Future Weekly
Die zwei Startup Veteranen Daniel Cronin und Markus Raunig sprechen mit jeder Menge Humor über Technologie, Unternehmertum und die Zukunft. Jeden Donnerstag analysieren sie die interessantesten News der Woche und küren Rockstars, die die Welt von morgen prägen. Jeden Sonntag begrüßen sie im Deep Dive visionäre Gäste für einen Blick hinter die Kulissen aktueller Trends und formulieren gemeinsam Moonshots & Predictions. Ein Podcast der verschiedene Welten verknüpft und mit mutigen Thesen inspiriert.
Future Weekly
#488 - Nadina Ruedl über veganen Leberkäse, österreichisches Brauchtum & Systemwandel
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Was passiert, wenn man österreichische Esskultur neu denkt, ohne sie zu ersetzen? In diesem Deep Dive spricht Markus mit Nadina Ruedl, Gründerin der Pflanzerei, über pflanzlichen Leberkäse, Gansl & Co. Nadina erzählt von ihrem Weg aus einer Arbeiter:innenfamilie ins Unternehmertum, von Bootstrapping ohne Förderungen und der bewussten Absage bei 2 Minuten 2 Millionen. Statt bestehende Strukturen zu verdrängen, setzt sie auf Zusammenarbeit mit Metzgern, regionale Zutaten und Respekt vor österreichischem Brauchtum, mit der Vision, Österreich international für pflanzliche Fleisch- und Wurstprodukte bekannt zu machen.
*Nadina hat uns gebeten, folgendes richtig zu stellen: Sie hat im Podcast die Zeitung verwechselt, für die sie einst Anzeigen verkauft hat. Es war nicht die Tagespresse, sondern die Tageszeitung Österreich.
Production: Hanna Moser
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag, guten Abend, willkommen bei Future Weekly. Heute mit mir Markus und weil DeepDive Tag ist mit einem großartigen Gast und das ist heute die Nadina Rügl. Hallo Nadina.
Nadina RüdlHallo, servus Markus, vielen lieben Dank für die Einladung.
MarkusWir freuen uns sehr, dass du vorbeischaust. Und LinkedIn verrät uns, du bist Gründerin und Geschäftsführerin der Pflanzerei. Jetzt erzähl einmal, gib uns ein bisschen Kernfakten, was macht die Pflanzerei? Falls du irgendwelche Zahlen, Daten, Fakten hast, die du mit uns teilen kannst, schieß einmal los.
Nadina RüdlAlso die Pflanzerei macht pflanzliche Fleisch- und Wurstprodukte, die Klassiker der österreichischen Küche. Das heißt, von Anfang an schon in der Nische positioniert, nämlich was ein Leberkäse, ein Schnitzel, ein Käsekreiner, Rippel, was ist momentan das Top-Produkt das Ganze. Das heißt, alles, was man in Österreich gern isst, was Herr und Frau Österreicher gern essen, das gibt es jetzt als weitere Variante in Pflanzlich. Und ich sage einmal, der wirkliche für mich treibende Faktor ist auch, dass es produziert wird gemeinsam mit Metzgern, das heißt, mit einem bestehenden Handwerkssystem, das da ist, nämlich Handwerkbetriebe in Österreich. Und wir versuchen möglichst viele Landwirte, das heißt österreichische Zutaten, das heißt Rode Ruhr, Zwiefig, Kafi, für Dinge, die man kennt und was keine Anonymität hat, zu verwenden in unseren Schmankerlen, die wir machen. Das heißt, das System Umstellung gemeinsam mit Systemplayern, die aktuell da sind.
MarkusCool. Ich kann mich erinnern, du bist damals das erste Mal aufgeschlagen mit dem veganen Leberkäse. Und das ist jetzt ein Thema, was viele Menschen auch, sag ich mal, emotional bewegt. Ich bin mir sicher, nicht alle Leute finden das super. Und du sagst aber jetzt gleichzeitig, du machst das gemeinsam mit dem System. Wie schaut das dann in der Realität aus? Wie waren deine ersten Kontakte mit Metzgern zum Beispiel? War das sofort eine coole Idee oder musstest du da schon eine Überzeugungsarbeit leisten?
Nadina RüdlAlso es war, ich glaube für die Metzgerbranche nicht Liebe auf den ersten Blick. Ich kann mich nur erinnern, ich bin relativ, ich meine, relativ, sagen wir mal, total naiv in diese Situation eingegangen, nämlich ich selber habe meine Ernährung umgestellt. Und in dieser Umstellung bin ich drauf gekommen, es geht nicht ohne diese wirkliche Jausen und ich sage mal, Snackkultur, die wir in Österreich haben. Und da ist natürlich der Leberkirst das wichtigste Nahrungsmittel für mich gewesen. Und wenn ich einen Vortrag heute verwende ich immer die Zwei 112. Es waren nämlich 112 Metzger, die ich damals angeschrieben habe, ob sie Interesse haben, in Österreich zu produzieren. Und dann frage ich immer, wie viele sie glauben, dass sie gemeldet haben. Das frage ich die jetzt auch. Was glaubt ihr, wie viel haben sie gemordet?
MarkusIch sage zwei.
Nadina RüdlAh, da bist du Optimist. Null. Quark keiner. Trotzdem hat es keiner gemeldet. Also nicht einmal, dass ich jetzt nur sage, das war per E-Mail, sondern es war dann auch telefonisch, wo ich mittelhöflich eine Absage gekriegt habe. Also es war wirklich so, dass niemand mit mir arbeiten wollte. Und was ich gern tue, ist, ich schreibe gern. Und ich habe dann die Chance gekriegt, im Fleisch Co., das ist das Fleischer-Magazin Österreichs, nur eine Kolumne zu schreiben. Und in dieser monatlichen Kolumne habe ich dann immer wieder geschrieben, warum es so wichtig ist. Was meine Erlebnisse jedes Mal, wenn es Grillen geben hat. Und mein Onkel und er hast wirklich Franz zum Diskutieren angefangen hat, warum muss dein Wirstel so ausschauen wie meins. Und ich habe ihm jedes Mal wieder versucht zu erklären, du, das ist praktisch. Und ein Wirstel hat die Form, weil es ja eigentlich in so einem Bann drinnen ist und du hast dann halt in Salzburg als Bosner ist beispielsweise. Das hat ja einen Grund auch. Lieberkäse einmal, das ist fürs selber gemacht, der Leberkese. Das heißt, es ist sehr praktisch und nur Anwendung genau gleich. Und diese Dinge oder Weihnachten, wenn Thom zu Metzger gegangen ist und der Metzger hat natürlich für mich nichts gehabt. Jetzt hat jeder das Gute, die Gurte, Oma macht immer Kopfboden und es hat halt für mich nichts gegeben. Und jetzt hat die Oma dann für mich so einen billigen Tofu kaufen müssen im Supermarkt. Und das war für sie ganz so schlimm und auch das habe ich erzählt. Also ich habe einfach diese Erlebnisse erzählt und wie wichtig das war, dass wir gemeinsam was machen. Und das habe ich gemacht ein Jahr lang. Nach diesem Jahr haben sie der erste Metzger bei mir gemeldet. Der mich dann wahrscheinlich als weniger schlimm wargen hat.
MarkusMit all diesem persönlichen Stoff.
Nadina RüdlDamit sie dacht haben, ja das war's, das war der Josef. Und der Josef hat es im Familienverbund entschieden, dass sie mit mir gemeinsam arbeiten. Das war mein erster Metzger mit 21 Mitarbeitern in Niederösterreich. Und mit dem habe ich dann wirklich angefangen, ein Gustel zu entweder. Sage ich mal, es gibt ja immer eine Grundrezeptur, die meinen Wünschen entspricht. Aber ich habe am Anfang 50% zum Beispiel rote Rübe drin gehabt. Und der Gustel war genau rosa. Und was du dann fängst, an, dass du herume experimentierst, wie viel Kaffee, wie viel Zwiefe. Und diese Herumversucherei machst du halt mit der Metzger, auch weil er einen gewissen Maschinenpark natürlich hat und auf den abgestimmt. Und das war aber so dieses Jahr, was ich braucht habe, so ehrlich muss man sein, bis der erste Metzger halt wirklich auf nie zurückkommen ist und gesagt hat, hey, mit der möchte ich.
