Future Weekly

#510 - Klara Ritter über Immobilienentwicklung, den Generationenwechsel und was VC-Denken in einer traditionellen Branche verändert

Hannah Wundsam & Klara Ritter Episode 510

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Klara Ritter wollte nie in die Immobilienbranche. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Vater das Familienunternehmen RSI Square als Geschäftsführerin. Der Weg dorthin führte über Berlin, fast fünf Jahre Venture Capital bei PT1 und ein Wochenende in den Bergen, an dem Vater und Tochter entschieden haben, es gemeinsam zu versuchen.

In diesem Deep Dive spricht Hannah mit Klara darüber, was Venture Capital und Immobilienentwicklung mehr verbindet als man denkt, wie man als 30-Jährige in ein bestehendes Team einsteigt ohne alles auf einmal umzukrempeln, warum ein externer Coach manchmal der einzige Weg ist, eine Familienentscheidung zu treffen, und was es bedeutet, nicht in den Fußstapfen zu bleiben, sondern sie als Startpunkt zu nutzen.

Production: Hanna Moser

Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

SPEAKER_00

Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag oder auch guten Abend und willkommen zum Future Weekly, dem Startup Podcast. Heute mit der Hanna und weil heute ein Deep Dive ist, auch mit einem wunderbaren Gast, nämlich der Clara Ritter. Hallo Clara. Hallo. Clara, wenn ich bei dir auf LinkedIn schaue, dann sehe ich, du bist Managing Director at RSI Square und Venture Partner at PT1. Kannst du uns mehr dazu sagen, was in deiner Tagline steht? Wer bist du und was machst du?

SPEAKER_02

Ja, vielleicht korrigiere ich erstmal den Unternehmensnamen. Es heißt RSI Square. Ein bisschen eingedeutscht, aber du bist nicht die erste, die es so ausspricht. Ich bin seit mittlerweile bald eineinhalb Jahren gemeinsam mit meinem Vater in der Geschäftsführung unseres Familienunternehmens. Das Unternehmen gibt es seit über 30 Jahren. Und in a nutshell machen wir Immobilienentwicklung. Im Detail natürlich irgendwie viel mehr. Und ich habe mich vor eineinhalb Jahren entschieden, meinen Job im Venture Capital zu verlassen und nicht mehr Gründer zu unterstützen, ihren unternehmerischen Erfolg zu verwirklichen, sondern es selbst zu versuchen und zu schauen, ob ich das auch kann.

SPEAKER_00

Super spannend, sicher ganz eigene Herausforderungen, auch gerade zu einem Familienbusiness dann einzusteigen und aus der Venture Capital dann doch in eine traditionellere Branche auch einzusteigen. But before we da tiefer hineingehen, schauen wir mal zurück, wenn du an die kleine Clara denkst. Wir kennen uns ja auch schon ein bisschen länger. War es damals in Unternehmertum schon auch ein Thema? War das etwas, was ihr am Familientisch die Firma deines Vaters auch diskutiert habt? Wie hast du damals dieses Thema wahrgenommen?

SPEAKER_02

Ja, ich glaube, es war schon immer ein Thema. Die ganze Familie meines Vaters, also mein Vater hat relativ viele Geschwister und sind eigentlich sechs von sieben Unternehmer und machen ihr eigenes Ding in unterschiedlichen Branchen und würde ich sagen, in einer unterschiedlichen Intensität. Aber die haben alle diesen Sprung damals ins Unternehmertum gewagt. Ich glaube auch aus einer, ich glaube, weil sie damals mussten, die Zeit war irgendwie damals ein bisschen anders. Und sie, wenn man in einer Großfamilie aufgewachsen ist, ist das vielleicht eine andere Art und Weise aufzuwachsen, wie ich aufgewachsen bin, in einer vierköpfigen Familie. Und dadurch war Unternehmertum bei uns schon immer ein Thema. Für meinen Vater war der berufliche berufliche Erfolg sehr wichtig gewesen und hat sich natürlich zu einem gewissen Grad auch stark darüber identifiziert. Und wir haben das natürlich mitbekommen, weil am Wochenende gearbeitet wurde und weil irgendwie der auch manchmal irgendwie, manchmal gab es Sommer, wo es hieß, dieses Jahr fahren wir nicht so weit weg, weil das Geschäftsverjahr nicht so gut und das ist halt dieses Jahr nicht drinnen. Gerade irgendwie, wenn du beginnst, ein Unternehmen aufzubauen, ist das ja vielleicht anders, als wenn ein Unternehmen irgendwie seit 30, 40 Jahren existiert und du schon ein bisschen ein Fundament aufgebaut hast, auf dem man sich dann ein bisschen ausruhen kann, wenn es mal nicht so gut läuft. Insofern war das, glaube ich, schon immer sehr präsent und ich fand, ich habe zwar ehrlich gesagt nie verstanden, was mein Vater wirklich gemacht hat. Ich wusste, dass es irgendwas mit Immobilien, aber für so ein, wenn du Jugendlich bist oder wenn du ein Kind bist, verstehst du ja auch nicht wirklich, was das soll. Ja, da stehen Häuser draußen, aber man hinterfragt dann vielleicht auch nicht ganz im Detail, was macht er jetzt genau? Vermarkt er der diese Immobilien, baut er diese Immobilien, konzeptioniert er diese Immobilien oder was macht er genau? Das heißt, ich glaube, ich habe zwar nie verstanden, was er gemacht hat, aber irgendwie fand ich es immer cool. Und gerade diese Selbstbestimmtheit und der Wille, etwas aufzubauen, hat mich schon inspiriert und ist vermutlich auch ein Grund, wieso ich dann irgendwann in dieser Schiene gelandet bin.

SPEAKER_00

War das damals schon für dich ein Weg, der in deinem Kopf war, dass du, dass du mal einsteigen wirst? Hast du schon als Jugendliche mal Internships und so dort gemacht oder war das damals noch kein nicht so in deinem Plan?

