege?
SPEAKER_01:Es gibt natürlich viele Cremen. Ich werde jetzt von keiner gesponsert, somit habe ich jetzt keine zivilische Creme.
Daniel:Dementsprechend kannst du ganz offen antworten.
SPEAKER_01:Ja, also am besten eine klassische Hotcreme, die da natürlich helfen. Wenn man wirklich medizinisch nachhelfen muss, dann gibt es natürlich Cremen und sowas. Eigentlich super für gute Einladung jetzt.
Daniel:Hast du doch schon angeklopft irgendwo. Andi, ich finde das ja auch so spannend. Also wenn man dein Profil liest, dann steht der Speaker. Ist mir vollkommen klar, warum, okay, klar. Dann steht aber auch Moderator und dann Paraschwimmer. Es ist ja, du bist ja nicht nur irgendein Moderator, weil wir haben ja auch einige aus Deutschland sich zuhören. Erzähl mal, was du moderierst.
SPEAKER_01:Ich habe 2012 einen Anruf bekommen vom damaligen OF-Sportchef. OF ist vergleichsweise unser öffentlicher rechtlicher Rundfunk. Also man könnte, glaube ich, ARD, CDF als Vergleich hernehmen. Und der hat dann gemeint, Herr Onea, wir wollen ein Behindertensportmagazin machen. 2012. Ja, damals knapp 19, also 19, knapp 20. Wir wollen ein Behindertensportmagazin machen. Wir haben sie bei einer Veranstaltung gesehen, wo sie interviewt wurden. Das hat uns gefallen. Wir glauben, sie könnten das, dass es weltweit einzigartig ist. Das gibt es noch nicht, das soll alle zwei Wochen rauskommen. Das ist leider immer noch weltweit einzigartig. Da hat niemand nachgemacht. Nein, da sind wir wirklich gut voran. CDF-ARD sind super in der Berichterstattung für Paralympics. Da sind wir noch hinterher oder wir voraus sind noch hinterher. Und da kommt der Anruf. Und vielleicht könnt ihr euch damit identifizieren, wenn da so eine Megamöglichkeit plötzlich da ist. Und du fühlst dich so klein und so unpassend. Und ich habe mir gedacht, ist da auch schon so verzweifelt. Ich bin Ausländer, ich habe mit sechs Jahren Deutsch gelernt, meine Deutschprofessorin hat immer auf meine Aufsätze geschrieben: Ausdruck, Ausdruck, Ausdruck. Also es hat nicht, dass ich es ausdrücken soll, sondern dass ich mich nicht ausdrücken kann. Und jetzt kommt das Fernsehen daher und möchte mir eine Moderationsstelle angeben. Also der erste Instinkt ist immer, ich kann das nicht. Sich klein machen. In die Komfortzone verkriechen und sagen, ach, es soll ein anderer machen. Und dann ist der Gedanke gekommen, hey, aber was ist, wenn ich es versuche und wenn es nichts wird, dann wird es halt nichts, aber dann kann ich es mir nicht vorwerfen. Was ist, wenn ich es versuche und es wird was? Was ist, wenn ich es versuche und ich habe eine neue Möglichkeit, mich zu entfalten? Und ich habe eine neue Möglichkeit, den Sport, den ich so liebe, der mir so viel gegeben hat, also nicht das Wasser, sondern den Sport, den paralympischen Sport, dass ich den einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt mache, dass ich zeigen kann, was Menschen mit Behinderung imstande sind zu tun. Was ist, wenn ich das erreichen kann über dieses Magazin? Und ich habe gedacht, okay, probieren wir es, machen wir, haben wir Piloten gedreht, sind auf Sendung gegangen und mittlerweile sind wir seit zwölf Jahren auf Sendung. Und das hat mir natürlich dann die Tür geöffnet, dass ich im ORF schon drinnen war und angefangen habe, dann Volleyball-Bundesligaspiele und Handball-Bundesligaspiele mit mäßigem Erfolg zu moderieren. Und irgendwann hat man mich ins Castingstudio gestellt für Sportaktuell. Sportaktuell ist sowas nach der Zeit, also Zeit im Bild bei uns und in Deutschland wäre das, glaube ich, Tagesschau, dann der Sport, dass ich das doch einmal moderiere. Und habe mich ins Casting-Studio gestellt, habe nicht gewusst, wie das geht, und das war eine komplexe Sendung, also natürlich total blamiert. Und da war dann das Fazit: Sport liebst du, moderieren kannst du nicht. Wirklich. Das geht halt nicht. Das ist die wichtigste Sendung. Das war eine komplexe Sendung, man hat ja nur drei Minuten Live-Sendung, die zwölf Sekunden Moderation, die müssen sitzen ohne Fehler. Dann war irgendwas Vorlesen mit Bild überdeckt. Also ich habe das noch nie gemacht. Und dementsprechend war das halt hingestolpert und das Fazit war eher nicht so. Kein Problem. Ich habe meine Sachen dann im kleinen Sport weitergemacht und habe gewachsen, hab gelernt, bin gewachsen. Und das ist wieder die Erkenntnis für mich. Sich selbst die Zeit geben. Ich hätte auch da sagen können, offensichtlich ist das nichts für mich, ich lasse es bleiben. Sich selbst die Zeit geben zu wachsen. Jahre später gab es dann eine Aktionswoche, die hat geheißen, Österreich kann. Und der Sportchef hat damals gesagt, der Wolf Sport, der kann auch. Und zwar einen Menschen mit Behinderung, die Sportnachrichten moderieren lassen. Der Oneer soll das machen. Du hast gemacht, diesmal hat es gut geklappt, weil ich mich vorbereitet habe. Und war für mich eine einmalige Sache, super, großartig und keinen Gedanken mehr daran verschwendet, dass ich ja jemals Sportmoderator werden könnte bei dieser Sendung. Und ein Jahr später bin ich dann zufällig im Haus gewesen, als sie drauf gekommen sind, dass der Diensthaber, der Moderator, sich verschaut hat und irgendwo im Urlaub war und nicht im Haus. Und alle anderen Moderatoren aus dem Team waren entweder mit den Kindern irgendwo oder niemand war in der Nähe und sie haben gewusst, ja, der ONEA ist gerade zufällig da und er hat zumindest schon einmal diese Sendung moderiert. Wir haben niemanden, die Sendung ist in zwei Stunden. Andi, bitte stell dich ins Studio und mach diese Sendung. Sonst passiert es, dass die Sendung nicht auf Sendung ist. Und auch wieder da die Entscheidung, was mache ich jetzt? Ich stehe unter Druck, ich traue mir das nicht zu, das Casting war eine Katastrophe. Oder ich nutze die Chance und spring drauf und versuch es zumindest. Und wenn es nicht klappt, dann weiß ich, hey, das ist halt nichts für mich. Und ab diesem Tag bin ich regelmäßig eingeteilt worden, ohne dass man irgendwie offiziell gesagt hat, herzlich willkommen im Team. Und hab letztes Wochenende meine 100. Sendung moderiert von den Sportnachrichten. Und auch war für mich wieder, hey, sich Zeit geben, aber natürlich immer das Beste geben. Aber auch wieder der Sinn, was ist denn der Sinn? Ich bin dort bei der Sportnachricht. Eine Million Menschen schauen zu. Was sehen Sie? Sie sehen einen Menschen mit Behinderung. Es geht aber nicht um die Behinderung, es geht um den Sport. Es geht um das, was uns begeistert, was uns emotionalisiert. Und damit lösen wir dieses Stigma, dass ein Mensch mit Behinderung dort nicht sein kann. Stimmt nicht. Jeder kann dort sein, wenn man sein Bestes gibt und seinen Weg macht. Und dann ist Behinderung vollkommen legal oder vollkommen normal. Und das ist das, was ich erreichen möchte. Das heißt, auch in den Moderationen sehe ich einen größeren Sinn, der auf eine große Mission und auf eine große Vision einzahlt. Das heißt, auch hier kann ich mich motivieren und begeistern, nach einem harten Training zwischen den Trainings raufzufahren, moderieren, Sendungen vorbereiten, obwohl es hart ist, obwohl es zach ist, aber ich weiß, es hat einen Sinn und es zahlt sich aus.