MarkusCool. Du lass uns, bevor wir jetzt tiefer dann auch in das, was folgt, eintauchen, lass uns einen Schritt zurückgehen. Du hast es schon gesagt, du schreibst auch gern. Wenn du zurückblickst auf die kleine Nadina, die vielleicht weiß nicht, in die Volksschule gegangen ist. Gab es da auch schon eine Leidenschaft für das Unternehmerische, gab es da Leidenschaft für Fleisch oder Fleischalternativen? Gab es eine Leidenschaft fürs Schreiben? Wie hat sich eigentlich der Unternehmergeist auch bei dir entwickelt?
Nadina RüdlAlso ich selber komme aus einer Arbeiterfamilie, kann ich gleich einmal, muss ich vorweg gleich mal sagen. Also mir ist das nicht in die Wiege gelegt worden, beziehungsweise mit der Muttermilch oder in Gesprächen am Mittagstisch so unterbewusst in meiner Kindheit präsentiert worden, wie es ist, Unternehmerin oder Unternehmer zu sein. Sondern für mich war das ein Riesenschritt und ich weiß noch, das war ein Riesentränensspektakel an Weihnachten für meine Mama. Wie ich gesagt habe, ich kündige, also erste Sache war ich wie vegan, schon Katastrophen, weil es Angst gehabt hat, sie sieht mich nicht wieder wahrscheinlich. Dann, dass ich kündig, das legt der nächste Schock und darauf hin, dass ich mich selbstständig mache mit einem veganen Foodstartu. Also das waren Jahre, ich sage, das Weihnachten ist jedes Mal wieder so gewesen, dass meine Eltern schon vorsichtig waren, wenn ich wieder gekommen bin. Und das war also nicht die große Euphorie. Also wie gesagt, ich kenne das aus der Kindheit nicht. Meine Eltern sind brave, haben immer viel gearbeitet bei uns, ist gespart worden, ist ein Haus gebaut worden. Der Papa ist arbeitet, Mama war bis 16 daheim. Das heißt, ich kenne das so. Also ich kenne dieses Rollenmodell. Und würdest jetzt meine Mama fragen, dann würde die wahrscheinlich sagen, du hast nie ins System passt. Du wolltest immer schon selber deine Sachen machen, du hast nie akzeptiert, wann ein Nado war. Du hast immer schon diesen Hang gehabt, halt einfach deinen eigenen Weg zu gehen. Und ich glaube, ich kann dir das jetzt nicht sagen, ich habe mich in einem angestellten Verhältnis nie wohl gefühlt. Ich weiß nicht, dass mir früher ein Chef, mit dem ich mich zufällig vor ein paar Monaten austauscht habe, zu mir dann irgendwann einmal gesagt hat, Nadin, du hast mich immer gestresst. Du hast mich immer gestresst. Und dann habe ich mir gedacht, ja, weil nichts weitergeht. Und weil wir mehr machen konnten und das und das und das. Und ich wollte immer halt etwas sagen, ich wollte immer was machen. Wir sind immer um das gegangen, packen wir an, da machen wir. Und natürlich einem angestellten Verhältnis tue ich das Tag für Tag. Also ich glaube, diese Begeisterung, diese Leidenschaft, dieses Server-Sachen machen, die mich immer schon gehabt.
MarkusAber dafür muss man dann schon sagen, weil oft sind das ja dann auch Menschen, die überhaupt im Bildungssystem nicht reinpassen. Du hast dann aber schon auch wirklich Bachelor, Master studiert, oder?
Nadina RüdlGenau, ich habe aber berufsbegleitend, also bei mir ist kein Druck in der Familie gewesen, dass ich studiere, ganz und gar nicht. Ich war so, dass meine Mama mir, dass wir beim Radlmechaniker waren und meine Mama der Meinung war, ich sollte mir doch überlegen, ob ich Radlmechanikerin werden sollte, statt der Madura. Also es war überhaupt kein Druck da. Also bei mir komplett egal gewesen, was auch immer ich machen hätte wollen. Also es war nicht. Und ich habe gesagt, nein, ich will studieren und ich will meinen Bachelor machen, ich will meinen Master machen, habe beides aber, also ich habe meinen Bachelor, mein Madura schon berufsbegleitend gemacht, habe dann mein Bachelorberufsbegleitend gemacht und mein Master auch. Das heißt, ich habe immer schon daneben gearbeitet. Und ich glaube, das war das, was ich familiär auch mitgeregt habe. Mein Papa hat zu mir irgendwann einmal gesagt, Nadina, es wäre das Allerschlimmste, wenn du immer jemand wirst, so ein typischer Akademiker, der keine Ahnung hat von dem, was er sagt. Und das hat sich wahrscheinlich so eingebracht. Für mich war es klar, weil studieren und 40 Stunden arbeiten. Und ich habe damals in Dornbirn meinen Master gemacht, weil ich ursprünglich in Zürich meine Dissertation machen wollte. Also ich habe diesen Weg für mich eigentlich bis zur Spitze treiben wollen. Habe auch bis 2023 an der WU an meiner Dissertation dran geschrieben. Irgendwann, und das ist der einzige Wermutstropfen, wo die Pflanzerei jetzt in Anfünfzeiten drüber gefahren ist, waren die vier Stunden Schlaf heilig. Und ich habe es einfach nicht mehr geschafft, so unterschiedliche Disziplinen zu machen. Aber ja, ich bin klassisch, genau, ich habe einen Bachelor gemacht, habe einen Master gemacht, beides an der FH und habe nebenbei halt Berufserfahrung gesammelt.
MarkusUnd diese Berufserfahrung war, soweit ich das jetzt rausgelesen habe, Marketing, Kommunikation, PR, oder?
Nadina RüdlGanz stark vertrieben eigentlich, ursprünglich aus. Also mein Matura habe ich mir durch Kaltaquise in einem Callcenter vertrieben. Also war die österreichische Tagespresse, was eine Riesen-Challenge war, weil wer wollte die? Und also sorry, falls du jetzt.
MarkusDu hast für die Tagespresse Anzeigen verkauft.
Nadina RüdlDas war eigentlich gehabt, wirklich. Das war quasi die Österreicher. Also es war ein Wahnsinn, also die Österreicher waren Wahnsinn. Du hast 3 Euro kriegt für einen Abschluss, aber ich weiß nicht, da habe ich gelernt, wie hebst du ab am Telefon, wie stellst du dich vor, in welcher Geschwindigkeit, in welcher Tonalität oder heute profitiere ich noch immer davon, dass ich das habe lernen dürfen.
MarkusJa, also so richtig Sales-Vertrieb, das ist etwas, was glaube ich auch für jeden Gründer, jede Gründerin eine gute Schule ist. Und den Tagespressegründer hatten wir auch schon mal im Podcast. Also fand ich stark, dass du da hart kämpfen musstest, dass du da auch Anzeigen verkaufst. Okay, aber das heißt, klar, da die Erfahrung gesammelt, die dir natürlich jetzt hilft, viel Marketingvertrieb. Erzähl mir, was war dann der ausschlaggebende Punkt, als du gesagt hast, jetzt ist genug Anstellungsverhältnis und jetzt fangst du ein bisschen mal an zu experimentieren in die Richtung, wie könnte vegane Wurst, veganer Lebergess, ob das nicht auch ein Unternehmen werden kann.