SPEAKER_02

Als mein Vater 60 Jahre alt geworden ist, da bin ich gerade mit meinem Bachelor an der WU fertig geworden, war 21, glaube ich, damals. Und da hat er mir so einen Artikel von der Tageszeitung Presse auf den Tisch gelegt. Und da stand oben ganz groß drauf, mit 60 muss man an die Übergabe denken. Und ich war so, was willst du von mir? Ich hatte in meinem Leben noch keinen vernünftigen Job. Ich bin gerade mit meinem Bachelor fertig geworden. So ein WU-Bew-Bachelor ist ja auch was sehr Generisches. Das heißt, ich wusste auch noch nicht so genau, was mir eigentlich Spaß macht und was ich machen will. Und war, glaube ich, davon erst mal überfordert. And we have unsab geeinigt. Ich habe mich nach dem Bachelor dazu entschlossen, so ein paar längere Praktika zu machen, um so ein bisschen ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln. Was bedeutet es überhaupt in unterschiedlichen Branchen zu arbeiten? Was macht mir Spaß und was liegt mir? And unser Agreement war dann damals: eins meiner Praktika ist in der Immobilienentwicklung. Und das hat mich aber dann tatsächlich damals zur Sigma gebracht, weil die Signa damals in der Immobilienentwicklung der Ort war, wo du irgendwie wo du es dir anschaust und wo du gut lernst. Und ich bin aber dann nicht bei der Sigma bei der Immobilienentwicklung gelandet, sondern ich bin dann nach Berlin gezogen und habe zu dem Venture Capital-Arm der Signa gekommen. Und so ist eigentlich der Plan von meinem Vater ein bisschen backfired. Und mich für die Immobilienentwicklung zu begeistern hat dann nicht ganz so funktioniert, sondern das war eigentlich mein Weg dann in Richtung Venture Capital.

SPEAKER_00

Und warum da, also war das quasi für den Job notwendig, nach Berlin zu ziehen oder war generell irgendwie Berlin etwas, was dich gereizt hat oder gesagt hast, du nimmst das eher als Möglichkeit, dadurch quasi dahin zu kommen?

SPEAKER_02

Es war, also ich bin dort im Bewerbungsgespräch gesessen bei der Signer in den schönen Räumlichkeiten, wo ist das am Hof gewesen? Und die Head of HR meinte dann zu mir, ja, spannendes Profil und danke für den CV und gutes Gespräch. Wir hätten da irgendwas, was nochmal besser zu deinem CV passen würde, als jetzt klassisch in der Entwicklung bei uns. Und die Position ist aber in Berlin und ob ich mir vorstellen kann, nach Berlin zu gehen. Und ich ehrlich gesagt, ich wusste damals nicht mal genau, was es, was Venture Capital bedeutet und was ich da wirklich machen werde. Ich habe mir dann nur irgendwie gedacht, wieso nicht? Probiere ich einfach mal. Und ursprünglich waren es drei Monate. Dann habe ich auf sechs Monate verlängert und insgesamt bin ich dann fast sechs Jahre in Berlin geblieben.

SPEAKER_00

Spannend. Und wie ging es dann für dich weiter? Also sechs Monate Signa und dann?

SPEAKER_02

Ich habe dann, ich bin dann nochmal ganz kurz an die Uni, habe meinen Master gemacht in Rotterdam und war da aber schon so, ich war nach diesen sechs Monaten Venture Capital so angefixt und wollte unbedingt wieder zurück zum Arbeiten und studieren hat mich eigentlich gar nicht mehr interessiert. Ich habe dann meine Masterarbeit auch über Venture Capital geschrieben und ich war so, ich glaube, meine Mitbewohner von damals in Rotterdam, die haben wahrscheinlich gedacht, ich bin irgendwie völlig wahnsinnig. Die haben in ganz anderen Bereichen studiert und konnten mit Venture Capital nicht viel anfangen. Und bei mir lagen die ganzen Bücher über Venture Capital am Tisch. Und ich habe den ganzen Tag über nichts anderes mehr geredet. Das heißt, für mich war irgendwie klar, der Weg geht zurück nach Berlin und der Weg geht irgendwie zurück ins Venture Capital. Und dann habe ich mich nach The Master bei unterschiedlichen Fonds beworben und bin dann auf einen vorgestoßen, der PT One heißt. Und das hat irgendwie damals thematisch sehr, sehr gut dazu gepasst, weil der Fokus, der Investmentfokus auf die Bereiche Energie, Gebäude, Infrastruktur war. Und ich da aus meiner Sigma-Zeit quasi ein bisschen was mitnehmen konnte und dass der ganzen Immobilienindustrie vielleicht auch ein bisschen nahe war. Und die haben gerade gestartet und war ein ganz noch nicht wirklich aufgebautes Team. Das fand ich auch spannend. Jetzt nicht irgendwo reinzugehen, wo alle Prozesse und alle Strukturen schon geschaffen wurden, sondern wo man die Möglichkeit hat, das nochmal selbst zu machen. Und dann, ja, habe ich dort begonnen und bin, glaube ich, insgesamt war ich viereinhalb Jahre dabei als operatives Teammitglied.

SPEAKER_00

Spannend. Und ich meine, in den letzten vier, fünf Jahren hat sich im Venture Capital-Bereich auch extrem viel verändert und getan. Jetzt nochmal mit diesem spezifischen Fokus, den du da hattest. Wie, wenn du jetzt zurückblickst, wie hat sich da die Szene verändert? Was sind jetzt Themen, die vielleicht vor fünf Jahren noch irgendwie eher unterm Radar waren?

SPEAKER_02

Puh ja, ich glaube, also ich glaube vor allem, dass ich auch, ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren bald raus. Ich glaube, vor allem in den letzten eineinhalb Jahren hat sich es nochmal krass verändert. Ich denke mal manchmal, ich glaube, ich will heute gar kein VC sein. Ich glaube, ich war ein bisschen überfordert, was tatsächlich die Technologien sind und die Produkte, die man heute investieren kann, die nicht irgendwie übermorgen irrelevant sind oder übermorgen von irgendeinem Großen ersetzt werden. Ich am Wochenende ist erst jetzt wieder so ein Announcement gekommen von Claude, dass sie Claude Design gelauncht haben. Wenn du dir das anschaust, das macht schon wieder so viele existierende Unternehmen irrelevant. Also irgendwie glaube ich, hat sich dann in den letzten anderthalb Jahren nochmal rasant viel getan. Ich glaube, so wie ich Venture Capital kennengelernt habe und was ich gelernt habe, hat sich damals halt sehr viel von reinen Software in der Mix aus Hardware and Software verändert, vor allem in den Branchen where I arbeitet. So this digitalisieren der physical world und damit auch die Erkenntnis, dass man not nur software alig braucht, um the physical world to digitalisieren, sondern dass man this verständnis von der Kombination of Hardware and Software braucht, before VCs vielleicht anfangs ein bisschen Angst hatten. Und was sich aber, glaube ich, in den damals mit dem großen Hype rund um Climate Tech deutlich verändert hat. Und glaube ich, viele Venture Capitalists, die Angst davor verloren haben, auch ein bisschen Hardware anzugreifen und gerade diese Kombination zwischen Software und Hardware da eine Chance drin zu sehen.