Daniel:Ich finde das super spannend. Ich musste nur darüber nachdenken, also auch wenn man sagt, man hat so schlechte Voraussetzungen, etwas zu beginnen. Das ist Witziges. Mir ist mal gesagt worden, für vielen Jahren, das habe ich sie, glaube ich, mal erzählt, weiß ich gar nicht. Mir ist mal gesagt worden, mit deinem Akzent wirst du in Österreich nie moderieren. Und das hat mir aber jemand auch so ins Gesicht gesagt. Ich kann mich erinnern, ja, das hat mich ziemlich getroffen. Das ist jetzt ein paar Jahre her. Aber ich finde es immer so, dieses immer eine Frage, dass so viele Menschen so viel Ausreden haben, warum Sachen nicht klappen. Ich glaube, am Ende des Tages muss es halt einfach lästig genug sein und einfach probieren.
Markus:Aber ich finde jetzt zum Beispiel, hast du, so wie ich dich kennengelernt habe, überhaupt keinen deutschen Akzent. Da hast du dir den danach, glaubst du, proaktiv abgewöhnt oder war das einfach jemand, der gesehen hast, du warst deutscher und um jetzt hinzuhören. Jetzt rutsche ich rum.
Daniel:Ich muss jetzt mal ganz kurz, eigentlich sollte man es ja nicht tun, aber jetzt müssen wir mal darüber reden. Das Lustige ist, ich bin 1996 hierher gezogen aus Hamburg. Richtig harter norddeutscher Akzent. Und das meine ich nicht wert, aber wenn du halt aus Deutschland nach Österreich ziehst, dann hast du eigentlich noch nie über Österreich nachgedacht. Das ist gar nicht böse gemeint, sondern.
SPEAKER_01:Ich bin so weit weg von Hamburg, dass man fängt.
Daniel:Wenn du in Hamburg wächst, dann gibt es halt Dänemark und Niederlande und halt Polen oder so, aber Bayern ist halt schon tiefstes, tiefstes Ausland. Hätten nie über Österreich nachgedacht. Dann kommst du in Österreich an und merkst, Österreicher haben aber schon sehr über Deutsche nachgedacht. Da habe ich auch immer eher als der Irre gesehen, weil irischer Staatsbürger und so weiter. Und dann bin ich hier sehr stark mit meinem Akzent konfrontiert worden und immer permanent darauf auch reduziert worden. Ganz stark auch in der Schule gemobbt worden damit, deswegen, also permanent, auch von Lehrern und so weiter und so fort. Und das war halt richtig, das war halt richtig übel. Und dann habe ich auch so, es klingt so trivial, weil es lustig ist, wenn du, wenn du mit deutschen Wurzeln in Österreich lebst, da ist eigentlich eine Ausgrenzung sehr normalisiert in Österreich. Weil es wird immer so mit Humor genommen, weil es tut ja auch trotzdem weh. Weißt du, wenn du in ein Geschäft gehst und du bestellst etwas und du wirst von jedem korrigiert und auch von jedem herab korrigiert, das tut was mit dir. Und dann habe ich angefangen zu moderieren, eigentlich immer auf Englisch und dann die ersten Sachen auf Deutsch. Und dann kam, das wurde mir damals von einem Sender gesagt, mit dem Akzent kannst du nicht ins österreichische Fernsehen. Das ist unmöglich. Und ich weiß nicht, ob ich damals gesagt habe, Obama ist aber Präsident und Klaus Wowereit, der damals Berliner Bürgermeister war in einer offen gleich geschlechtlichen Beziehung, ist Bürgermeister von Berlin. Das muss doch irgendwie möglich sein. Und das war dann so etwas, das heißt, mein Akzent war immer für die anderen stark genug wahrnehmbar als Deutsch. Das Lustige ist, mein Akzent ist für Norddeutsche, aber auch irgendwie schräg. Genau. Das heißt, das Geile ist bei mir, in Norddeutschland definitiv nicht von uns. In Österreich definitiv nicht bei uns. Die beiden sind so, ja, wissen wir auch nicht, wo du herkommst, aber auch nicht von uns. Das heißt, ich bin irgendwie nirgendwo. Und das ist eigentlich ganz witzig. Und ja, ja, und es hat mich sehr stark eingeschränkt in die Jahre am Anfang. Immer wieder. Und ich weiß noch, wie ich dann etwas in, wo war das, in Linz moderiert habe. Und das eine Frau war ich relativ am Anfang meiner Moderation, ist nach einer Moderation zu, und es ging um Fail Culture, ist sie zu mir hergekommen und hat gesagt, ich hätte da Fragen. Ich so, ja, cool. Und ich kennt das ja, man kommt von der Bühne runter und ist so, ja, let's go. Sie hat anderthalb Stunden über so Mindset und Blatt zugehört. Und dann sagt sie, ich hätte Fragen, ich sage, ja cool, erzähl. Und dann sagt sie, gibt es in Österreich keine guten Moderatoren? Dann sage ich, wieso? Ja, warum musst du hier sein? Und ich weiß noch, wie ich sie anschaue. Und in dem Moment sage ich zu ihr, weiß ich auch nicht. Weil ich einfach, ich war so und ich bin dann damals in den Leihwagen eingestiegen. Und die ganze Fahrt von, ich glaube, Linz nach Hamburg, äh, nach Wien zurück, weil ich nur, ich hätte ihr aber sagen sollen. Nee, das sind so Sachen, dass das immer wieder passiert. Und mittlerweile sehe ich das mit entsprechend Abstand und Humor. Aber das war, das war schon, das war schon ein Riesenthema. Und das ist, das hat also viele sehr, sehr, sehr schwer gemacht, glaube ich, am Anfang. Und auch bei Castings, wo mir da mal lustigerweise für eine Nachrichtensendung gesagt wurde, hey, du warst mit Abstand der Beste, würde ich sofort nehmen, mit dem Akzent können wir dich aber nicht nehmen. Tut mir leid. Und da ist jemand anderer genommen worden. Der Objektiv nicht so gut war wie du. Richtig. Und der Casting-Direktor war Berliner. Junge, du warst der Beste. Akzent, keine Chance. Können wir nichts tun. Tut mir leid. Die werden sich aufregen. Und das ist halt doof, weil ich verstehe es auf einer übergeordneten Ebene. Aber für mich, als der, der ich bin und der ich seit fast 30 Jahren erlebe, und damals war es halt, es war 15 Jahren, das war schon, das suckt. Und ja, es hat dann dann über Umwege geklappt und jetzt moderiere ich recht viel hier. Aber ich schaue das immer mal wieder. Das ist ein Thema.