Nadina RüdlIch habe damals für gemeinnützigen Vereine gearbeitet für Landschaft Leben. Da ist schon um regionale Lebensmittelproduktion gegangen, aber auch um das Thema, wie wird in Österreich auf der einen Seite Fleisch produziert, wie werden die Tiere gehalten, wie werden es gefüttert. Genau, also einmal die gesamte Transparenz, was unsere Lebensmittel betrifft. Und für mich, und es ist sehr, sehr stark, immer wieder um Milch gegangen, um Käse gegangen, um Dinge, die ich als vegan, lebender Mensch, ja alles nicht gehabt habe. Und in diesem Tun bin ich immer mehr drauf gekommen, wenn ich den gleichen Anspruch an meine Lebensmittel stehe, nämlich ich möchte wissen, wie es anbaut wird, ich möchte wissen, wie es verarbeitet wird, ich möchte wissen, wie es auch zubereitet, und das ist eine ganz schwierige Sache bei veganen Produkten vor fünf Jahren, dann braucht das einen Platz in Österreich. Und die klassische Lebensmittelproduktion wird es nicht abdecken. Oder die klassische Lebensmittelkommunikation wird es nicht abdecken. Und ich weiß noch, dass ich gegen Ende der Anstellung, die ich dort gehabt habe, einfach gesehen habe, ich möchte selber was machen. Und mein Gedanke hat dort keinen Platz. Und dann habe ich beschlossen, gut, und damals war es noch nicht einmal eine Idee Richtung Produkt, damals war es eine Idee Richtung Verein. Die Ursprungsidee war Verein für regionale, pflanzliche Fleisch- und Wurstprodukte als Teil der österreichischen Esskultur. Die Idee war da. Aber damals als Verein, jetzt bin ich da rausgegangen und habe einmal ein 17-seitiges Konzept geschrieben, wie ich mir vorschläge, dass vegane Fleisch- und Wurstprodukte Seis holen. Da ist natürlich Biodrink gestanden, kurze Transportwege, da ist dringend gestanden, du kennst jeden Produkt. Also ganz eine naive Sache. Und dieses Konzept, das ich da geschrieben habe, gleichzeitig war damals vom Klima- und Energiefonds, hat es das Greenstar-Projekt gegeben und du hast nachhaltige Ideen eingereicht. Und da habe ich aber nicht den Verein eingereicht, sondern ein veganes Metzgereikonzept auf Basis dieses in Anführungszeichen Manifests, da habe ich glaubt, die möchten so eine Metzgerei machen. Genau, das war dann wirklich ein stationärer Metzger, das habe ich eingereicht. Und bin dann zu den zehn nachhaltigsten Business-Ideen zu dem gehört worden. Und in diesem Gründerprogramm oder in diesem Programm darin hat sich dann eigentlich der Gustl rausentwickelt. Nämlich den Fokus auf nicht mehr dieses Geschäft und dieses viele Sortiment, sondern auf ein Produkt, das, und du hast selber gesagt, der Leberkäse ist die Jausen, die in Österreich am öftesten verkauft wird. Da geht nichts drüber. Also ich habe gewusst, wenn ich was ändern will, da muss ich das nehmen, was jedem weh tut. Und Weihnachten erzähle ich mitunter das mein Papa. Und mein Papa wird auf einmal bloß. Und ich denke mir, okay. Und sagt er, kannst du nicht einfach Fleischpettis machen, weil immer vor, weil du entweist ja gerade das ganze österreichische Essen. Was denken denn alle anderen über das? Ich bin am Dorf aufgewachsen, wie soll der denn das am Stammtisch erklären, dass die Tochter jetzt einen Leberkäß macht, der vegan ist? Also dann habe ich gewusst, das tut weh. Und wenn er schon so reagiert, als jemand, der fast 70 ist, ja was macht dann jemand, der wirklich dran steht? Also so ist die Idee dann eigentlich in diesem Programm entstanden. Und genau wie ich ausgegangen bin, habe ich das Einzelunternehmen gegründet. Mit einem Gustl in dem Fall. Also war nicht jeden ans Herz legen, Green Star von mir eine großartige Schule. Genau, durch das ist es eigentlich dann geformt und gewachsen. Mein Papa wird mir für das, was ich jetzt gerade gesagt habe, wahrscheinlich sehr schimpfern immer wieder gibt, aber das Wort. Seine Reaktion. Er hat nie damit gerechnet, wahrscheinlich, dass die Reaktion dazu führt, dass es heute einen Gooskel gibt. Also von dem her. Danke.
MarkusJa, und ich glaube schon, dass halt auch das dann die Schule ist, die dabei hilft, eben auch dieses System, das Österreich, was du vorher schon angesprochen hast, dann auch überzeugen zu können. Du hast schon gesagt, es hat lang gebraucht, bis du jemanden gefunden hast, also einen Metzgerbetrieb, der das mit dir macht. Und dann bist du mit denen in der Küche oder quasi vor den Maschinen gestanden und hast gerührt. Wie kommt man zu der Rezeptur, wo man dann happy ist? Also erzähl ein bisschen, wie kostet man, wann kostet man, wie schaut das aus?
Nadina RüdlAlso ich muss wirklich sagen, ich komme nicht aus der Lebensmittelproduktion. Ich habe zuerst nicht gesagt, was ich studiert habe, ich habe klassische Betriebswirtschaft studiert. Also ich habe von allem ein bisschen Ahnung und nirgends im Detail. Das ist so meine Kompetenzbeschreibung. Und mit dem ich mich beschäftige, da halt dann Tier. Mittlerweile würde ich sagen, bin ich gut in der Lebensmittelentwicklung drinnen, auch in der Produktion, aber vor fünf Jahren war da nichts. Also es war eine kahle Wüste. Und wir sind wirklich da gestanden, sind im Supermarkt gewesen, haben Gemüse eingekauft und haben versucht, das auf einem 8-Kilo-Kutter zu mixen. Also das kannst du dir wirklich so vorstellen. Du stehst da mit einem, in Anführungszeichen, Sackel Protein, du stehst mit einem Öl da, du stehst mit einem Wasser da, du stehst mit Kilowiss Gemüse da und du mischst umeinander. Und es ist in Anführungszeichen, muss ich heute sagen, wir haben aufgehört, und das ist jetzt die wirklich frustrierendste Nachricht, ich glaube, letztes Jahr im Oktober sind wir fertig geworden. Also der Gustel hat viereinhalb Jahre Entwicklungszeit gebraucht, bis zu dem Punkt, wo ich gesagt habe, und jetzt ist es. Und ich glaube, ich hätte kein mehr reizen können damit. Jeder war fertig in meinem gesamten Team, jeder Produzent, jeder erlandt wird, das war jeder involviert, jeder hat sein Bestes da. Nur irgendwann, wir haben alles durchprobiert und alles, was das Handwerk hergibt, sagen wir so. Und also das waren über 100, weit über 100 Varianten, die wir gemacht haben, weit. Und du bist irgendwann nicht mehr bei 8 Kilo, sondern du bist irgendwann bei Kutter, da geht es mit 60 Kilo an, je nach Produzent bei 200 Kilo an. Also da bist irgendwann schon in einer Hägen, wo ein viel, wo du das wirklich auch immer wieder überlegst, jede Änderung und jede Verbesserung.
MarkusAber jetzt interessiert mich schon vier Jahre unfassbar viele Iterationen. Und dann hast du gesagt, das ist es jetzt. Was war für dich ausschlaggebend, dass das jetzt dann die tatsächlich finale Version ist?
Nadina RüdlIch weiß nicht, wir haben es verkostet, meine Mitarbeiterin, die Bubs und ich, und wir sind, ich weiß nicht, wie viel einmal in der Küche gestanden und haben den warm gemacht. Und es war witzig, wir haben beide den Gustel probiert und beide sind da gestanden und haben gesagt, that's it, ich kann das nicht sagen. Es war, du hast ihn probiert und es war reiner, es war einfach so überzeugend im Geschmack, weil wir haben halt einmal keine Künstler, wir haben kein Glutamat drinnen. Und der naive Gedanken, den ich am Anfang, auf was ich nicht gewusst habe in Österreich, dass Österreich das Glutamatland Nummer eins beim Leberkäß ist. Und was die einzige Grundsatz annahmen, war halt bei mir keine Zusatzstoffe, kein Glutamat, ganz konkret gesagt. Weil dann hast einfach die asiatischen Suppe und du hast eigentlich nicht einen etablierten Neigengeschmack. Also nichts etabliert, sondern du wirst ja was Neues schaffen. Das heißt, es braucht ein eigenes Geschmacksprofil. Und um das ist mir gegangen, dieses Geschmacksprofil rauszukriegen. Aber wie gesagt, du trittst auch mit Glutamat und jeder kennt den Mund, wenn Glutamat drinnen ist, der geht da, jede Knospft mit dem Mund auf. Das heißt, du musst diesen Omar mit Geschmack anders einbringen. Und es ist auch immer die Diskussion, warum ist der Gustel so teuer? Der Gustel hat Kilo weiß Gewürze drinnen. Ganz einfach, damit du den Geschmack hinkriegst. Und wenn ich Glutamat verwende, tue ich ein bisschen was rein und fertig. Das ist einfach unfair, in Anführungszeichen, oder ein ganz anderer Zugang. Und der war halt von Anfang an nicht drinnen. Jetzt haben wir uns halt echt herantasten müssen. Herantasten, herantasten, herantasten. Ja, es ist halt. Aber wie gesagt, das war, du hast den Gusel im Mund gehabt und das Guss, der ist. Ich kann ja das jetzt nicht beantworten. Ich habe so viel Gusten im Mund gehabt bis zu dem Zeitpunkt, wo der ist, der ist okay. Weißt du, wie man? Du bist happy. Aber du hast immer noch so ein bisschen das, da geht noch was, da geht noch was. Und für mich ist es halt umso schwieriger, weil ich keinen tierischen Leberkäse. Das heißt, ich habe halt keine Ahnung gehabt, wie der tierische mehr schmeckt. Was auch zur Diskussion mit meinen Mäds geführt hat. Weil ich kann die Unternehmerin sein, wenn ich tierischen Produkte esse. Und dann habe ich gesagt, für mich ist das einfach eine moralische Geschichte. Ich möchte kein Tier essen, fertig, ich möchte es ja nicht im Mund haben, ich möchte es sein, aber für das habe ich auch einen Partner, der es weiß. Also, aber ja, das war es einfach. Weil lieber auf den ersten Blick halt, liebe auf den hundertsten Blick, aber da war dann klar, der ist und der bleibt es. Und jetzt sind wir mit dem Kustel im Landmann, deswegen würde ich mir behaupten, wir sind dort angekommen, wo wir unter Leberkesten halt im Landmanngesten werden. Und ich glaube einmal, dass das die größte Auszeichnung für den Anspruch an Produktqualität ist.