SPEAKER_00

Das sieht man ja jetzt auch, dass vor allem auch im Bereich der Robotics sich extrem viel tut, extrem viel investiert wird, durch Defense auch viel mehr Fokus auf Hardware gelegt wird. Jetzt hast du dort gemeint, du hattest auch einen Fokus auf Energiewirtschaft und Immobilien etc. Das heißt sicher super viele Innovationen gesehen, die jetzt in deiner, dich jetzt auch inspirieren, wahrscheinlich für deine jetzige Rolle. Aber wie war denn der Schritt? Ich meine, viereinhalb Jahre dann in dieser VC-Welt zu sein und dann, was hat dich dann bewegt, da rauszugehen und wieder hat dein Vater wieder an die Tür geklopft oder dir eine neue Presse, einen neuen Presseartikel zugeschickt?

SPEAKER_02

Ich glaube, ich glaube, mein Vater hat wahrscheinlich irgendwie gesehen, dass ich mich doch, also dass mir mein Job wahnsinnig viel Spaß macht. Und ich bin jetzt auch nicht aus dem WC rausgegangen, weil ich gesagt habe, langweilt mich und habe ich eigentlich keine Lust mehr drauf, sondern glaube ich, einfach weil sich diese andere Opportunität ergeben hat. Und ich glaube, er hat aber auch gesehen, also ich glaube, er hat jetzt die Branche nie zu 100% verstanden und er hat aber auch gesehen, dass er mir vielleicht nochmal so ein bisschen einen Poke geben muss, damit ich den nächsten Schritt wage. Und er ist dann noch einmal auf mich zugekommen und meinte, jetzt oder nie, ich will in Pension gehen. Und entweder ich verkaufe alles und das war's, oder du willst jetzt damit was machen. Und noch dazu kam natürlich die Krise und die schwierige Zeit in der Immobilienbranche, die ihm, glaube ich, auch diesen Ausstieg oder sein Karriereende vielleicht ein bisschen verkompliziert haben. Es hat er sich, glaube ich, anfangs ein bisschen schneller und leichter vorgestellt und dann ist halt die Krise gekommen und damit halt doch ein paar Herausforderungen, die damit dann hergegangen sind. Und dann habe ich begonnen, immer nochmal Gedanken drüber zu machen und wie das irgendwie so ist mit Familienmitgliedern. Habe ich dann gesagt, ich glaube, wir können, also wir kriegen das nicht hin, wenn wir das irgendwie zu zweit diskutieren, sondern wir brauchen da irgendwie externe Unterstützung, weil das ist halt nicht nur das Business, sondern das sind auch ganz viele, da ist irgendwie meine Kindheit dazwischen und ganz viele Gefühle und Bedürfnisse und vergangene Streitereien und aktuelle Streitereien. Und ich hatte dann irgendwie, wir haben dann beide gesagt, wir wollen nicht, dass es daran scheitert, weil wir irgendwie beide dickköpfig sind und da nicht zusammenfinden, sondern wir wollen irgendwie alles versuchen, um diesen Weg einfach eine Chance zu geben. Und wir haben uns dann einen externen Coach zur Hand genommen und der hat uns beide dann begleitet, in dem Prozess herauszufinden, will ich das machen? Und auch, weiß ich nicht, trat mein Vater mir das zu, will er das machen? Und dann habe ich mich, glaube ich, im Mai 2024, was ist schon so lange her?

SPEAKER_01

Ja.

SPEAKER_02

Dazu entschieden. Aber ehrlich, also wir haben dann so ein paar, wir waren dann, glaube ich, dreimal auf so einem Wochenende und haben dann ein Wochenende einmal gemeinsam in den Bergen verbracht, einmal irgendwo, ich glaube, wir waren einmal in langen Leute. Also wir haben unterschiedliche Wochenenden miteinander verbracht und da über alles geredet. Einerseits über Business-Themen, aber auch über persönliche Themen. Und dann habe ich mich dazu entschieden, das zu machen. Heute rückblickend gesehen, denke ich mir, ich wusste überhaupt nicht, was ich mache. Sondern weder habe ich zu dem Zeitpunkt damals wirklich verstanden, was das Business ist und was die unterschiedlichen Facetten des Geschäfts sind und worauf ich mich da einlasse. Noch, glaube ich, konnte ich mir vorstellen, was das bedeutet, mit meinem Vater zu arbeiten. Aber irgendwie, es hat mich gereizt und ich war immer, wenn ich Entscheidungen getroffen habe, mit dem Zeitpunkt, wo ich mich entschieden habe, war ich 100% committed und habe mich mehr hinterfragt, ist das jetzt das Richtige oder gibt es was Besseres. Und dann habe ich mir dann gedacht, gut, mache ich jetzt. Und egal, ob mir das jetzt irgendwie ab Minute 1 liegt oder nicht, ich fuchse mich da jetzt rein und ich schaue mir das jetzt ein paar Jahre an und vielleicht ist es ja der richtige Weg.

SPEAKER_00

Und in welcher Rolle bist du dann direkt eingestiegen?

SPEAKER_02

War es dann direkt quasi als Teil der Geschäftsführung oder genau, ich bin am 2.01., seit 2.01.2025 bin ich zur Firma dazugekommen und als Geschäftsführerin. Und das war, glaube ich, sowohl mir wichtig, weil ich jetzt nicht, ich wollte nicht im Schatten von meinem Vater arbeiten und ich wollte jetzt nicht seine neue Assistent sein und ihm zuarbeiten. Und andererseits war es aber auch ihm wichtig, weil er, glaube ich, Angst hatte, dass ich nicht ausreichend Commitment abgebe. Und dass ich sage, ich schaue mir das jetzt mal ein halbes Jahr an, dann gefällt es mir nicht und dann mache ich halt irgendwas anderes, weil ich bin irgendwie jung, talentiert und ich kriege schon einen anderen Job. Und ich glaube, für ihn war diese Verankerung als Geschäftsführerin nochmal ein sehr wichtiger Punkt, um mich in die Verantwortung zu ziehen, um mir zu zeigen, ich trage jetzt die Mitverantwortung für den Erfolg dieser Firma und ich arbeite jetzt nicht in der zweiten Reihe, sondern das ist jetzt für eine Zeit lang unser gemeinsames Ding und das muss halt am Papier auch so dastehen.