SPEAKER_01:Aber auch da wieder spannend, wie findest du für dich einen Weg, damit umzugehen, zu copen, dich nicht davon dann definieren zu lassen, nicht daran zu zerbrechen, obwohl es sehr leicht ist zu sagen, na gut, offensichtlich wollen die mich nicht oder alle sind unfair. Und du bleibst trotzdem, der du bist. Und du arbeitest noch härter und du findest einen Weg, auch wenn dir diese Tür, die eigentlich offen war, du warst schon durch und dann wird es ihm dir zugeschlagen. Und das sind so die Sachen, die im Sport ganz, ganz brutal sind, weil da gibt es ein nacktes Ergebnis und dann gibt es halt so unfaire Sachen und Situationen und du musst lernen, eine Lösung zu finden. Das hilft dir dann im Leben für die unangenehmen Dinge, dort diese Lösung umzusetzen und einzusetzen. Und deswegen finde ich, dass ich glaube, dass es in der Wirtschaft genauso ist. Das ist in eurer Branche genauso, wenn man wahrscheinlich mit wenigen Ressourcen, mit wilden Ideen gegen starre und stramme Strukturen ankämpfen muss, um was voranzubringen. Das kann ich mir gut vorstellen, dass das genau so in einem aktiviert.
Markus:Dazu eine Frage. Wie ich dir jetzt vorher zugehört habe, für mich spricht ein Unternehmer aus dem. Also ganz stark dieses unternehmerische Gehen. Sowohl dieses, was auch immer auf mich zukommt, jede Wand, es gibt einen Weg rundherum oder durch und du findest diesen Weg. Ist das etwas, wenn du jetzt auch so in die Zukunft schaust, dass dich reizen würde? Oder sagst du, ich habe meine Life-Mission und ich bleibe Sportler und ich bleibe Moderator, aber ich werde nicht Unternehmen?
SPEAKER_01:Ich glaube, dass ich schon lange Unternehmer bin. Auch am Papier schon, aber auch bevor ich am Papierunternehmer war, sind das die Fähigkeiten und die Qualitäten, die wir brauchen, überhaupt im Sport erfolgreich zu sein. Und jetzt allgemein im Sport und noch spezifischer im Behindertensport. Wir sind in so einer kleinen Nische, für die sich niemand interessiert, wo du ein USB ausarbeiten musst, damit sich plötzlich jemand für dich interessiert. Und ich bin Gott sei Dank in der grüßen Lage, dass ich mit dem wenigen Erfolg, den ich hatte, wahnsinnig viel daraus machen durfte und konnte und die Möglichkeiten bekommen habe. Ich habe Kolleginnen und Kollegen, die sind viel erfolgreicher als ich, die dann nicht die gleichen unternehmerischen Möglichkeiten erschaffen konnten. Ob jetzt Rahmenbedingungen, ob eigener Drive. Mir war von Anfang an bewusst, ich habe knappe Ressourcen. Ich muss ganz genau überlegen, wo setze ich sie ein. Es bringt nichts, wenn ich irgendwie wochenlang auf das eine Trainingslager fahre und dafür kann ich daheim nicht gut trainieren. Das bringt einfach nichts. Das ist zwar nett und schön, bringt nichts. Das heißt, ich muss mit meinen eigenen Ressourcen, mit meiner eigenen Energie, mit meinem Training. Wie hole ich mir Spezialisten dazu? Weil ich hatte keine Ahnung, ich wusste, wie man schwimmt. Ich hatte keine Ahnung, wie man einen einarmigen Brustschirm auf das Niveau bringt. Dafür brauche ich einen externen Menschen, also jemanden, der die Expertise hat. Wie hole ich den in ein Team hinein? Dann entsteht so ein Teamgefüge aus fünf, sechs, sieben Leuten mit Ernährung, mit Physio, mit Psycho, mit das muss funktionieren. Das heißt, das muss ich managen können. Mit 1920 Grad die Motora irgendwie geschafft und dann stehst du plötzlich da. Und natürlich lernst du am besten, wenn du mit deiner eigenen Haut drinnen steckst. Und ich habe mein Erspartes, das halt wenig war, habe ich, am Anfang war mir klar, ich kann jetzt einer von vielen sein und alle Sponsoren bekommen hunderte Nachrichten am Tag. Oder ich kann einer sein, der etwas Besonderes mitbringt. Und damals war ich halt noch limitiert in der Denkensweise und habe gedacht, ich mache mir jetzt ein Logo. Weil alle anderen haben kein Logo. Wenn ich also ein Logo habe, zeige ich, dass ich mir Gedanken gemacht habe, wie ich als Marke dastehen möchte. Und ich habe mein Geld genommen, das ich hatte und habe einem Designer das nachgeworfen und gesagt, ich brauche ein Logo, das soll mich identifizieren, ich möchte das mein Leben lang danach verwenden. Und dann konnte ich meine Sponsoren anfragen mit einer CI, mit einem Logo, mit also wirklich gut aufgearbeitet machen und habe das Feedback bekommen. Wir bekommen irgendwelche losen Anfragen und alle an Erwartungshalten, dass man mit ihnen arbeitet. Du hast uns was schön Aufgearbeitetes geschickt und du hast uns was angeboten. Du bist nämlich mit Medienwert hergekommen und wolltest nicht einfach nur Almosen haben als behinderten Sportler, sondern hey, ich bringe euch den Medienwert und den Effekt für eure Brand. Das heißt, seht es mich als Marketingkanal, um eure Brand zu positionieren. Das heißt, ich musste von Anfang an unternehmerisch denken, damit ich überhaupt in die Position komme, erfolgreich zu werden. Das heißt, noch bevor ich erfolgreich war, war ich schon Unternehmer. Und das war für mich total spannend. Natürlich macht man sich dann Gedanken, was kommt nach dem Sport? Ich habe panische Angst vorm Aufhören, deswegen schwimme ich immer noch im Kreis.
Daniel:Wie lange kannst du das noch? Ich weiß, es ist eine blöde Frage, jetzt bin ich schon klar, aber jetzt bist du 33.
SPEAKER_01:Ich war vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft Dritter. Es hat geholfen, dass China im Lockdown war und die Russen ausgeschlossen. Ich lege das immer noch ein. Wir vertrauen auf Trump, dass die Abbis räder noch weg. Solange ich sportlich mithalten kann.
Daniel:Aber was ist das realistisch?