MarkusDas finde ich immer auch spannend, weil das ist halt schon auch dein unternehmerischer Instinkt, auch dein Geschmacksinstinkt, der dann schon auch ein Gradmesser war. Hast du das Gefühl, das war auch in dem ganzen Prozess, war das immer in Line mit dem Marktfeedback dann? Oder hast du einmal gesagt, boah, das schmeckt mir unglaublich gut, aber dann waren die Verkaufszahlen runtergegangen oder die Verkostungsergebnisse sind deutlich schlechter gewesen, als du es erwartet hast?
Nadina RüdlIch bin da immer ganz vorsichtig mit dem, weil wie kommst du zu dem Marktfeedback? Das ist immer schwierig. Vegan lebender Mensch, vegetarisch Fleischesser, unsere große Zielgruppe sind Fleischreduzierer. Wir haben einmal lernen müssen, dass diese Flexidarier halt in Gruppen einzuteilen sind und dass Menschen, die öfters wie sechsmal Fleisch essen und sie trotzdem als Flexidarier bezeichnen, sowieso nie happy sind mit dem Produkt. Das tut mir leid, das zu sagen, aber jemand, der viel Fleisch isst, der ist halt den Glutomat, der geht in die andere Richtung einfach. Und jemandem, das ist spannend, unter sechs Mal ist happy. Und dann hast die Vegetarier, das auch sind, die Veganer, das auch sind. Aber am Ende des Tages ist es dein eigener Anspruch. Also, ich easen in der Woche, da habe ich drei, vier Mal. Jetzt haben wir schon fünf Varianten, jetzt ist es nur viel leichter. Aber du hast immer eine gewisse Vorstellung und dann denkst du, da geht noch was, da geht noch was. Und du guckst den Produzenten zum Gefühl das hundertstem Mal an. Alarmschnaufer war es ja schon. Weiß ich schon, oh ja weiß, was kommt. Und es wird wieder diskutiert und es wird wieder, da wir umstellen, da müssen wir das, da wir den Anteil erhöhen, kriegen wir es nur besser. Weißt du, ich meine, das ist immer ein eigener Anspruch. Kein anderes Produkt. Kein anderes Produkt hat so viel Zeit in Anspruch genommen, wie es der Gussel war am Anfang. Da testest du alles. Du musst jeden, ich habe ja wie gesagt, ich habe ja die Zutaten nicht gekennt. Ich habe nicht gewusst, was ich eigentlich da musste, mit ich was kriegen. Ich habe nicht gewusst, wie Konsistenz, wie Struktur, wie Textur, wie funktioniert es? Das habe ich alles lernen müssen. Und deswegen wahrscheinlich ist der Gustel so ein riesen Lernfeld gewesen. Zu schauen, was passiert, wenn ich eine Variable ändere. Das darf ich meinen Produzenten gar nicht sagen, dass er da mal Lehrfeld war. Ich glaube, der wird mich bearbeitet.
MarkusAlso eigentlich deine Geschmacksinstinkte hast du durch den Gustel, durch den Leverkäse entwickelt. Ich finde das sehr spannend, was du sagst, weil das auch etwas ist, was ich lustigerweise auch im Software-Bereich zum Beispiel auch immer wieder höre, dass Leute eigentlich sich verlieren in diesem sehr starken User-Feedback-Zykl, weil einfach die Brandbreite an potenziellen Meinungen und Perspektiven so groß ist, dass es ganz schwierig ist, da eigentlich dann halt auch Erkenntnisse rauszulesen. Und das Wichtigste ist eigentlich, diesen eigenen Instinkt, den zu entwickeln. Da hilft schon auch Marktfeedback, aber fand ich sehr spannend, wie du das jetzt auf den Punkt gebracht hast. Jetzt haben wir viel über den Grustel geredet. Du machst aber auch, oder ihr macht es auch, andere Produkte. Was sind denn da sonst, ist der Leberkäst der Verkaufsschlager, also das Flagship-Produkt, oder gibt es da mittlerweile was anderes, was ihm eigentlich den Rang abgelaufen hat?
Nadina RüdlMan muss ganz sagen, unser Ziel ist, dass du wirklich das Brauchtum Österreichs verwendest. Das heißt, dem Brauchtum nach haben wir Zeiten, wo wir Weihnachten sehr stark Richtung Boden gängen, dann haben wir die Martin die ganze Zeit, im Sommer da mal Grillen, dann haben wir Ostern in Osterschinken. Wir haben unsere Zeiten, wo wir gewisse Sachen essen. Und ich merke schon ganz, ganz stark, dass wenn jetzt gerade wieder eine Zeit anfängt, dass genau das Produkt im Fokus ist. Zum Beispiel, wir haben letztes Jahr 17 Grillprodukte ausgebracht. Ich meine, wenn ich mir die 17 Grill, wenn ich mir anschaue, wir haben acht Spießsorten, im Sommer geht extrem gut der Spieß, da gehen die Rippeln gut, da gehen die Grillhändl-Haxen gut. Richtung Winter geht dann das Medienigantl gut, dann geht der Boden gut. Das ist immer die Frage, was du gerade hast, weil wir halt auch wirklich spezialisiert sind auf das Brauchtum, das wir haben. Wir sind spezialisiert auf österreichisch Essen. Deswegen, ja, der Leberkäse geht immer. Es ist so, der Leberkäse geht immer, weil im Frühjahr ist man als Essig wohl schön aufgeschnitten, natürlich haust du dann am Griller, im Herbst wird es kalt, da panierst du es. Also der geht halt immer. Der Gusel ist sicher der, der über das ganze Jahr am stabilsten ist. Wobei der Käse, der Gaudigusl, ich muss immer vorsichtig sein, da sind nicht gegen die Sprachregel. Der Gaudigusel, das heißt der mit pflanzlichem Schmelz, pflanzlicher Creme, ich nenne es einmal, sagst du, darfst du sagen, was es ist. Genau, also das heißt, die Variante mit Käse ist eigentlich die stärkste. Also das ist auch witzig, weil du merkst auch im empirischen Bereich. Also der Gustel mit Käse und jetzt der Chili-Cheese-Guster, wenn wir was Neues rausbringen, ist immer das Neueste, das, was am besten geht. Also das ist halt auch so. Und jetzt in Jänner haben wir jetzt eine spezielle Geschichte mit Tomaten und Käse gemacht. Jetzt machen wir dann Trüffel Steinpilz. Also wir machen halt auch voll viel Sachen, die einen Spaß machen. Ich sage das, wie es ist, weil wenn du mal Grundrezeptur hast, dann topst du die aus. Und auch die Kunden kommen und sagen, du hätte gerne was mit Späge, ich hätte gerne was mit Oliven, ich hätte gerne was. Ja, why not? Machen. Geht alles. Aber das Ganze. Das Ganze definitiv jetzt dem im Winter. War übrigens beim Landmann auf der Karten, so sind wir da eigentlich. Genau, die gibt die Gans und der Kustel Leberkäse, würde ich jetzt mal sagen.
MarkusJetzt haben wir ein bisschen schon über die Produktentwicklung gesprochen, gehen wir mal auf die andere Seite. Also steht jetzt ein super Produkt. Wie bist du Vertrieb angegangen? War das klar B2B, also sage ich jetzt einmal Restaurants, Lebensmittelhandel, oder war das teilweise auch B2C, also ein Direktverkauf an die Konsumenten?