SPEAKER_00

Und er hat für sich quasi eine Timeline, wann er ganz rausgehen möchte oder ist das, also was bedeutet, ihr macht es das jetzt gemeinsam, weil du bist ja jetzt Geschäftsführerin.

SPEAKER_02

Wir sind jetzt beide in der Geschäftsführung und er anfangs wollte er nach drei Monaten weg. Ich glaube, wir sind aber beide drauf gekommen, das funktioniert noch nicht. Ich glaube auch, also ich traue mich zu sagen, es macht ihm sehr viel Spaß, mit mir zu arbeiten. Und natürlich haben wir unsere Konflikte und andere Sichtweisen und natürlich arbeite ich auf eine ganz andere Weise als er und kriegen wir ab und an in die Haare. Aber ich glaube, wir haben vor allem, und das schätze ich sehr in der Zusammenarbeit mit ihm, ein wahnsinnig tiefes Vertrauen gegenseitig. Also ich glaube, dieses Grundvertrauen, dass sowohl ich als auch er nur im besten Interesse für die Firma handeln werden, und das im familiären Verbund, und wir hatten immer schon eine sehr enge Beziehung. Ich weiß gar nicht, ob ich das mit jemandem anderen replizieren kann so schnell. Und ich glaube, auch das macht ihm Spaß, irgendwie mit jemandem so eng zusammenzuarbeiten, dem er so viel Vertrauen schenken kann. Und natürlich will er noch immer in Ruhestand gehen, aber ich glaube, die Timelines sind jetzt noch, ist jetzt ein bisschen nach hinten gerückt und ist noch ein bisschen offen. Und er arbeitet natürlich in einer anderen operativen Intensität. Also ich leite jetzt das operative Geschäft und er ist eher auf einer strategischen Ebene involviert.

SPEAKER_00

Ja. Ja, aber also ich finde auch, dass wenn man jemanden hat, der einen auch mit einem gemeinsamen Geschäftsführung ist, ich meine, bei Austrian Startups, wir sind ein Verein, zehn Personen, die jetzt Vollzeit da angestellt sind, aber ich finde es trotzdem so angenehm, einen Co-Geschäftsführer zu haben, mit dem ich einfach, auch wenn unsere operativen Themen sehr stark getrennt sind, aber einfach diese strategische Ebene gemeinsam in derselben gefühlten Verantwortung für das Gesamte zu sein und dadurch eben einen Sparingspartner zu haben, der genauso alle Themen im Blick hat, ist, finde ich, eine extrem angenehme Situation, weil du doch viele Blindspots vielleicht dann aufdecken kannst, die eine Person hat.

SPEAKER_02

Ja, absolut. Und auch irgendwie diese Komfort, jemanden anrufen zu können, der dir so nahe steht, einfach mal zu sagen, folgende Situation, ich brauche Hilfe, was würdest du machen? Oder wie würdest du das strategisch eingehen? Oder ich stehe gerade an, kannst du mir helfen. Das ist einfach so viel wert, weil ich glaube, manchmal werden diese Probleme in deinem eigenen Kopf nur viel größer und dann brauchst du irgendwie von außen kurz die Erinnerung, ja, was, wenn du den und den Weg gehst, den du vielleicht in dem Moment gar nicht siehst.

SPEAKER_00

Du hast jetzt vorhin angesprochen, du bist quasi auch in einer Zeit der Krise dazugestoßen, was der Immobilienbranche jetzt gerade nicht die Hochzeit erlebt hat. Wie war das auch für dich? Was waren da so vielleicht andere Ansätze, mit denen du reingegangen bist? Hast du da auch quasi direkt auch deine Erfahrungen und irgendwie diesen Innovationsgeist aus dem VC-Bereich einbringen können?

SPEAKER_02

Ja, ich glaube, die, also die Immobilienbranche ist ja, und das ist auch das, was mich anfangs, glaube ich, immer so abgeschreckt hat, ist ja eher eine sehr traditionelle und vielleicht ein bisschen steife Branche, auch eine stark männerdominierte Branche. Und die ist von der Kultur her ja auch irgendwie sehr weit weg von der Tech-Branche. Und das, was da aber, glaube ich, auch fehlt in dieser Branche ist so die. Dieses Verständnis für Software, für Produkte und für das Potenzial dahinter. Natürlich beschäftigen sich viele Leute damit und natürlich gibt es auch technologieoffene Firmen und Firmen, die sich mit dem, was in der Startup-Industrie passiert und dem, was am Softwaremarkt passiert, auseinandersetzen und das auch integrieren. Aber ich glaube, so dieses Verständnis, was ich entwickelt habe, was bedeutet es, ein Produkt zu bauen, worauf kommt es eigentlich bei einer Software an, was ist das Potenzial hinter einer Software, das ist vielleicht was, was ich anderen voraus habe. Und ich glaube schon fest daran, dass ich mit dem Verständnis eine andere Art von Firma bauen kann. Jetzt gar nicht die, also einfach um operative Exzellenz anders zu machen, die effizientere Firma zu bauen, die intelligentere Firma zu bauen, weil der Zugriff auf Daten und Dokumente besser funktioniert, die schneller und besser Entscheidungen treffen kann. Und da merke ich schon, dass ich aus dem, was ich irgendwie in den letzten Jahren im VC gelernt habe, jetzt in Kombination mit dieser doch sehr traditionellen Branche, dass ich immer wieder auf Ideen komme, wie ich glaube, dass man es besser machen kann. Und ich habe auch manchmal das Gefühl, da bin ich irgendwie gut angekommen. Ich fand Unternehmertum und dieses VC-Backed-Unternehmertum immer spannend, aber ich wusste nie, ob ich jetzt die Person sein werde, die das neue Softwareprodukt entwickelt und die von Grund auf alles neu baut. Sondern ich glaube, das, was ich viel besser drin bin, ist, existierende Dinge anders zu denken und ein bisschen besser zu machen und somit dann zum Erfolg zu kommen. Und eben vielleicht dieses traditionelle Unternehmertum in einer eher traditionellen und alten Branche zu kombinieren mit dem, was neu entsteht und dem, was man anders machen kann.