SPEAKER_01:Let's see. Ich möchte nach Los Angeles, ich möchte nach Brisbane. In Brisbane bin ich dann 40. Natürlich muss man dann das Training anpassen, man muss sich auf die Begebenheiten körperlich anpassen. Mein Trainer hat damals gesagt, ich möchte, dass du das dein ganzes Leben machen könntest. Nicht, dass du es machen musst, aber du machen könntest. Wir werden keine neue Behinderung produzieren. Wir werden dich nicht kaputt trainieren, wir werden dir nicht die Schul dahin machen, nur damit du irgendwo zwei Zehntel schneller bist. Und wenn ich möchte, werde ich bis Mitte 40 das machen können.
Daniel:Im Schwimmen auch? Im Paraschwimmen, ja.
SPEAKER_01:Es gibt auch im olympischen Schwimmen wieder irgendwann einmal Weltmeister mit 40 über 50 Meter Freistil. Aber sobald es halt länger wird, wird es schwierig. Interessant. Im Paraschwimmen ist es leichter möglich, weil viele die Behinderung erst im Leben sich aneignen. Das heißt, die haben dann mit 20 den Unfall und fangen dann an und natürlich machen die dann weiter, bis sie 40 sind. Mein großer Vorteil, ich bin schon so lange dabei. Ein großer Nachteil kann es halt mental sein, wenn du schon jahrelang nichts anderes machst, wirst du irgendwann teppert. Deswegen so schön, dass ich, und das ist wieder, es befruchtet sich. Ich darf mich mit anderen Dingen auseinandersetzen. Ich darf von anderen Bereichen ein Feedback bekommen, dass ich offensichtlich irgendwas gut kann. Oder Menschen sagen, hey, ich habe dazu gehört, das hat mir was gegeben. Und dann gehe ich so energiegeladen zum Training und ziehe die Einheit durch. Also das hilft, hätte ich das alles nicht, wäre ich nicht da, wo ich bin.
Daniel:Von Fakt Fernando Alonso oder vom Linesfahrer als Leute ich, da ist da auch 43, das klappt noch.
SPEAKER_01:Einige Weltmeistertitel.
Daniel:Wird dich eigentlich, ja, durchaus, wird dich eigentlich Vater sein als Schwimmer beeinflusst?
SPEAKER_01:Vielleicht nicht als Schwimmer selbst, aber als Mensch, aber auch als. Dein Training vor allen Dingen auch vielleicht.
Daniel:Mir war ich, du bist plötzlich müde, du hast plötzlich da einen ganz, ganz, ganz, ganz, ganz wichtigen Grund, den du eigentlich immer sehen willst. Plötzlich schwimmst du dann noch immer fünf Stunden am Tag.
SPEAKER_01:Genau. Also mir war mir war bewusst, dass da irgendwo einmal, dass ich das gut organisieren muss machen, sag mal so, ja. Mir war aber auch bewusst, dass ich natürlich die Priorität auch am Training habe, aber nicht, dass dann meine Kinder draufzahlen. Das heißt, ich habe im Endeffekt kein Privatleben mehr neben dem Sport und neben meinen beruflichen Aktivitäten, sondern meine Familie ist mein Privatleben. Und das führt dazu, dass ich dann die verbleibende Zeit eben dann nicht mit Freunden irgendwo verbringe oder halt mit Hobbys, sondern die ist dann mit der Familie. Und auch das Training so anpassen kann, dass ich die wichtigen Stunden des Tages da bin. Also nicht, dass ich dann Daheim bin, wenn die Kids schon schlafen, sondern dass ich dazwischen schon einmal wieder da bin und dann wieder zum Training gehe und dann bin ich wieder da, um sie schlafen zu legen. Die Kids sollen was von mir haben. Und das ist mein Ziel, dass ich mir so etwas aufbaue, um dann später noch intensiver da sein zu können. Aber nicht, ich möchte nicht jetzt schon dazu beitragen, dass sie eigentlich, ja, schön, dass da eine Medaille hängt, aber eigentlich kennen wir den Typen nicht. Und das kann schnell passieren im Sport. Das kann auch passieren, wenn man beruflich selbstständig daneben tätig ist. Und natürlich ist der Drang immer mehr, es soll uns gut gehen, je mehr ich arbeite als Selbstständiger, desto mehr verdiene ich. Je weniger ich arbeite, desto weniger verdiene ich. Somit hier eine Balance zu finden, war mir wichtig, dass ich eine gute und richtige Balance finde.
Daniel:Finde ich interessant. Apropos Balance, es ist eine Frage, wo ich finde, dass du ein wahnsinnig guter Botschafter bist, glaube ich. Ich habe das Gefühl, dass sehr, sehr, sehr viele Menschen sich schwer tun, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen. Ich habe das, glaube ich, nie erzählt, aber meine Mutter ist ja halbzeitig gelesen, sitzt mit dem Rollstuhl. Ich merke immer, wie alle Leute schauen. Das finde ich immer ein bisschen doof. Ich habe über die Jahre immer unterschiedlich darauf reagiert, ob ich dann andere Leute angestarrt habe oder wie auch immer. Das habe ich oft sauer gemacht und nicht. Wie ist aus deiner Perspektive der beste Zugang? Wie möchtest du, dass Leute damit umgehen? Normalität. Und jetzt werden die sagen, was heißt das denn?
SPEAKER_01:Genau jetzt, Junge, das wollte ich ja provozieren, dass das jetzt sagt, was heißt das? Ich habe das bei mir erkannt. Ich war relativ rasch, fast den ganzen Tag halb nackt unterwegs. Das heißt, ich konnte meine Behinderung nicht verstecken. Genau, Entschuldigung, natürlich, also ich gehe jetzt nicht halb nackt einkaufen, sondern ich bin eben schlimm. Die Leute sehen meine Behinderung. Und zwar, seitdem ich sechs Jahre alt bin, kann ich sie nicht verstecken. Wäre ich nicht dauernd schimmer gewesen, hätte ich sie über eine Prothese, die ich natürlich habe, aber im Schwimmen nicht tragen kann. Es gibt Situationen, wo sie mir im Alltag natürlich hilft und mich unterstützt. Jetzt kurze Frage, wann trägst du die Prothese? Ich kann einkaufen zum Beispiel, wenn ich schwere Sacklögen muss oder bei Veranstaltungen, wo es wichtig ist, dass ich eine gute Balance habe.
Daniel:Entschuldigung, jetzt ist mein inneres Zwölfwege ist ich jetzt extrem neugierig. Wie entscheidest du das? Wie funktioniert die Prothese und wie brauchbar ist die? Viele Fragen auf einmal auch.
SPEAKER_01:Also während der Schule natürlich wahnsinnig wichtig beim Wachstum und auch beim Abstützen und einen Schulalltag meistern mit der Prothese. Das war enorm wichtig.
Daniel:Entschuldige, die ist dann, also die ist dann montiert über die Schule.