Nadina RüdlAlso ich muss sagen, ich habe den Vorteil und das ist wirklich ein Vorteil, glaube ich, als Unternehmerin, ich komme aus dem Vertrieb. Das heißt, ich scheue mich nicht einfach mit einem Prototyp im Markt zu gehen. Also der Gustl am Anfang war aber genau lila. Muss man einfach mal so sagen, da haben wir mit der roten Ruhe das nicht ganz ganz hingekriegt, was nur besser war. Aber wie gesagt, wir sind mit den Prototypen ausgegangen und ich weiß, der erste Schritt waren eine eigene Online-Store, den wir gehabt haben. Und wir sind im Impact Hub im siebten Bezirk. Im Innenhof haben sie die Leute herumgetummelt. Keiner hat sie mir auskennt, weil ich weiß nicht, dann ist die Rezeptionistin, also die bei der Rezeption bei mir vorgang gesagt hat, du, der Dino, da steigen voll viele Leute und die waren alle zu euch. Und wir haben einen Kühlschrank bei uns im Lager gehabt. Der Lager war mitten in einem Raum drinnen, wo andere Leute, die andere Sachen angestellt haben, da war der Kühlschrank, der war gesteckt voll mit Leberkäsen, so wie die Sachen ausgegeben. So hat sich das am Anfang entwickelt. Dann sind wir hergegangen und haben relativ schnell die Bilderlistung in der heißen Theke gekriegt. Das heißt, natürlich war der Fokus dann auf Bilder, heiße Theke, österreichweit beliefern. Parallel, und das muss ich sagen, war der große für mich Erfolgsfaktor und von dem wurde mir auch abgeraten. Also, ein Vertriebskanal, gerade der Einzelhandel möchte den Fokus auf ein Produkt. Natürlich, weil du bist billiger, billiger Masse. Nur, ich habe mich dagegen entschieden und habe gesagt, ich möchte ein möglichst breites Sortiment. Warum habe ich das entschieden? Weil ich selber pflanzlich lebe und mir gedacht habe, ich bin ja nicht wahnsinnig und ich bin nur ein Leberkäse. Also die Entscheidung ist einfach wieder ganz klar gegangen, weil ich selber wollte. Und man gedacht habe, das mit dem Leberkäse, allein ist man zu wenig. Und durch diese Entscheidung sind wir dann, muss man sagen, einerseits im Online-Vertrieb, damals und dann haben wir auch schon verschickt, das heißt, wir haben Österreich und Deutschland verschicken können, nur ein Produkt hat in dem Fall, nämlich einen Gustel. Wir waren im Einzelhandel, parallel sind wir in die Gastronomie gegangen und was ich immer selber gemacht habe, war Events. Das heißt, ich bin immer selber mit meinem damaligen Foodbike zu den Kresten messen gegangen und dort haben wir auch noch verkauft. Das heißt, wir haben innerhalb kürzer Zeit vier Kanäle gehabt. Wahnsinn. Für mich war immer wichtig und deswegen sage ich immer, macht es euch, oder für mich das Wichtigste, nicht abhängig machen. Ja, nicht nur auf einen Vertrieb. Ich weiß, das ist super klasse, wenn du eine Listung hast in einem Supermarkt und das läuft, aber was ist, wenn es nicht läuft? Was ist dann? Was hast du dann? Deswegen immer schauen, dass du mit dem schwächsten Vertriebskanal alle deine Fixkosten tragen kannst. Das war immer so meine Philosophie. Ich habe immer schon gesagt, das muss der schwächste Vertriebskanal funktionieren. Und darum war diese Breite auch super wichtig, dass man halt die Produkte und in der Realität heißt, ist, du hast deinen Leberkäse im Einzelhandel beispielsweise auf eine dünne Scheibe hergeschnitten, in der Gastro hast du aus ganzen Zirgel, im Eventbereich hast du dem Holm. Das heißt, du musst jedes Produkt für jeden Kanal anders denken. Das ist was, was natürlich heute bei 50 Produkten ein Wahnsinn ist. Aber natürlich, wir kennen heute schon alle Vertriebskanäle und das mit 50 Produkten bedienen. Das heißt, es gibt keinen stärkeren Anbieter wie uns, was österreichisch-pflanzliche Klassiker betrifft. Also, super Board.
MarkusWir schauen wirklich ein breites Sortiment, wo ich gibt es wahrscheinlich gar nicht so viele Produzenten in Österreich, die ganz grundsätzlich 50 Produkte im Sortiment beliefert haben.
Nadina RüdlWir haben drei jetzt. Also man muss auch sagen, wir haben drei Produzenten an vier Standorten. Das heißt, es ist eine Riesenchallenge und mittlerweile haben wir ja nicht nur Fleisch, jetzt haben wir ja Fisch auch, weil Weihnachten hat es bei uns Kapfen geben. Deswegen habe ich einen Karpfen gebraucht, Weihnachten. Wir haben auch Sirice-Sachen. Also wir sind auch genauso mit unserem Kaiserschmark bei Christkindelmärkten vertreten. Das heißt, wir haben ja die Siirse-Ecken dazu genommen mit einer Osterlampe, mit Kaiserschmarrn, mit Keks. Das heißt, wir sind richtig, richtig, richtig Bratworn. Das heißt, das, was du eigentlich wirklich, wenn du an Österreiches Essen denkst, zu jedem Brauchtum drückst. Also das ist so das Zug gewesen und nicht nur die Fleischperspektive, sondern halt dann das gesamte Handwerk, weil du hast ja genauso Bäcker, du hast kein Toren, du hast ja ganz viel Handwerk in Österreich. Und warum soll der Bäcker nicht genauso Fleischlauwe produzieren? Macht überhaupt keinen Sinn, warum er es nicht da sollte.
MarkusNaja, cool. Wie viele Leute seid ihr jetzt im Team?
Nadina RüdlDas ist immer so eine Frage. Also mir gibt es einmal zu 100% und aktuell auch geringfügige Mitarbeiterin, die mich unterstützt. Und ab Februar sind wir zu viert. Also drei. Ich habe jetzt wirklich aufgestockt, einfach weil ich es nicht mehr alles allein machen kann. Oder auch nicht mehr eineinhalb Personen. Genau, jetzt sind es dann in Summe auch 30 Stunden gehabt, zweimal geringfügig und ich.
MarkusAber es ist ja unfassbar, wenn du sagst, mit eurem Sortiment, gut, natürlich Produktion ist outgesourced, kauft man ein, aber trotzdem, also Wahnsinn, was du eigentlich jetzt mit zu einem Halb geschafft hast, oder?
Nadina RüdlJa, wie gesagt, ja, ich kann da jetzt gar nicht dazu machen, weil wie gesagt, es hebt Gott sei Dank meine Produzenten heben noch ab. Also sie sind es mittlerweile, sie sind es auch gewohnt, das war recht spannend vor, es ist schon mittlerweile, also bei meinem Produzenten, ich habe sehr gute Verhältnisse zu meinen Produzenten, weil es einfach unglaublich wichtig ist, dass du eine gute Beziehung einerseits zu deinen Kunden, aber natürlich auch zu deinen Produzenten hast. Und er hat mir irgendwann einmal gesagt, du weißt nicht, meine Mitarbeiter haben immer so gejammert, weil ich überfordert sehe und ich will immer so viel und ich stresse so. Aber seit ich die kennengelernt habe, habe ich meinen Meister gefunden und ich verstehe sie jetzt. Ich glaube, das hat sich nicht ganz gut getroffen, weil der ist 60 Jahre. Weil ich halt einfach, wenn ich begeistert von was bietet, wird angerufen, egal ob das jetzt sechs E in der Fuhr ist oder 8 Jahre am Abend, machen wir da mal, wie können wir es machen. Ich habe da die und die Idee. Ja, und dann wird schon mal zwei Tage später wieder angerufen. Wie schaut es aus? Hast du es schon überlegt? Gibt es schon erste Umsetzungen und so bist du halt immer dran, oder? Wenn du dann Leute hast, die auch motiviert sind, dann ist es natürlich, dann überschlagen sie die Ideen, weißt du, was ich meine. Und dann soll es eigentlich nicht. Aber ja.
MarkusIst natürlich die unternehmerische Energie, die kann wirklich Berge bewegen.
Nadina RüdlGlaube ich ja.