SPEAKER_00

Was sind da gerade Entwicklungen in der Branche, die du besonders spannend findest, oder wo auch arbeitet ihr da dann zum Teil auch mit Startups zusammen? Oder wie sieht das dann aus?

SPEAKER_02

Ja, zum Teil schon, was wir aber natürlich auch irgendwie viel machen, wir haben Claude und wir bauen uns unsere eigenen Sachen intern. Und ich musste erstmal damit beginnen, unsere ganzen Dokumente vernünftig zu strukturieren und aus den ganzen Daten, die wir haben, etwas zu machen, mit denen man arbeiten kann. Und basierend darauf bauen wir halt unsere eigenen kleinen Tools. Wir sind ja auch irgendwie ein kleines Team und sind jetzt auch nicht die große Maschine. Das heißt, solche Dinge kann man schnell umsetzen und schnell implementieren. Und wir haben begonnen irgendwie bei unserer Controllerin, die, wie ich dazugekommen bin, Rechnungen ausgedruckt hat, eine Rechnungsnummer vergeben hat und am Papier unterschrieben hat, um sie dank meinem Vater auf den Tisch zu legen und dann um die Rechnungsfreigabe zu finden. Das funktioniert natürlich jetzt heute alles anders für uns, aber es sind so diese kleinen Dinge, die ich begonnen habe in den letzten Jahren zu ändern. Und jetzt bin ich, glaube ich, so weit, dass wir, dass es jetzt nicht mehr nur um die kleinen operativen Themen geht, sondern darum geht, wie können wir diese Tools und das, was man über Claude und über all das, was rundherum passiert, selbst machen kann, wie können wir damit unser Geschäft und unseren USP verbessern.

SPEAKER_00

Was ist euer USP? Wir haben gar nicht so viel über die Firma selber noch gesprochen.

SPEAKER_02

Ich glaube, das, wo mein Vater seine erfolgreichen Geschäfte damit gemacht hat, ist, und das ist so der Kern dieser immobilienentwicklung. Ich habe immer geglaubt, Immobilienentwicklung sind Häuser bauen. Und da geht es darum, irgendwie ein Grundstück zu kaufen und dann baust du ein Haus und dann verkaufst du dieses Haus wieder. Aber das, was er immer sehr gut darin war, ist diese vorgelagerte Phase des Erstellen seines strategischen Konzepts, was ist das richtige Produkt für dieses Grundstück. Und wie kann ich das Grundstück aufbereiten, damit ich ein Haus draufbauen könnte. Es gibt Grundstücke, wo es irgendwie noch keine Kanalzuführung gibt. Es gibt Grundstücke, die sind noch nicht richtig parifiziert und eingeteilt. Es gibt Grundstücke, die umgewidmet gehören. Also es gibt so einen vorgelagerten strategischen Teil über, ich glaube, darüber spricht man nicht so wirklich viel und es ist wahnsinnig schwer greifbar für jemanden, der nicht zu tief in der Branche drin ist. Aber da passiert ganz viel strategische Arbeit, mit der man relativ viel Wert heben kann, bevor überhaupt ein Haus gebaut wird. Und das würde ich sagen, ist unser Sweet Spot. Also zu erkennen, eine Liegenschaft zu erkennen und das Potenzial dahinter zu erkennen und dann die Maßnahmen zu treffen und die Dinge zu tun, damit man das Potenzial eben geben kann.

SPEAKER_00

Super spannend. Und ich meine, da gibt es ja auch noch so viel Potenzial für Digitalisierung, wenn ich mir anschaue. Also wir schauen manchmal zum Spaß, Grundstück weiter ferner, dass wir uns das mal leisten können, mein Partner und ich. Aber man schaut halt gern, wir sind ja beide da um den 23. herum aufgewachsen. Und wenn man sich die teilweise die Pläne anschaut, also ich hätte so gerne manchmal dann das Ganze in einem 3D-Format, in einem Format, wo ich irgendwie mir überlegen könnte, okay, was könnte man da jetzt wirklich drauf bauen und irgendwie das. Und selbst wenn man sich mal sich ein Grundstück anschauen geht und dann detailliertere Pläne dazu bekommt, ist es, finde ich, extrem schwer greifbar. Von dem her finde ich, das ist eigentlich ein sehr spannender Speedspot, den ihr da bearbeitet.

SPEAKER_02

Ja, absolut. Und es steckt halt auch wahnsinnig viel. Also ich habe jetzt auch im letzten halben Jahr habe ich die Gewerbeberechtigung zur Bauträgerin gemacht. Das ist so, einmal im Schnelldurchlauf zu lernen, was macht man in der Immobilienentwicklung eigentlich. Und da lernt man halt auch, wie hoch reguliert das Ganze ist und wie viele Richtlinien du zu beachten hast und wie viele strenge Auflagen es gibt, die jetzt für einen Laien, der sich nicht damit auskennt, absolut undurchsichtig sind und unmöglich irgendwie zu durchschauen. Also jetzt von den reinen rechtlichen Gegebenheiten, aber auch, wie darf ich das Gebäude bauen, wie hoch darf das sein. Alles ist eigentlich vorgegeben. Und ich glaube, allein diese schiere Menge an Informationen und diese Menge an Wissen, die da dahinter steckt, um dann die richtigen Entscheidungen treffen zu können und um das richtige Produkt bauen zu können. Ich glaube, da ist auch ganz viel Potenzial dahinter, wie man das über diese digitalen Tools intelligenter und besser und vor allem auch schneller nutzen kann.

SPEAKER_00

Super spannend. Jetzt bist du in ein bestehendes Team auch quasi hineingekommen, eine bestehende Firma. Wie war das damals auch für dich, quasi auch mit deinen neuen Ansätzen in Sachen digitaler aufzusetzen, etc. Wie ist es auch im Team aufgenommen worden? Waren da alle gleich dahinter oder gab es da auch Prozesse, Learnings, die du gezogen hast in den letzten Jahren dadurch?