SPEAKER_01:Ich habe seinen Schaft, den tue ich auf den Stumpf drauf. Aber weil ich eben keinen Armstumpf mehr habe, muss der irgendwie befestigt werden. Das geht mit einem Gurt. Ich muss nochmal nachfragen, und du hast gar keinen Oberarm. Nein, gar nichts. Also der Arm ist rausgerissen worden. Das heißt, ich habe die Schulterstruktur noch, aber ohne Arm. Das ist so wie wenn du deinen Arm rausziehst. Das ist Schulterpfanne und das ist alles da. Ist aber nicht mitgewachsen. Also es ist für einen 33-Jährigen eigentlich zu klein alles.
Daniel:Es ist auch schwer zu montieren.
SPEAKER_01:Ja, genau, genau. Und die Muskel haben wir nicht am Schulterblatt gezogen, deswegen ist das Schulterblatt kleiner. Es gibt keine Brustmuskulatur, das heißt, die ganze Struktur, deswegen ist so eine Prothese kompliziert zum Draufkommen. Das heißt, ich tue die Prothese drauf, muss ich mit einem Gurt befestigen um den Arm, aber das reicht nicht, weil dann wird es mir da und da dagegen klatschen. Also habe ich hier nochmal so eine. Hier ist zeigst du auf den Arm, Entschuldigung, entlang meines Oberkörpers nochmal eine Stütze, nochmal einen Schaft, der dann um den Bauch und um den Rücken noch einmal geht, damit der Arm stabil sein kann. Der Arm hat ungefähr 10 Kilogramm, ist hochtechnologisch, war damals ein Prototyp, ist mittlerweile marktreif. Ich kann über die Elektroden, die im Schaft eingebaut sind, die auf meiner Haut liegen, kann ich, indem ich den Muskel anspanne, kann ich die Hand aufmachen, kann ich die Hand verdrehen. Und mittlerweile sind die Prothesen so entwickelt, dass ich bestimmte Fingerpositionen einstellen kann, die ich dann abrufen kann. Also wenn ich weiß, ich gehe einkaufen, dann stelle ich die Position ein, wo ich den Arm irgendwie so habe, damit der Sackel nicht rausfallen kann. Entschuldigung, die Tasche nicht rausfallen kann.
Daniel:Genau das meine ich. Ja, hier fühle ich jetzt mit diskriminiert. Ich fange hier gleich an mit dem Tod diskriminieren.
SPEAKER_01:Bei einem Armigen Witze habe ich auf Laden.
Daniel:Ich habe mich ja voll ins Fettnäpfchen mal bei dir gesetzt. Kannst du dich erinnern? Das letzte Mal bei 15 Seconds gesehen haben, da habe ich zu irgendjemandem sagen wollen, ihr seid in guten Händen bei ihm. Und habe ich kurz vorhin gesagt, du wolltest sagen, in guten Händen. Ich nutze sowas.
SPEAKER_01:Aber das passt jetzt gut zum Thema, weil es soll ja um Normalität gehen. Aber zurück zu dem Sack, ey. Genau, genau. Und das hilft ja auch, wenn wir exponiert sind und die Behinderungen sehen und wenn wir die technologischen Fortschritte sehen und auch die Rollstühle sehen und auch die, wir sehen, okay, das sind Gegenstände, die helfen, im Alltag teilhaben zu können. Ohne diese Dinge ist es schwieriger, im Alltag teilzuhaben, weil wir halt noch Barrieren haben. Also auf jeden Fall kann ich viel tun mit der Prothese. Kannst du einen Sechsertrager, also da ganz viel Gewicht drauf. Also ich kann da viel tragen, der Motor hält das aus. Es wird dann irgendwann zu schwer für den Stumpf und für meinen Oberkörper. Das heißt, es drückt dann wirklich und man schwitzt. Und es ist natürlich nicht so ganz angenehm über die lange Zeit. Und irgendwann war ich halt nicht mehr in der Schule, sondern war den ganzen Tag beim Training. Und deswegen sieht man mich halt nicht so oft in der öffentlichen Zeit.
Daniel:Vielleicht noch nie, also mit Fotos oder irgendwie so mit dem Gesehen.
SPEAKER_01:Irgendwann, ich meine, wenn ich die Frage Nicky lauter, dann sagst du rotes Käppi und genau. Und bei mir ist halt mein Markenzeichen. Man erkennt mich als der einarmige Schwimmer oder der einarmige Moderator. Ich wäre jetzt blöd, wenn ich in den großen öffentlichen Auftritten dann mir mein eigenes Markenzeichen. Erkennt man dich eigentlich schon viel? Ja, also wenn ich in Wien, wo du umlaufe, dann sprechen mich, vor allem in der Zielgruppe, die noch fernschaut, viele an und sage, ha, das ist der, was im Sport. Aber viele wissen ja nicht, dass ich eigentlich Sportler bin. Also das zeigt auch, wie ich kann Medaillen bei den Paralympics gewinnen und habe nicht die Reichweite, die ich über die Sportnachrichten habe.
Daniel:Das heißt, du bist aber Andi und her der Moderator, nicht an dem Schwab.
SPEAKER_01:Mittlerweile in der Wahrnehmung, der Moderator, und nicht der Schwimmer, obwohl ich eben sehr vollkinder schwimme. Genau. Aber eben Normalität. Und dann war ich halt im Schwimmbad und dann zeigen plötzlich Kinder auf mich.
Daniel:Ja, Kinder sind da sehr direkt.
SPEAKER_01:Und nicht die gleichen Kinder, sondern jedes Semester ist dann eine neue Schulklasse. Und andauernd bin ich neun Kindern exponiert, die mich zum ersten Mal sehen. Und du hast plötzlich sechs, sieben, acht Finger auf dich gerichtet und du hörst die plötzlich nuscheln und sagst, da siehst du, der hat einen neuen Arm und jetzt wieder zwei Möglichkeiten. Das kann was mit mir machen, das kann mich ärgern. Ich kann sagen, haben euch eure Eltern nicht erzogen? Wisst ihr nicht, dass man das nicht macht? Oder ich kann das nutzen. Etwas, was unangenehm ist für mich, als Sprungbrett, um eine Veränderung zu bewegen. Um etwas Positives zu bewirken. Und dann gehe ich auf die Kids zu und sage, hey, habt ihr Frage, wolltest du was wissen? Und ich stehe dann da, warum hast du nur einen Arm? Und ich sage, er hat dein Autounfall, ich hätte sterben müssen, jetzt lebe ich und gewinne Medaillen beim Schwimmen. Was? Du kannst schwimmen? Ja, ich kann schwimmen. Nein, das glaube ich nicht. Doch, doch, schau, wir gehen jetzt rein und du kannst mich dann schwimmen sehen. Und die gehen dann nach Hause und in ihrem Kopf war ein Bild, dem fehlt ein Arm, der kann nicht schwimmen. Und der geht nach Hause mit dem Bild, dem fehlt dein Arm. Der ist schneller als alle. Der ist nett, der war positiv und er schwimmt schneller als wir alle. Das heißt, ich habe zu etwas Positiven beitragen können.