MarkusHut ab. Es ist natürlich einfacher, wenn man quasi jetzt lange als One-Woman-Show oder sage ich jetzt mal zu eineinhalb unterwegs ist, Two-Woman-Show. Ist natürlich einfacher auf der Finanzierungsseite. Aber trotzdem, wie war denn das auch am Anfang für dich? Weil auch du musstest dir irgendwie einen Lebensunterhalt finanzieren. Gleichzeitig hast du schon gemeint, das hat lange gebraucht, bis die ersten Produzenten oder die erste, der Produktionsbetrieb, die erste Metzgerei, die du gehabt hast. Also es war schon ein Prozess, bis ihr Umsätze machen konntet. Wie hast du das überbrückt und wie ist jetzt auch danach die Finanzierungsseite? Habt ihr irgendwann einmal ein Investment aufgenommen? Ich glaube, du warst in zwei Minuten zwei Millionen auch, wenn ich mich recht erinnere. Erzähl einmal, wie schaut die Finanzierungsseite aus?
Nadina RüdlAlso ich habe angefangen mit meinem Sport. Also ich habe 50.000 Euro damals, es waren genau 50.000 Euro, aber ich kann mich noch erinnern, der Abbruchungsbetrag war genau das. Das waren 50.000 Euro von dem, wo ich gewusst habe, mit dem kann ich mich jetzt finanzieren und ich kann alles finanzieren, was jetzt mal die Ursprungsentwicklungskosten sind. Das heißt, mit dem Betrag bin ich eingegangen. Angefangen habe ich gekündigt im November 20. Das Greenstar-Programm war damals im März 2021 und bei zwei Minuten 2 Millionen war ich dann am 20.10.2021, das weiß ich, weil es mein Geburtstag war. Und damals war ich 10 Tag alt mit der Pflanze, also mit dem Einzelnenunternehmen damals. Und in der Zeit, oder das heißt, das erste Jahr ist rein von meinem Sporten gewesen. Also alles, wie gesagt, das habe ich gewusst, das wird passieren. Mir war auch klar, viele Bekannte von mir haben sich Autos gekauft und ich habe mir gedacht, wenn es gegen die Wand fahr, sind die 50.000 Euro auch weg. Und in dem Fall habe ich gewusst, wenn es alles daneben geht, dann tut es mir zwar total weh, weil Jahre des Ersparten ist weg. Und es ist definitiv kein Wohlfühlbetrag, den man irgendwer schenkt und sagt, probiere dich aus, sondern das war hart gearbeitet, das gehört, also das hat man weh da. Und genau, von dem ist es dann weggegangen. Was aber dann gewesen ist, mit 20 Tagen bin ich mit meinem lila Leberkäst bei zwei Minuten zwei Millionen gestanden. Und das war damals ein Prototyp ohne Metzger, wo wir, wie gesagt, eigentlich nur Prototypen gehabt haben bis zu dem Zeitpunkt und dort haben sie auch angeboten, 100.000 für 12%. Was mir natürlich mit 20 Tagen sehr viel Geld vorgekommen ist, wäre in der Realität mit der Katharina Schneider zustande gekommen. Nur habe ich mich damals entgegen dagegen entschieden, so 20 Tage, bevor wir einen Vertrag unterschrieben haben. Das war was, was mir persönlich voll weder hat, weil die Katharina Schneider sehr, sehr schätze. Aber für mich hat sich das für mich jetzt damals ganz schwierig angefühlt, wenn ich mir gedacht habe, ich bin jetzt nicht verheiratet, habe keine Kinder, habe mein Leben so gestaltet, dass ich eigentlich sehr lang ein Brauche für mich, um mich zu binden, um mich mit jemandem einzulassen. Und dann, da die irgendwie mein Baby, mit jemandem 12% für 100.000 teilen. Ich habe es nicht geschafft. Sie wäre meine Wunschkandidatin gewesen von allen und das hat mir so weh, weil ich sie wirklich sehr schätze. Aber ich habe mir einfach, ich traue mich nicht, ich kann nicht. Ich muss das jetzt schauen, wo das hingeht. Und ich möchte das für mich selber machen und habe mich gegen die 100.000 und natürlich für meine 12%, das heißt, nach wie vor hat die 20erei 100%, also mir kehrt alles. Und was halt der Unterschied ist, was ich nicht habe, bin ich, habe keine Förderung bis jetzt gekriegt, oder auch nicht beantragt, weil warum, oder beziehungsweise wir haben halt einfach keine gekriegt, ist halt einmal so. Ist aber auch nicht ein Ziel von meinem Konzept. Aber die Sendung ist ausgestrahlt worden im Februar und ab dem Zeitpunkt ist das Produkt verkauft worden. Und da hat sich das Radl ganz klar zum Drahen angefangen. Das heißt, ich habe ein Produkt eingekauft und habe mehr für das Produkt gekriegt, als wo ich es eingekauft habe. That's it. Das muss ich einfach so sagen. Und das, was reingekommen ist, ist immer wieder investiert worden, ist wieder investiert worden, investiert worden, mehrere Geräte, Rezepturenverbesserungen. Aber man muss sagen, wenn man ein Produkt gehabt, das von Anfang an am Markt funktioniert hat, auch wenn es lila war zu dem Zeitpunkt noch. Oder auch wenn die Rezeptur so war, wie es war. Das Produkt war gut. Es war damals das beste Produkt am Markt. Das kann man einfach so sagen, wie es ist. Und so haben wir uns weiterentwickelt. Das heißt, ich habe von Anfang an einen Cashflow gehabt. Und das ist der Riesenunterschied. Ich bin heute noch gebootstrappt, weil ich weiß, wie ich Geld verdiene. Weil ich ein Geschäftsmodell dahinter habe. Und das ist das große Learning für mich. Es bringt mir nichts, wenn ich von Förderung zu Förderung marschiere, in Anführungszeichen kein Geschäftsmodell dahinter habe. Und nicht wirklich die KPIs. Also ich weiß, wie ich Geld verdienen. Und mir ist es vollkommen klar. Und deswegen funktioniert die Pflanzerei und es wird auch weiterhin gebootstrappt werden. Und ja, natürlich, wenn ich jetzt da Geld kriege, würde es im Marketing investieren, wir würden nur schneller wachsen. Aber auf der anderen Seite, wir haben jetzt so stark ins Business, also in die Produktpaletten investiert, wir haben so viele Vertriebskanäle in Fuß trennen. Das ist jetzt einfach eine Frage der Zeit. Und wir wachsen organisch von Jahr zu Jahr. Also ich kann jetzt nicht hergehen und kann mich beschweren, aber ich wachse halt langsam. Aber ich muss ja da sagen, ich muss auch langsam wachsen, weil ich muss das verantworten, ich muss dahinter stehen und ich möchte da irgendwo schlafen können. Und ich kann nicht Entscheidungen treffen, wo ich das Gefühl habe, da bin ich noch nicht. Ich weiß, wo meine Grenzen sind und ich weiß, dass ich mich eh immer wieder, dass ich es immer wieder ausdehne, oder? Aber ich brauche auch mal Zeit. Wie gesagt, ich bin da reingeschmissen worden und habe einfach gemacht. Und in dem Machen habe ich gelernt. Und darum muss man auch hergehen, muss man sagen, gebootstrappt hast, du verdienst einen Euro und du investierst den wieder. Und irgendwann bleibt da halt was auch, bleibt da was über, dass du halt was auszahlen kannst. Und dann zahlst du das aus, was möglich ist, damit ja die Pflanzerei genug hat. Weil am Ende des Tages legst du es ja eh wieder ein. Machen wir uns ganz ehrlich sein. Also das ist halt schön organisch gewachsen und jetzt Gott sei Dank auf mehr Mitarbeiter und halt auf keine Förderstruktur, deswegen bricht halt mir auch nichts weg, wenn ich eine Förderung nicht kriege. Oder es bricht mir nichts weg, wenn ich keine Anschlussfinanzierung habe. Ich habe das alles nicht, ich kenne das nicht. Die Pflanzerei funktioniert, weil es ist.
MarkusFokussierst dich auf das Produkt und die Kunden. Wie es natürlich im Best Case erfreulich sein sollte. Das ist, ich glaube, schon wirklich Unternehmertum in der reinen Form. Erzähl mir trotzdem kurz, wie kamst du der Entscheidung jetzt zu sagen, okay, jetzt wird es aus der Two-Woman-Show dann doch ein bisschen mehr Struktur, ein bisschen mehr Team.