SPEAKER_02

Ja, ich bin, also so wie ich charakterlich, glaube ich, bin, bin ich jetzt nicht so jemand, der mit dem Fuß durch die Wand geht und sofort irgendwie sagt, wir müssen alles anders machen, sondern ich schaue mir gern die Dinge an und beobachte sie. Und wenn ich dann für mich ein Verständnis dafür entwickelt habe, wie man es vielleicht anders machen kann oder wie man es besser machen kann und mir sicher bin, dass das der richtige Weg ist, dann werde ich laut und dann beginne ich die Dinge zu ändern. Und so habe ich das eigentlich auch letztes Jahr gemacht. Ich habe erst mal irgendwie verstehen müssen, was machen wir da überhaupt, was sind unsere Prozesse, wieso machen wir das? Und dann im nächsten Schritt habe ich begonnen zu verstehen, was kann man da eigentlich besser machen. Und ich glaube, ohne mir da jetzt irgendwie selbst auf die Schulter zu klopfen, aber ich glaube, diese eher subtile Art und diese eher ruhige Art, mir die Dinge zuerst anzuschauen und eben nicht sofort alles verändern zu wollen, hat mir vielleicht dabei geholfen, dass doch relativ viel Akzeptanz war und alle sehr offen waren, die Prozesse zu verändern und zu hinterfragen. Und natürlich gab es die ein oder andere Herausforderung. Aber ich glaube, im Großen und Ganzen hat das schon gut funktioniert, aber es war auch für mich irgendwie eine Umstellung, jetzt als 30-Jähriger da reinzugehen und jemanden, der seit 15 Jahren mit meinem Vater zusammenarbeitet, irgendwie nach vier Monaten zu sagen, ja, aber jetzt musst du es anders machen.

SPEAKER_00

Und habt ihr da auch im Team, also vielleicht neue Rollen geschaffen, etc., die um die digitalen Prozesse aufzusetzen? Oder hast du einfach geschaut, dass du mit den derzeitigen Mitarbeitern da arbeitest, sie anbordest auch, ich meine, es ist nicht für alle dann einfach mit Cloud und Co., die vielleicht schon einige Jahre ganz andere Prozesse gewohnt sind, dann anfangen zu arbeiten. Oder vor allem, wenn du sagst, da wurden Themen noch ausgedruckt und manuell bearbeitet, dann auf KI-Tools umzusteigen, ist vielleicht nicht immer einfach.

SPEAKER_02

Ja, wir haben schon ein bisschen auch das Team umgestellt und ein bisschen frischen Wind dazu gebracht. Und dadurch ist man dann irgendwie als ganze Organisation in Bewegung und wenn man dann die neuen Tools und Prozesse Schritt für Schritt integriert, hat das eigentlich ganz gut funktioniert. Aber natürlich, ich sage meinem Vater immer, er soll nicht mehr Google, sondern Cloud verwenden, aber weiß ich nicht, so was wirklich macht.

SPEAKER_00

Wenn du jetzt ein bisschen in die Zukunft schaust und auch die Entwicklungen, die wir gerade sehen, ich meine, Immobilienbranche ist immer weiterhin hart, jetzt auch mit den Energiepreisen, den Entwicklungen, die es in den letzten Jahren gab im Klimabereich etc. Und trotzdem, ich habe diese Woche mit dem Sander vom Planradar zum Beispiel gesprochen zum Thema, ja, wie wird denn mittlerweile Kreislaufwirtschaft in der Baubranche zum Beispiel angenommen? Da gab es irgendwie damals, als die EU noch den Green Deal versucht hat zu pushen, irgendwie viele Startups, die auch in dem Bereich aufgepoppt sind. Mittlerweile habe ich das Gefühl, es geht eher wieder in eine andere Richtung. Wie erfährst du gerade die Branche und wo glaubst du, entwickelt sich es gerade hin? Wo sind die Chancen?

SPEAKER_02

Ja, also schon herausfordernd. Ich glaube, es ist auf der einen Seite die Rohstoffpreise, die immer noch, und das sieht man jetzt auch wieder mit dem Krieg im Iran, die irgendwie, wo wir sehr stark abhängig von externen Faktoren sind, die wir manchmal nicht beeinflussen können. Und natürlich auch die Zinsen, die sich in den letzten zwei Jahren wieder auf ein Niveau eingependelt haben, was sehr okay ist und womit man eigentlich gute Projekte bauen kann und gut rechnen kann. Die aber auch, wenn man sich jetzt die Entwicklungen wieder anschaut, gefährdet sind, wieder gefährlich stark zu steigen. Und wenn, ich glaube, wenn diese zwei Entwicklungen wieder in die falsche Richtung gehen, dann werden die Herausforderungen auch nicht kleiner, sondern größer. Das ist auf der einen Seite, glaube ich, die Seite der Herausforderung. Auf der anderen Seite, wir haben eine riesen Wohnbaukrise. Wir haben zu wenig Wohnraum. Und am Ende des Tages haben wir uns, glaube ich, davon verabschiedet, dass wir alle irgendwann im Metaverse leben werden, sondern realisiert, dass wir doch in Wohnungen bleiben. Das heißt, das Produkt Wohnen wird jetzt nicht an Relevanz verlieren, sondern eher nochmal mehr an Relevanz gewinnen. Und die Grundthese dahinter zeigt ja eigentlich, dass wahnsinnig viel Potenzial in der Branche ist. Und das ist eigentlich das, was mich reizt und woran ich stärker glaube. Ich glaube, man muss nochmal stärker irgendwie antizipierter arbeiten. Man muss die Entwicklungen vorausschauender behandeln. Und ich glaube, dann kann man schon, dann kann man auch die Dinge in einer herausfordernden Zeit gut machen. Ich habe am Montag erst wieder mit meinem Vater darüber diskutiert und er hat mich gefragt, wie ich die Entwicklungen in der Branche sehe und auch hinsichtlich der Firmenzukunft. Und ich habe gesagt, ja, wir haben halt irgendwie allgemein eine Wirtschaftskrise. Überall ist es gerade schwierig. Ich glaube nicht, dass es in der, natürlich ist es in der Immobilienbranche sehr schwierig, aber ich glaube nicht, dass es das jetzt besser macht, wenn ich mir jetzt übermorgen überlege, ich wechsle Branche und gehe irgendwo anders hin. Ich glaube, man muss die Dinge in seinem Dunskreis einfach gut machen und mit gewisser Vorsicht, aber eben da, wo es erlaubt, auch mit einem gewissen Risiko dahinter, um dann mit in der Branche, die in einer Herausforderung steckt, erfolgreich sein zu können. Und darin glaube ich eigentlich fest, dass wenn man die Dinge gut macht und wenn man die richtigen Dinge macht und das sagt sich irgendwie so leicht. Aber ich glaube, da findet man über Zeit das Vertrauen, dass man die Dinge so machen kann. Ich glaube, man kann man es erfolgreich machen. Und da muss man sich nicht zu stark beeinflussen lassen von dem, was im Außen passiert. Und ich kann jetzt auch nicht irgendwie den ganzen Tag in den Nüsräumen abhängen und zu schauen, was im Rand passiert, sondern ich muss halt einfach weitermachen. Ich gibt, glaube ich, keine andere Option.