Daniel:Und sag mal, was heißt das dann? Aber ich finde das Interessante, ist ja, Neugierig ist ja was zutiefst Menschliches. Und das Lustige ist, manchmal, wenn wir darüber reden, über Erziehung, sage ich immer, das Wichtigste ist für mich, dass mein Sohn neugierig und glücklich wird. Das sind die zwei Dinge. Das ist alles andere, wird sich weiß, aber neu. Das heißt, du sagst, der normale Umgang ist, wenn Leute dich kennenlernen, fragen. Sag mal, was ist denn da passiert?
SPEAKER_01:Genau. Weil das würde ich ja einen Menschen ohne Behinderung irgendwann im Laufe des Gesprächs wahrscheinlich auch fragen, wenn mich ihm das brennen interessiert. Frage ich ihn.
Daniel:Und geht es dir da, und ich glaube, da gibt es vielleicht welche, die sagen, ja, ich will ihn das jetzt nicht fragen, weil dann ist ja vielleicht ein unglücklicher Moment und vielleicht geht es dir immer gut dabei, wenn ich Leute das fragen. Nervt dich das mal.
SPEAKER_01:Es kommt natürlich auch auf die Situation an, wie sie und warum sie fragen, ja.
Daniel:Weil es ist jetzt blöde, dass du es nicht entscheiden kannst in dem Moment.
SPEAKER_01:Genau, genau. Also ich versuche da einfach positiv zu bleiben. Ich verstehe natürlich schon, dass wir als Gesellschaft dann diese Eigenschaft oftmals hervorheben. Ich würde, wenn ich einen neuen Menschen kennenlerne und mit ihm ins Gespräch komme, wäre vielleicht meine erste Frage nicht, du, warum hingst du eigentlich da? Oder wie geht's eigentlich mit deiner Blasenkontinenz? Also ich nehme nicht einen medizinischen Zustand, den ich jetzt plötzlich zum Gesprächsthema mache. Das kann passieren über Monate oder vielleicht möchte er einen Ratschlag haben und einen Tipp und frag mich und offenbart mir das. Aber nur weil etwas offensichtlich ist, brauche ich nicht sofort darauf eingehen, weil dann reduziere ich ja wieder den Menschen auf das. Also das ist ja so ein bisschen, ich verstehe den Aspekt von hier. Aber richtig gesagt.
Daniel:Wie oft ist es so, dass Leute jetzt jetzt, wie gesagt, mehr hören zu? Wie oft merkst du, dass Leute im Gespräch immer wieder hinschauen? Immer wieder hinschauen, bist du alter. Hier oben sind die anderen.
SPEAKER_01:Je weniger ich anhabe, desto öfter passiert. Weil natürlich, also es gibt einen Tripper gerade. Ja genau, jetzt habe ich eine coole Angletzung. Es schaut natürlich, ich sage mal, cool aus. Ich hatte immer das Gefühl, meine Narbe schaut aus wie ein Haifisch. Also dass er so ein Heider irgendwie so von oben von unten irgendwas auffrisst. Das ist ein cooles Foto von dir, das spannend. Wo wirklich die Behinderung im Fokus ist. Natürlich zieht das Blicke auf sich. Und wie gesagt, ich kann das, ich kann zulassen, dass mich das irgendwie fertig macht oder ich kann das zu was Positivem nutzen. Man kann damit auch bewusst provozieren, sage ich jetzt einmal, ja, und Gespräche damit öffnen. Aber ich merke natürlich, dass den Menschen auffällt, ja. Und wenn ich merke, dass es irgendwie ungut wird, dann spreche ich es auch an, dann ist er mal aus der Welt, ja. Und dann geht es halt um den Andi mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Qualitäten und auch mit seinen Nicht-Qualitäten, ja. Um den Menschen.
Daniel:Um nur mal kurz auf die Grundfrage zurückzukommen, weil ich finde das schon interessant, ist, wenn wir über das Thema Inklusion sprechen und Normalität, was ist für dich der beste Zugang oder Umgang für Personen, die auf Menschen mit Behinderung treffen und einfach diese Frage stellen, wie macht man das am besten? Wann, wie, wo?
SPEAKER_01:Einfach keinen Unterschied machen.
Daniel:Das meine ich nicht, aber wann spricht man es an? Weil du hast gesagt, nicht gleich am Anfang. Okay, verstanden.
SPEAKER_01:Es kann auch sein, dass es gleich am Anfang wichtig und gut ist, ja, wenn, keine Ahnung, es davon abhängt, ob der Kollege jetzt den Notausgang benutzen kann. Im Fall eines Notfalls ist es wichtig, dass man es anspricht. Wie gehen wir damit um? Also ist situativ, ist auch intuitiv. Und wenn ich aber einen Zugang habe, dass ich den Menschen sehe und nicht mich von der Behinderung blockieren lasse, dann finde ich auch den richtigen Moment. Also es ist wahrscheinlich schwierig, da eine allgemeine Rezeptur zu haben, aber es ist so, wie du das mit einem Menschen ohne Behinderung machen würdest. Und normaler und ohne Unterschiedzugang ist dem Menschen etwas zu trauen andrechnen, and nicht when ich auf ihn blick and say, oh, that can sicher nicht das machen.
Daniel:That heißt, um es so ein bisschen analytisch zu betrachten, man kann die Frage stellen in dem Moment, where man es okay finden würde, generell eine private Frage zu stellen.
SPEAKER_01:It's in dem Sinne a private Frage. Oder in dem Moment, wo ich mich wohlfühlen würde, wenn man mich was fragen würde, was jetzt vielleicht nicht so angenehm ist oder nicht so toll ist, wenn ich das Gefühl habe, wenn der mich jetzt fragt, eben wie es mit, keine Ahnung, und kriegst du noch einmal hoch, sowas meinst du? Oder genau, oder mit meinen Magenbeschwerden geht, ob ich jetzt da noch Plähungen habe oder nicht, wenn ich das Gefühl habe, dann kann man das ruhig ansprechen. Außer es ist, wie gesagt, für die Situation gerade relevant oder Thema. Wir hatten das große Beispiel, dass ein gewisser Herr Gottschalk vor einer seiner vielen Comeback-Shows einen jungen Menschen mit Behinderung aus Österreich interviewt hat. Und in seinem Interview, genau da war es, da habe ich einen Shitstorm eingefangen von der freiheitsliebenden Bubble aus Deutschland, weil man ja nichts mehr sagen darf. Hab ich natürlich als Betroffener gesagt, hey, er hat dem jungen Menschen das Mikro hingehalten und gesagt, du bist aber ein aufgeweckter kleiner Kerl, obwohl du im Rollstuhl sitzt. Das ist natürlich automatisch impliziert, du sitzt im Rollstuhl und nicht sein und aufgeweckt sein und nett sein, weil du sitzt im Rollstuhl. Er hat gar nicht gesagt, obwohl du im Rollstuhl sitzt, sondern obwohl du an den Rollstuhl gefesselt bist. Das Ding heilt dich. Und ich habe dann geschrieben, Rollstuhl ist ein Mobilitätshilfsmittel von A nach B zu kommen, and niemand is an den Rollstuhl gefesselt, sondern es ist eine Unterstützung, es ist eine Möglichkeit. Daraufhin bin ich angeschlossen worden. Aber das Prinzip is eben natürlich, der war da in der Sendung, it ging auch um wie er mit seiner Behinderung this toll. But sofort war die Behinderung gewertet, sofort war die Zumutung, that eigentlich gar nichts canglück sein sollte. And that is halt das Bild von Behinderung. That we lose it. I must have the Menschen so too, which I have jeden Menschen zu gehen. Ich traue jeden Menschen alles to. And when ich dann merke, ich kann es nicht, dann kann das halt nicht. Und dann kann ich schauen, warum kann das denn eigentlich nicht? Aber wenn ich von Hause aus davon ausgehe, dass Menschen mit Behinderung nicht leisten können, nicht produktiv sein können, nicht dabei sein können, dann was passieren. Ich will mir eine Gesellschaft bauen, die strukturell all mit Behinderung ausschließt, weil die können ja eh nichts. Und das passiert derzeit. Und das müssen wir aufbrechen, das müssen wir auflösen. And deswegen haben wir so wenig Berührungspunkte am Arbeitsmarkt mit Menschen mit Behinderung.