Nadina RüdlAlso ich habe schon vor, ich habe schon, also das ist nicht das erste Mal, dass wir ein aggresses Team werden, ich habe 2024, fünf Mitarbeiter gehabt. Ich habe das alles schon gehabt und bin ganz gezielt zurückgegangen. Das hat den Grund gehabt, dass ich mich verzettelt habe. So ehrlich muss ich sein, ich bin auf einmal, ich habe so viele Mitarbeiter gehabt, dass ich einfach von Montag bis Freitag eigentlich nur um die Mitarbeiter gekümmert habe, um die Themen gekümmert habe, Personalentwicklungen in dem Sinn gemacht habe. Auf einmal habe ich einen Einkauf da gehabt, habe die Bestellungen da gehabt, habe die Logistik da gehabt, HR da gehabt habe, habe so viele Themen gehabt, wo ich mir gedacht habe, das schaffe ich gar nicht mehr und habe dann angefangen zu lernen, wie es funktioniert, jeden Bereich, bewusst auch, was ist die Struktur, was ist das, wie es funktioniert, und habe es outgesourced. Heute macht meine Produzentin Einkauf, ich habe eine externe Logistikerin, die da ist, wenn zu viel ist. Ich habe einen Einkaufsprozess. Also ich habe alles, was nicht Kommunikation und Vertrieb und für mich halt was die Buchhaltung bleibt bei mir, Finanzen bleiben bei mir, aber ich habe alles outgesourced, was nicht erforderlich war. Genau, das war ein ganz wichtiges Learning, nämlich zu verstehen, wie funktionieren die Prozesse und dann richtig gute Partner zu suchen, die selber Unternehmer sind. Ganz wichtig. Mit Unternehmer zusammenzuarbeiten heißt, jemand anderer hat Verantwortung, jemand anderer macht das auf sein Risiko. Wenn heute ein Fehler passiert im Einkauf, weil sie mein Produzent nicht mit den sieben anderen abspricht, dann hat er eine Verantwortung für diesen Fehler. Wir finden natürlich eine Lösung, aber es liegt nicht auf meinem Schreibtisch am Freitag um 5 Uhr. Wenn die Logistik nicht erledigt ist, dann ist das das Problem meiner Logistikerin. Und sie wird mich informieren, aber sie wird sofort Lösungen bringen. Und das ist so das Channel Learning, zusammenzuarbeiten mit viel guten Unternehmern, die auf eigenem Risiko, eigener Verantwortung die Sachen machen. Also ich habe bewusst mein Team wieder auf eine Person herunterreduziert, weil ich mir einfach eine gute Partnerstruktur aufbaut habe. Warum hole ich mir jetzt das Team wieder zurück? Das hat den Ei, das hat den Hintergrund, dass der Podcast jetzt kommt, den ich plant, dass ein E-Learning-Tool jetzt sein möchte, dass ich mich mehr auf meine Vorträge konzentrieren möchte, die jetzt einfach zurückgestellt worden sind. Ich möchte einfach wieder Themen machen, die jetzt neben der Pflanzerei existieren. Und für die Bereiche suche ich mir Mitarbeiter, oder habe ich mir jetzt Mitarbeiter gesucht, die genau da mit mir die neu Themen ausarbeiten. Also so ehrlich muss ich sein, das ist jetzt eigentlich das zweite Projekt, das eine ist die Pflanzerei, das zweite ist dieses gesamte Bewusstseinsbilden, dieses Lernen, dieses Unterricht, dieses ganze Thema, weil wir sehr viele Anfragen zu Workshops kriegen und im Endeffekt nehme ich es nicht, weil ich einfach die Zeit nicht habe. Und das möchte ich eben, wie gesagt, ändern. Und darum die neu Mitarbeiter. Die neu Mitarbeiter sind nicht für die Pflanzerei jetzt gedacht, sondern natürlich werden die auch mitarbeiten, aber eigentlich als Add-on.
MarkusAuch spannend, weil das, was du dann eigentlich machst, geht ja wieder zurück zur systemischen Veränderung. Weil ich, also bitte, ich lege dir jetzt Wort in den Mund, korrigiere mich, wenn ich das falsch sehe, aber warum du das jetzt machst mit Podcast und Vorträgen und eigentlich Bewusstseinsbildung, ist ja auch, weil du damit sicher auch den Markt für die Pflanzerei noch einmal größer machst und eigentlich die Mission, die du mit der Pflanzerei hast, nochmal stärker direkt auch anschiebst.
Nadina RüdlGenau. Natürlich, da ist jetzt einfach zu wenig Zeit gewesen. Das muss ich einfach sagen. Also es war schon sehr viel Fokus und es ist die, also gerade die ersten vier Jahre war Montag bis Freitag, Montag bis, jetzt habe ich bis Freitag gesagt, aber Montag bis Sonntag und das war extrem. Also es war, es war extreme, extreme Jahre. Und es ist jetzt auch noch nicht leichter, aber irgendwo erkennst du halt, wo ist wirklich, wo ist der Treiber? Was ist jetzt auf einer anderen Ebene das, was nicht nur die Pflanzerei weiterbringt, sondern die ganze Thematik pflanzliche Ernährung. Was bringt jetzt die Zukunftsernährung, was braucht es? Und ich glaube, da braucht es einfach eine andere Ebene. Und die hole ich mir halt jetzt dazu. Und für den möchte ich mir Zeit nehmen und natürlich. Das war halt bis jetzt nicht. Weil wie gesagt, wenn ich am Montag Logistik planen muss, kann ich am Montag keine Vorträge halten. Wenn ich am Dienstag beim Kunden sitze, kann ich nicht, das tue ich jetzt genauso, es wird nicht zurückgestellt. Aber ich habe einfach andere Leute, die mich unterstützen in den anderen Themen. Und das ist jetzt für mich so ein Nader Plus, sagen wir mal so, es ist so ein bisschen ein Luxus, wo ich halt, wo sich jemand dann um die anderen Themen kümmert, genau. Aber ja, du hast recht, ja. Du lässt mir es in den Mund legen, du hast es sogar besser formuliert, wie ich es kann.
MarkusDas stimmt nicht. Aber ich Ich probiere mein Bestes und habe noch eine Frage, bevor wir uns zu unserer Speedrun kommen. Jetzt sind wir eingestiegen mit quasi dem System und dass du eigentlich schon auch probierst, in diesem System eine Veränderung anzustoßen? Du hast damals 100 oder 112 sogar angerufen hast, überhaupt keine Antwort bekommen. Wenn du das heute noch einmal machen würdest, wie viele glaubst du, außer denen, die jetzt quasi sowieso schon dich beliefern, wie viele würden bei dem Thema aufspringen? Wie wäre da die Reaktion?
Nadina RüdlAlso ich bin der Meinung, dass es definitiv mehr sein, weil weniger wie null, in dem Fall wären eh nicht möglich. Aber der Fleischmarkt ist aktuell wahnsinnig unter Druck. Es ist einfach der Preis extrem gestiegen, es sind die Energiekosten gestiegen und die Produzenten haben halt am Anfang auch das vegane Thema mitfinanziert. So ehrlich muss man sein, wie ich angefangen habe, für vier Jahre war das Marktwachstum bei 39% im Fleischbereich. Da sind wir jetzt nicht mehr. Das heißt, es hat sich der Markt entwickelt. Es sind mehr Leute in den Markt eingegangen. Das heißt, es ist ja heute nicht mehr so einfach wie vor vier Jahren. Das muss man genauso sagen, wie es ist. Das heißt, wenn ich heute mit einem Partner anfange, wäre die Situation einfach eine ganz andere. Und ich muss auch sagen, die Rahmenbedingungen, die ich heute gelernt habe, wie er Metzger sein sollte, damit er mit uns arbeiten kann. Du brauchst eine gewisse Größe, du brauchst eine gewisse Personenanzahl, du brauchst ja auch Trennung in der gesamten Produktion, du brauchst eine gewisse Logistik, du brauchst eine Anbindung Richtung Handel. So einfach ist es dann nicht. Und das erfüllen, wie gesagt, wahrscheinlich zwei Hände voll und die kenne ich. Und natürlich würde ich mich freuen, wenn sie die mögen. Aber ich weiß, dass die momentan sehr fokussiert auf einer Kerngeschäft und das ist halt nach wie vor das Tier beim Tier sind.