SPEAKER_00

Voll. Und ich meine, das sehen wir auch in der Startup-Szene. Die Startups, die schaffen auch durch eine Krise in ihrer Branche durchzutauchen und da sich auch stabil weiterzuentwickeln, die Zeit zu fokussieren, um zu bauen oder eben weiterzudenken, neu zu denken, zu innovieren. Die sind auch diejenigen, die dann wieder stark profitieren, wenn es wieder bergauf geht. Also ich glaube, da kann man durchaus parallel ziehen. Vielleicht, wir sind schon recht fortgeschritten, was mich noch am Schluss interessieren würde, es ist jetzt nicht alltäglich, and dass die Tochter von ihrem Vater übernimmt die Firma. Es ist auch generell sehen wir, dass Firmenübernahmen quasi innerhalb der Familie zurückgehen eher, da ist eher ein Gegentrend. Was glaubst du, oder was würdest du anderen, die überlegen, diesen Schritt zu gehen, mitgeben aus eurem Prozess? Was glaubst du, hat dir dabei, ich meine, es ist noch frisch im Prozess, relativ, aber trotzdem, was hat dir hier geholfen, da zumindest den Start gut zu meistern und auch eben, was ich mir ihr herausfordernd vorstelle, da auch eben in der Beziehung innerhalb der Familie eher, wie ich das jetzt so heraushöre, dass ihr da eher gestärkt hervorgeht, als dass es jetzt die Beziehung zu stark belastet.

SPEAKER_02

Ich glaube, was mir stark geholfen hat, ich hatte mit meinem Vater ein Wochenende, das wir gemeinsam verbracht haben in dieser Vorbereitungszeit, wo das war und das lief unter dem Titel Papa, erzähl doch mal. Und da ging es eigentlich nur darum, dass er von seiner unternehmerischen Karriere erzählt, wieso er die Dinge damals so gemacht hat und was er gemacht hat und was er sich damals erwartet hat oder was er geglaubt hat, was daraus entstehen kann. Und ich durfte Fragen stellen und er hat einfach viel erzählt. Und das hat bei mir dafür gesorgt, dass ich wahnsinnig viel Respekt dafür entwickelt habe, für das, was er aufgebaut hat und für vor allem auch, weil ich, ich wollte nie in die Immobilienbranche. Ich habe immer gesagt, Papa, ich werde nie Immobilienentwicklerin. Und diese Erzählungen haben aber irgendwie bei mir dafür gesorgt, dass ich ganz viel erkannt habe, was ich davor nicht gesehen habe, weil du redest halt doch nicht darüber, weil du kennst dich irgendwie seit 30 Jahren und ich kenne ihn aber auch als meinen Vater und gewisse Dinge weiß ich natürlich nicht, die irgendwie passiert sind, als ich ein Kind war. Und ich habe dadurch irgendwie ganz viel Respekt und Hochachtung dafür entwickelt. Und vor allem auch Hochachtung vor dem Unternehmertum und vor diesem Willen, etwas kreieren zu wollen. Und dass das auch bei mir, glaube ich, die Erkenntnis gebracht hat, ist, dass, ja, mein Vater macht Immobilienentwicklung, aber das ist eine Sache, die man machen kann. Wenn ich da jetzt dazu komme, dann ist das für mich eher der Beginn einer unternehmerischen Reise. Und dann bedeutet das nicht, dass ich in 30 Jahren genau das mache, was mein Vater die letzten 30 Jahre gemacht hat, sondern ich kann ja daraus auch irgendwas anderes machen. Ich muss nur in dieses unternehmerische Tun kommen. Ich muss gestalten, ich muss erkennen, was man machen kann. Ich muss irgendwie vielleicht antizipieren, in welche Richtung sich was entwickelt. Und das hat mir irgendwie so ein bisschen die Angst davor genommen, dass ich jetzt meine eigene Karriere verlasse, die ich mir irgendwie aufgebaut habe und mich dem in das einfüge, was mein Vater da gemacht hat, sondern eben eher die Freiheit gegeben, nimm das als Chance, das ist eine privilegierte Situation. Nicht jeder hat die Möglichkeit, in die Fußstapfen von jemandem zu treten. Und schau, dass du nicht, du musst nicht in den Fußstapfen genau drin bleiben, sondern du kannst auch nach rechts und links treten. Und die Möglichkeit ist eigentlich nur, das als Basis zu nutzen und basierend darauf, dann deine unternehmerische Zukunft zu planen.

SPEAKER_00

Ich finde, das hast du extrem schön gesagt. Mit dem möchte ich auch schon übergehen in unsere Speedrund. Wir haben noch ein paar Fragen für dich, die du bitte kurz beantwortest. Und ich würde hineinstellen, hast du einen Lifehack für uns?

SPEAKER_02

Mir selbst WhatsApp-Nachrichten zu schreiben. Man kann sich ja selbst, also ich habe meinen WhatsApp-Chat oben angepinnt, und immer wenn ich unterwegs bin oder wenn mir irgendwas einfällt, was ich tun muss, schreibe ich mir einfach ganz schnell selbst eine WhatsApp-Nachricht. Und das ist der absolut wildeste Chat, den will ich niemandem jemals zeigen, weil da ist alles drinnen von irgendwie Gedanken, die ich mir mache, über kleine To-Dos, private To-Dos, berufliche To-Dos. Aber es ist ein absoluter Live-Hack, weil ich glaube, WhatsApp ist die App auf meinem Handy, die ich am meisten verwende. Und es ist super, es ist überhaupt keine Hürde da, mir da was reinzuschreiben, weil das funktioniert sofort und ganz schnell und es bleibt irgendwie alles dokumentiert.

SPEAKER_00

Und dann ist es mal raus aus dem Kopf. Ich finde auch, wenn ein Todo-Do dann aufschreibt, dann kreist es nicht mehr in den Gedanken. Das stimmt. Sehr gut. Hast du ein größtes Learning für uns?