Daniel:Du sagst, das passiert derzeit. Gib uns Kontext.
SPEAKER_01:Gesellschaftlich. Menschen mit Behinderung sind viel weniger in Beschäftigung als Menschen ohne Behinderung. Hast du eine Zahl? Die letzten Zahlen, die gekommen sind, waren, dass nur 17% Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung haben. Und wir haben 20% Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. Das sind eineinhalb Millionen Menschen, die eine Behinderung haben und davon sind nur 17% in Beschäftigung. Und das sind aber Menschen, die Fähigkeiten haben, die Talente haben. Und ich bin Gott sei Dank in der Lage, dass ich mich noch nirgendwo bewerben musste. Aber mittlerweile lege ich meine Hand ins Feuer und ich habe nur eine, das heißt was. Ich wäre, glaube ich, für jedes Unternehmen ein Gewinn. Weil ich bringe Power mit, ich bringe Motivation mit, Vision mit und Lösungsorientiertheit. Wenn man sein ganzes Leben lang über Barierung springen muss, dann ist es doch vollkommen wurscht, dass wir gerade irgendwie Budget-Knappheit haben. Dann finden wir eine Lösung. Oder dass der Mitbewerb in einem Plötzchen macht, ist vollkommen egal. Wir finden eine Lösung, wir schaffen das.
Daniel:Das sind aber schockierende Zahlen. Also 17% ist im Prinzip, die die Glück gehabt haben, dass es halt irgendwie irgendwo was war.
SPEAKER_01:Oder eine Behinderung haben wie ich, wo man sagt, ja, eh, ist doch hier wurscht. Also ich falle in diese Zahl hinein.
Daniel:Entschuldigung, das heißt aber, wenn man es wahrscheinlich auf Behinderungen runterbrechen würde, gibt es bestimmte Behinderungen, wo wahrscheinlich dann hundertprozentigs haben oder 95%.
SPEAKER_01:Genau, also wahrscheinlich viele Menschen mit Lernschwierigkeit, die prinzipiell von der Gesellschaft ausgeschlossen sind oder vom ersten Arbeitsmarkt, weil es gibt natürlich dann Projekte und sowas, auf dem ersten Arbeitsmarkt. Und warum ist der erste Arbeitsmarkt wichtig? Weil dort ist man sozialversichert und pensionsversichert. Und in den ganzen Tagesstätten und Therapiestädten bekommt man zwar ein Taschengeld, aber man ist nicht versichert. Das heißt, man kann nicht in die Pension gehen. Das heißt, du bist davon abhängig, dass du jeden Tag in dieser Werkstätte stehst und das ist unmenschlich. Wenn wir alle das Recht haben, irgendwann einmal in Pension zu gehen. Und ich weiß, das Pensionssystem wird reformiert und vielleicht gibt es gar keine Pension mehr für mich und was auch immer, ja, an Cafe. But we schließen grundsätzlich Menschen from this system aus, weil wir ihnen grundsätzlich nicht so tragen, dass sie leistungsbereit sind. Natürlich gibt es Nuancen, aber ich glaube trotzdem, dass es Fähigkeiten gibt, die man einsetzen kann. Es gibt super Projekte, which Lernschwierigkeiten, the thing that they can, that they großartig, and a fachkraft here, or another Mitarbeiter, and a colleague frei spielen, that nicht mehr das machen muss, weil dieser Mensch großartig macht. Und das wird dann fair bezahlt und das hat einen Effekt. Und das löst wieder die Ressourcen und die Problematik und hilft, dass wir die Ressourcen sinnvoll und gut einsetzen. Aber auch das ist wieder: Ich muss die Vision haben, die Bereitschaft haben, ein Ding so holistisch zu denken, dass ich hier effektiv arbeite und damit das Potenzial abgreife.
Markus:Ist das, glaubst du, etwas, wo von politischer Seite auch mehr Anreize, andere Gesetze kommen müssen? Und falls ja, wenn du jetzt Bundeskanzler oder Minister wärst, was würdest du.
SPEAKER_01:Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Aber ja, ich bin davon überzeugt, dass die Rahmenbedingungen, die werden von der Politik vorgegeben. Die Rahmenbedingungen werden derzeit so geschaffen, wie unsere gesellschaftliche Wahrnehmung ist. Das heißt, wir müssen das Thema von verschiedenen Blickwinkeln spielen. Wir müssen dafür sorgen, dass Behinderung als eine Eigenschaft gesehen wird, die aber nicht als Einschränkung gesehen wird. Wir müssen also einmal gedanklich diese Parierung aus dem Weg schaffen. Das funktioniert über die Medien, über Sichtbarkeit, über den Sport großartig. Weil wenn mich jemand im Pool sieht und sieht, wie schnell ich schwimme, dann wird er nie wieder denken, dass Einnahmige nichts können. Sondern es wird automatisch mit dem Thema Leistung verbunden oder beim Moderieren und bei den Nachrichten. Das heißt, wir müssen das von der Richtung spielen. Und dann müssen wir das von der Richtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen spielen. Wir müssen hier Anreize schaffen, dass Beschäftigung unterstützt, klingt jetzt, also soll nicht subventioniert werden, aber dass Beschäftigung angestoßen wird, dass man vor allem die vielen Ausreden, die oft verwendet werden, von der Wirtschaft auch, ah, das ist so mühsam, das ist schwierig, das kostet Geld, dass man diese Ausreden aus dem Weg schafft, eben über diese Anreize. Und dann müssen wir auf die Problematik aufmerksam machen, dass wir ein riesiges Problem haben werden mit Fachkräften, dass wir in einige Pensionierungswellen, die Babyboomer-Generation geht in Pension, und es werden Menschen am Arbeitsmarkt fehlen, die wir nur durch schwierigen Themen, Migration und Inklusion lösen können. Das muss natürlich mit Kopf gemacht werden, das muss natürlich sinnvoll gemacht werden. Aber das ist ein Hebel und eine Lösung, damit wir Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt bekommen. Wir haben jetzt schon viele Branchen, die es nicht schaffen, genug Menschen anzustellen. Ob jetzt wegen Arbeitsunwidligkeit oder wegen Schwierigkeit gut ausgebildete Menschen zu bekommen. Wenn man hier das Potenzial von Menschen mit Behinderung nutzt und auch erkennt und auch spezifisch ausbildet in dem Bereich, dann hat man Menschen, die bereit sind, alles zu geben für das Unternehmen und bereit sind, sich mit allem, was sie haben oder nicht haben, in den Kampf zu werfen, in den Ring zu werfen, damit alle was davon haben.