MarkusJa, ich meine, das ist grundsätzlich, glaube ich, eine Challenge auch der österreichischen Industrie, der österreichischen Wirtschaft gerade, dass eben man unter Druck ist, dementsprechend sicher Fokus oder wirklich fokussiert auf das Kerngeschäft. Gleichzeitig ist, glaube ich, genau in so einer Phase eben auch wichtig, sich zu überlegen, wohin entwickelt sich der Markt und wo gibt es eben auch Chancen durch Innovation besser zu werden. Aber ja, es ist keine einfache Zeit. Lass uns jetzt trotzdem in Richtung unserer Speedrun gehen. Das heißt, wenn du jetzt auf all das zurückblickst, was ist dein größtes Learning?
Nadina RüdlAlso für mich als großes Learning ist definitiv, dass man anfängt und nicht alles warst. Das muss man, glaube ich, ganz ehrlich sagen. Du darfst nicht glauben, dass du am Anfang alles warst. Du startest einfach mal und im Tun lernst du es dann. Das heißt, wenn ich immer darauf gehört hätte, dass ich perfekt bin, dann hätte ich wahrscheinlich heute noch nicht angefangen, weil das ist heute noch nicht der Fall. Aber man macht. Man macht und lernt und tut weiter und macht es besser.
MarkusAlso das größte Lernen ist eigentlich das Lernen. Das finde ich sehr passend und treffend für eine unternehmerische Story. Jetzt erzähl uns, was ist dein bester Lifehack?
Nadina RüdlWas ist mein bester Hack? Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, was für mich sehr, sehr vorteilhaft ist, weil ich immer diesen extremen Antrieb habe. Und aus dem Antrieb liegt immer irgendwo ein Servietten und auf die Servietten kritzel die irgendwas und nachdem ich das aufgekritzelt habe, ist es wichtig, dass ich einen Telefonhörer nehme und das ist ein Futter mein Anruf, der mir weiterhilft in der Idee. Stark. Das ist leider wirklich die Zeit. Meine Frage sagen immer zu mir, ist es schon wieder ein Serviettenmoment und sage ich, ja leider.
MarkusFinde ich sehr gut. Das ist ein perfektes Beispiel für einen Live-Head.
Nadina RüdlJetzt habe ich mich verraten, also jetzt wissen Sie, das stimmt. Das ist das Geheimrezept.
MarkusSie ist raus. Gib uns eine Buchempfehlung.
Nadina RüdlIch habe echt darüber nachgedacht, aber ich habe keine. Ich muss gestehen, ich lese überhaupt nicht gern. Mir kommt immer vorher.
MarkusSchaust du irgendwas anderes, irgendwelche Serien oder.
Nadina RüdlIch rede eigentlich, wenn ich irgendwie, was ich gemerkt habe, wenn ich irgendwie, was wissen will, wie rede ich mit jemandem? Ich rufe auf das Stück jemanden an, der mir irgendwo weiterhelfen kann, der es besser weiß. Ich bin so der Mensch, der im Reden neue Sachen lernt, weil ich mich mit Menschen umgibe, die einfach besser sind als ich. Aber was ich mache, ist vom Einschlafen, die sie gerne studieren. Das mache ich voll gerne nicht nur, weil ich besser einschläfse, sondern weil ich finde, das bleibt hänger. Und die habe ich mir ausgesucht und die heißt, Einsatz gesteigerter Menge an Nebenprodukten in der Schweinemast, Effekt auf Mast und Schlachtleistung, sowie ausgewählte Umweltparameter. Das war die letzte Studie, die ich gelesen habe.
MarkusOkay. Die kannst du empfehlen, oder?
Nadina RüdlDas ist ja spannend, weil du hast ja Soja, ist ja der Großteil vom Soja, wird ja, wissen wir alle, nicht in Österreich, nicht in der EU angebaut. Und der dient eigentlich der Fütterung der Tiere. Und spannend, was in dieser Studie rausgekommen ist, wie kannst du die gesamte Sojabahne, das heißt, wie verwertest du eigentlich die Nebenprodukte von Soja? Und das war eigentlich was, was ich extrem spannend gefunden habe. Und da gibt es unterschiedliche Wege, wie du halt neben, wie du den Rest der Sojabohne verwendest. Ja, kann ich empfehlen.
MarkusBitte. Also. Studien zum Einschlafen, ach das ist ja eigentlich ein Lifehack. Hast du ein Lieblingsprodukt?
Nadina RüdlWäre ein Gustel. Noch bevor. Da geht okay, ja.
MarkusIst okay, lass dich durchgehen. Normalerweise sage ich ja immer dazu, außer deinem eigenen, jetzt habe ich es nicht gesagt, jetzt ist natürlich dein Gewinn. Aber jetzt ist natürlich für mich die Herausforderung, stell dir vor, du hast irgendwo dein Gustellager, wo natürlich die allerbesten Scheiben gesammelt werden. Und jetzt kommst du nach Hause und siehst, das Gustellager wurde, ist jemand eingebrochen und jemand hat den Gusel gestohlen. Was ist dein Lieblingsschimpfwort?
Nadina RüdlEider.
MarkusEuda, okay.
Nadina RüdlIch habe so eine Erziehung, bei uns ist nicht geschimpft worden. Der Papa hat dann einen Tag nicht mit uns gesprochen, also ich bin sehr vorsichtig, was Schimpfen betrifft, aber Euler passiert sehr oft. Eider, Euler, Eulder, Euda, sehr oft.
MarkusWenn du sagst, du willst das österreichische Brauchtummer, finde ich sehr gut, dass es auch Eider ist. Fein. Es passt gut in die Marke. Jetzt habe ich zum Abschluss wie immer natürlich zwei Fragen. Wir brauchen von dir einen Moonshot, eine große Vision für die Zukunft, die du sehr strebenswert findest. Und eine Prediction, eine Vorhersage, von der du voll felsenfest überzeugt bist.
Nadina RüdlAlso was ich mir, meine Vision ist sehr plak, ist eigentlich wirklich sehr plakativ. Die Schweiz steht, wenn wir alle drei denken, für hochwertige Schokolade, sie stehen für hochwertige Uhren. Und ich würde mir wünschen, dass Österreich für hochwertige und die besten Fleisch- und Wurstprodukte steht. Und ich stelle mir vor, dass der deutsche Gast, der Skifahren zu uns kommt, auf der Skiüton sitzt und dann sagt, er ist da, weil er das beste pflanzliche Schnitzel will. Und das ist für mich einerseits die Vision und dass diese pflanzlichen Fleisch- und Wurstprodukte, und das betrifft unseren eigenen, unseren eigenen Patriotismus, dass wir Österreicher anfangen, das als Teil der österreichischen Eskultur zu sehen, dass es neben einem Schweineschnitzel, einem Korbschnitzel auch ein Schnitzel aus Erbsen geben kann oder aus Roderm oder aus Zwiebel. Dass wir einfach aufmachen und selber uns das Leben nicht so schwer machen, sondern einmal Brücken bauen zur Innovation, die natürlich mit Tradition verbunden ist, aber diesen klaren Teil mehr. Und eine Prediction. Ich glaube, wie ich losgestartet bin, war dieser Umweltgedanke extrem, extrem, extrem stark. Und das war auch mitunter so eine Triebfeder. Und ich bin jetzt da ernüchtert, so ehrlich muss man sein. Und man erkennt einfach jetzt, wo es Geldknopf wird, dass die Leute einfach die Alltags- die wirkliche Alltagsfrage in den Vordergrund kommt. Und dass der Impact eigentlich dann passiert, den ich mit meinem Startup mache, wenn ich Produkte produziere, die selbst einen Klimaleugner kaufen würde, weil es schmeckt, weil es das Beste ist. Weil dann passiert der Impact. Das heißt, es wird nicht mehr reichen, dass ich sage, wir reduzieren einen CO2-Fußabdruck, das ist vollkommen im Baseline. Es geht jetzt darum, dass Impact-Startup lernen, dass über dieses, bei mir ist halt der Geschmack und bei mir ist was, was alltagstauglich ist, dass man das lernt, Zielgruppen erweitert auf Personen, die man am Anfang nicht im Kreis gehabt hat und dass man wirklich versteht, dass der Impact indirekt passiert, aber dass man nicht mehr über das argumentieren kann.
MarkusCool. Nadina, vielen, vielen Dank. Das war sehr kurzweilig, super spannend, inspirierend. Gratulation zu deiner wirklich bemerkenswerten Story. Toi toi toi für die nächsten Schritte. Und ja, vielen Dank auch euch da draußen fürs Mit dabei sein. Wir hören uns wieder am Donnerstag mit einer Newsfolge und wünscht euch einen guten Start in die Woche.
Nadina RüdlPapa, geht euch.