SPEAKER_02

Ich glaube, dass alle irgendwie nur mit Wasser kochen. Ich habe irgendwie, ja, ich habe es vorhin schon andeuten lassen, ich bin eher vom Charakter eher so ein Typ, der sich die Dinge anschaut und sich einen Überblick verschafft. Und vielleicht bekomme ich dann irgendwie anfangs auch, wenn ich jetzt neu wo dazukomme, vielleicht bekomme ich dann anfangs auch das Gefühl, boah, die sind alle so krass, die wissen alle viel mehr und die machen alles so viel besser als ich. Und das habe ich jetzt gerade auch in den letzten eineinhalb Jahren gemerkt, wenn man so in eine Branche dazukommt, wo du von du keine Ahnung hast und wo du aber als Geschäftsführerin agieren musst, bist du irgendwo in diesem Zwiespalt zwischen, wow, die finden, ich finde das so toll, wie das alle machen und die haben mir so viel voraus, aber ich muss meine Dinge ja auch weiterhin so machen, wie ich sie bisher gemacht habe. Und nach einer gewissen Zeit kommst du halt drauf, ja, kochen alle nur mit Wasser, die haben auch nicht die Weisheit mit dem Waffel gefressen. Und das ist irgendwie eine ganz schöne Erkenntnis, weil mir das so ein bisschen die Angst nimmt, neue Dinge zu tun. Weil wenn man eine gewisse Zeit mit etwas vertraut wird, dann kriegt man das schon hin.

SPEAKER_00

Voll schön. Hast du eine Buchempfehlung?

SPEAKER_02

Ja, ich glaube, mein absolutes Lieblingsbusiness-Buch ist Shoe Dog von Phil Knight. Das ist die Biografie von vom Nike-Gründer, weil ich das so brutal ehrlich finde. Und ich finde, es liest sich irgendwie wie ein Krimi und zeigt irgendwie mega schön, was so die Ups und Downs vom Unternehmertum sind und wie auch so ein erfolgreiches Unternehmen wie Nike irgendwie zig Male vor dem Abgrund gestanden ist und sie sich gedacht haben, jetzt geht es nicht mehr weiter.

SPEAKER_00

Wirklich total inspirierend. Und auch so, es war schon eine andere Zeit, wo der hineingestandet hat. Ist doch schon ein paar Jahre her. Absolut. Aber trotzdem, glaube ich, ganz, ganz viel, was immer noch gilt aus diesem Buch. Hast du ein Lieblingsprodukt?

SPEAKER_02

Ich glaube, mein Lieblingsprodukt ist meine Siebträgermaschine, die mich seit zwölf Jahren mittlerweile begleitet. Nach Berlin und nach Holland ist ja auch mitgekommen. Überall mitgereist und it keeps me going.

SPEAKER_00

Ist das eine bestimmte Marke, auf die du schwörst?

SPEAKER_02

Ich habe mir damals, ich habe mit 19 in Kanada in so einem Café als Barista gearbeitet und habe mir dann danach eine Rocket Apartamento gekauft und eine italienische Marke und die steht noch immer in meiner Küche.

SPEAKER_00

Voll gut. Und ein Future Weekly Must have hast du ein Lieblingsschimpfwort? Ich glaube very simple, fuck. Da reißt du dich in eine gute Reihe von bisherigen Unternehmerinnen und Unternehmern ein. Zum Schluss hätten wir auch gerne von dir noch einen Moonshot. Etwas, was du dir wünschst, was aber allein dadurch, dass du es aussprichst, auch schon etwas wahrscheinlicher wird und eine Prediction, wo du dir recht sicher bist, dass das in Kraft treten wird.

SPEAKER_02

Also ich glaube, mein Moonshot wäre, dass ich hoffe, dass aus den multiplen Krisen, die wir im Moment haben, die Klimakrise, die Wirtschaftskrise, die unterschiedlichen Kriege, die sich überall abspielen, dass daraus wieder so ein neuer Schwung an Unternehmertum und Motivation die Dinge in die Hand zu nehmen entsteht. Ich glaube, es würde uns als Gesellschaft irgendwie sehr gut tun, wieder so richtig ins Tun zu kommen und aus diesem Krisenmodus heraus wieder großartige Dinge zu schaffen. Und das sieht man ja, wenn man irgendwie in die Vergangenheit schaut, dass aus Zeiten, in denen es schwierig und herausfordernd war, dass da oftmals gute Dinge entstanden sind. Und das würde ich mir für uns in der Welt natürlich wünschen, aber auch natürlich speziell für uns in Europa wünschen, dass wir da positiv und gestärkt herausgehen.

SPEAKER_00

Ich glaube, wenn ich jetzt zurückdenke, die letzten vier Aufnahmen, die ich gemacht habe, war Europa und eine Zukunft, wo Europa gestärkt und gemeinsam ist, das Thema kann ich mich nur anschließen. Ja, das wäre schon schön. Eine Prediction?

SPEAKER_02

Ja, ich glaube, meine Prediction reißt sich so ein bisschen in oder lehnt sich ein bisschen an das an, was in meiner Karriere bisher war. Ich glaube, wir werden diese uns durch AI und durch diese vielleicht leichte Erschöpfung rund um digitalen Content und die Omnipräsenz von AI, glaube ich, werden wir uns wieder mehr in Richtung physischer Orte und Begegnungen und echte Verbindungen entwickeln. Und ich glaube, dass wir da diese, dass da die Kombination und die Zusammenarbeit aus der digitalen und der physischen Welt einfach immer wichtiger wird, um unserer nächsten Generation die richtigen Orte der Begegnung schaffen zu können. Und da auch hoffentlich den Vorteil vielleicht in Europa nutzen können, dass wir doch irgendwie, wir haben so viel Kultur, wir haben so viel, unsere Städte sind so schön gewachsen. Da ist so viel Substanz da, auf die wir bauen können. Vielleicht gibt es da irgendeine Welt in der Zukunft, wo uns das nochmal in die Karten spielt.

SPEAKER_00

Superschön, vielen, vielen Dank, Clara. Ich fand, es war sehr inspirierend, deine Geschichte zu hören. Und von dem her einen schönen Tag euch allen da draußen. Wir hören uns wieder am Donnerstag mit den News. Und von dem her, danke dir, Clara. Dankeschön.