Daniel:Ich glaube, wir denken beide das gleiche, oder? Also das ist erstmal das Mikrofon. Ich bin jetzt so in Gedanken, dass ich. Es passiert mir auch sehr selten, dass ich mal auch mein Mikrofon vergesse. Also das ist so faszinierend, mit dir darüber zu plaudern. Und so faszinierend, wie unfassbar früh wir da noch sind. Weil ich habe immer das Gefühl, man denkt bei so vielen Themen, oh, das ist da so fortgeschritten. Nee, wir sind echt noch an den Kinderschuhen und wir sind teilweise sehr, sehr, sehr primitiv, noch in vielen Arten, wie wir Dinge sehen.
SPEAKER_01:Und oftmals, weil wir so früh sind, sind es auch kleine Dinge. Deswegen, an diesen kleinen Dingen möchte ich arbeiten. Um ein großes System zu verändern, müssen wir Schritt für Schritt machen. Unternehmen sagen wir dann, ich finde keine Bewerberinnen und Bewerber mit Behinderung. Und ich sage dann, okay, sind deine PDFs maschinenlesbar für Menschen mit einer Sehbehinderung? Deine Ausschreibungsunterlagen. Nein. Nein, natürlich. Aber dadurch schließt du strukturell schon einmal alle aus, die auf diese Maschinenlesbarkeit angewiesen sind. Das ist oftmals nur ein Hackerl im Programm und dann spielst du das maschinenlesbar aus. Und schon können sich Menschen mit Sehbehinderung bewerben, weil sie die Dinge lesen können. So einfach, so kleine Hebel und so große Wirkung. Weil Menschen in Beschäftigung haben Selbstwert, haben ein selbstbestimmtes Einkommen und haben genauso Teil an unserer Wirtschaft, sind super Konsumentinnen und Konsumenten.
Daniel:Ja, und natürlich auch, dass man starke Botschaft hat. Ich finde das so spektakulär, dass du im ORF moderierst. Und zwar, wie soll ich sagen, eine so sichtbare Sendung, in der du so sichtbar bist, dass irgendwann, wahrscheinlich bei der ersten, zweiten, dritten Sendung, haben Leute hingesehen und jetzt nehmen sie dich eben nicht nur als den Einarmigen wahr, sondern als den Moderator. Und wie es hier eigentlich sein sollte. Ich finde, für mich, wenn ich über Normalisierung nachdenke, muss ich immer an Farbfernsehen denken. So, warum? Weil irgendwann haben wir es Farbfernsehen genannt und irgendwann haben wir aufgehört, das Farbfernsehen zu nennen. Und das finde ich immer so das Spannende, wenn es nicht mehr Farbfernsehen genannt wird, dann ist es normalisiert, weil natürlich ist es in Farbe. Und ich glaube, das ist das Interessante, dass du für viele nicht Andi O'Nea der Paraschwimmer bist, sondern Andreas O'Nea, der Moderator. Und das finde ich ziemlich geil. Und das ist, glaube ich, die Art und Weise, wie man es weiterbringt. Das ist schon spektakulär. Ich glaube, wir könnten auch noch wahnsinnig lange weiterreden. Ich sehe jetzt immer bei einer Stunde dreiundvierzig. Das ist ziemlich rekordverdächtig, obwohl ich noch eine Menge Themen hätte. Vielleicht machen wir mal einen Teil 2. Aber würde ich jetzt einfach an der Stelle sagen, das hat richtig Spaß gemacht. Und das wäre richtig fein.
Markus:Möchtest du noch irgendwas hinzufügen? Wir könnten schon noch Mondschutz und Predictions machen.
SPEAKER_01:Es ist genau die Länge eines Schwimmtrainings für so einen Schwimmer. Viel Spaß mit den 5 Kilometern.
Daniel:Ja, ich meine, machen wir das noch ganz schnell. Und dann sollten wir den Sack nicht machen.
Markus:Ja, go. Also traditionell ein Future Weekly Podcast endet mit der Bitte, dass du einen Moonshot aufstellst. Frei nach JFK, der damals gesagt hat, in der nächsten Dekade fliegen wir auf den Mond oder bringen wir Menschen auf den Mond. Also große Vision darf wirklich groß geträumt sein und dadurch, dass du es aussprichst, wird es ein bisschen realer. Und eine Prediction, eine Vorhersage, von der du jedenfalls phasenfest überzeugt bist.
SPEAKER_01:Wenn Moonshot ist, ich glaube, dass wir Technologie unterstützt und technologiebasiert alle Hürden und alle Ausreden aus dem Weg schaffen werden, um Beschäftigung für Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft zu erreichen. Konkret, weil du vorher gefragt hast, ich glaube, dass man auch in Software unterstützen, Software G stützt, DJ-Abteilungen unterstützen kann. So ein bisschen, was mir so im Kopf heruf wird, irgendwann melde ich mich für euch einfach mal ein SAS-Ding auf. Ich glaube, dass das geht, das ist mein Mutsch, das ist das, was mich in der Wirtschaft antreibt, um das auch zu zeigen und zu beweisen und am Lebending-Experiment herzuzeigen. Und Prediction. Prediction müssen ja immer ganz konkret sein. Es müssen nicht mehr eintreten, aber zumindest der Hergang muss klar sein. Ich glaube, dass jetzt diese ganze Gegenbewegung, die in den USA gestartet wird, alles, was irgendwie, wo Inklusion Thema drauf hat, ich glaube, dass das viel Schaden anrichten wird. Und dass wir in ein, zwei Jahren drauf kommen werden, dass wir damit viele Menschen ausgeschlossen haben, die eigentlich Bestandteil unserer Gesellschaft sein sollten, die eigentlich Bestandteil des Arbeitsmarktes sein sollten, aber jetzt wieder keine Chancen bekommen, obwohl sie ihnen zustehen werden. Und machen wir es positiv, ich glaube, dass das wieder ein bisschen eine Band- und Gegenbewegung auslösen wird, dass man klar sagen wird, okay, da haben wir vielleicht übertrieben. Hier haben wir überhaupt nicht übertrieben. Hier müssen wir wirklich schauen, dass alle Menschen die gleichen Chancen bekommen für eine faire Gesellschaft. Und das gehört zu einer Demokratie dazu.
Markus:Dankeschön.
Daniel:Vielen Dank. Es war uns eine Freude. Mir auch danke, Andreas und ja. Dankeschön.